Thomas Eichin spricht über Werders Probleme Eichin: "Klar, dass Druck steigt"

Bremen. Rund um Werder geht die Abstiegsangst um – und die Frage, ob Thomas Schaaf noch der richtige Mann für den Trainerposten bei Werder ist. Ja, ist er im Moment, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin am Montag.
23.04.2013, 05:00
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Bremen. Der Medienauftrieb war groß. Für Bremer Verhältnisse sogar gewaltig. Rund um Werder geht die Abstiegsangst um – und die Frage, ob Thomas Schaaf noch der richtige Mann für den Trainerposten bei Werder ist. Ja, ist er im Moment, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin in einem Interview vor der Kabine im Weserstadion. Olaf Dorow zeichnete das Gespräch auf.

Herr Eichin, wie groß sind auch heute noch die Schmerzen über die Art und Weise der Niederlage gegen Wolfsburg?

Eichin: Die sind natürlich immer noch groß. Wir haben mit dieser Art des Spiels überhaupt nicht gerechnet. Wir hatten ein perfektes Feld vorgefunden, weil die anderen Mannschaften für uns gespielt hatten. Wir hatten eine volle Hütte. Und haben das einfach schlecht gemacht. Wir sind dabei zu analysieren, warum wir zu Hause irgendwie keinen Fuß vor den anderen kriegen. Warum wir uns auswärts an und für sich sehr, sehr gut präsentieren und zu Hause den Bock nicht umstoßen können.

Neun Spiele ohne Sieg – wie sehr wackelt Trainer Thomas Schaaf?

Es ist klar, dass der Druck steigt. Wir haben am Samstagabend gemeinsam mit Thomas die Situation analysiert, und auch gestern und heute noch einmal gesprochen. Wir haben überlegt, was wir machen. Wie präparieren wir uns für das Leverkusen-Spiel? Thomas ist auch am Samstag auf der Bank. Das stand schon am (letzten, d. R.) Samstag fest. Wir waren gestern vorwiegend mit irgendwelchen Falschmeldungen beschäftigt, die überall kursierten. Das war sehr unangenehm, weil wir auf Dinge reagieren mussten, die völlig aus der Luft gegriffen waren.

Wenn Thomas Schaaf auch in Leverkusen auf der Bank sitzen wird, ist das dann eine Art Ultimatum?

Wir sprechen hier nicht von Ultimaten. Wir sind uns momentan sicher, dass wir mit Thomas Schaaf am besten aus der Situation herauskommen.

Was hat die Analyse denn ergeben in den Gesprächen?

Es ist uns unerklärlich, warum wir zuhause Dinge einfach nicht umgesetzt bekommen.

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Hat das mit Kopf und Psyche zu tun?

Wir präsentieren uns auswärts anders. Jetzt ist erstmal ein Auswärtsspiel angesagt. Da ist mir nicht so bange. Auswärts sind wir recht stabil und präsentieren uns relativ gut.

Wenn die Mannschaft die Vorgaben nicht umsetzt, müssen dann nicht Konsequenzen bezüglich der Mannschaft gezogen werden?

Ich rede nicht von Konsequenzen. Die Mannschaft weiß, glaube ich, was los ist. Ich bin sicher, dass die Mannschafte eine entsprechende Reaktion zeigen wird.

Wir sehr spüren Sie den Druck Richtung zweite Liga?

Wir beschönigen nix. Aber es bringt nichts, jeden Tagen über die Situation zu diskutieren. Wir wissen, was los ist. Wir müssen unsere Punkte machen und am Samstag ist die nächste Gelegenheit dafür da.

Thomas Schaaf hat seinen Rücktritt angeboten...

...nein, er hat ihn nicht angeboten. Da ist auch so eine Meldung, die hier jeden Tag von mir dementiert werden muss. Wenn man fünfzigmal danach gefragt wird, ob man denn jetzt endlich seinen Stuhl räumt, dann sagt man irgendwann, dass man nicht das Problem ist. Das ist doch völlig normal. Der Thomas redet überhaupt nicht von Rücktritt. Der Thomas ist kämpferisch.

Bei einer solch lange anhaltenden Erfolglosigkeit wäre der Trainer aber in anderen Vereinen schon längst weg. Wieso ist das in Bremen anders?

Also in erster Linie ist das bei uns nicht anders. Wir diskutieren genauso über die Situation, genauso über den Trainer. Thomas Schaaf wird hier nicht behandelt wie eine heilige Kuh. Es gibt auch genug Fälle in der Bundesliga, wo Trainerwechsel in Aktionismus enden und überhaupt nichts gebracht haben. Wir sind uns hier sicher, dass wir die richtigen Schritte tun, und alles Weitere wird man sehen.

Am 10. Mai wäre Thomas Schaaf 14 Jahre lang hier. Wie groß ist die Chance, dass er das hier auch feiern kann?

Ich habe jetzt hier mehrfach betont, dass wir mit Thomas Schaaf die Situation meistern. Wir müssen jetzt erstmal das nächste Spiel angehen. Wir brauchen nicht über etwas zu reden, was irgendwann anstehen wird.

Hat es denn in der Geschäftsführung auch diese Überlegung gegeben: Vielleicht hilft uns doch ein Wechsel?

Ich will jetzt nicht über Inhalte der Gespräche reden. Wir führen sie nach jedem Spiel und wir haben sie sicherlich etwas intensiver geführt nach dem Spiel am Samstag.

Können Sie denn sagen, ob die Gespräche kontrovers geführt wurden?

Ich muss mich wiederholen: Über Inhalte der Gespräche möchte ich hier nichts kundtun.

Wird Thomas Schaaf im nächsten Sommer auch noch der Trainer sein?

Ich werde hier nicht über Dinge reden, die irgendwann, im Sommer 2014 oder im Winter 2015 anstehen. Wir haben jetzt die Situation in Leverkusen, was zu reißen. Darauf konzentrieren wir uns.

Ist diese Situation Abstiegskampf?

Wir sind im Abstiegskampf, ist doch wohl logisch. Ich komme mir immer so vor, als wüssten wir hier nicht, was die Stunde geschlagen hat. Das weiß jeder.

Gibt es Maßnahmen, den Spielern die Verunsicherung zu nehmen?

Wir müssen jetzt einfach zusammenhalten. Das ist ganz, ganz wichtig, dass wir jetzt hier nicht auseinanderbrechen. Dem Druck müssen wir uns stellen. Wenn wir den Druck, die Situation annehmen, dann werden wir das auch schaffen.

Sie haben am Wochenende eine andere Trainingsführung angekündigt. Können Sie das konkretisieren?

Das müssen Sie den Trainer fragen. Ich glaube, es war eine sehr harte Einheit am Sonntag. Ich war heute Morgen bei der Mannschaft. Sie weiß, was los ist. Sie ist bereit, und ich hoffe, dass der Groschen da gefallen ist.

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