Werder-Talente Eichin setzt auf Nachwuchs

Bremen. Werder muss in Zeiten klammer Kassen verstärkt auf den eigenen Nachwuchs hoffen - sportlich und finanziell. Klar ist aber, dass nicht alle Talente dauerhaft im Kader der Grün-Weißen stehen werden. Eine Bestandsaufnahme.
09.09.2014, 00:00
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Eichin setzt auf Nachwuchs
Von Marc Hagedorn

Bremen. Wenn es um Werders Personalpolitik geht, ist immer wieder von kreativen Transfers die Rede. Werder will günstig oder noch besser ablösefrei einkaufen und diese Spieler dann entwickeln. Eine weitere Säule ist der eigene Nachwuchs. Mehr als ein halbes Dutzend Spieler unter 21 zählt aktuell zum 27-köpfigen Bundesligakader. Möglichst viele von ihnen sollen den Schritt zum etablierten Bundesliga-Profi machen. Eine Bestandsaufnahme.

Es hat sie in jeder Werder-Generation gegeben. Talente aus dem eigenen Nachwuchs, die frühzeitig und regelmäßig mit den Profis trainierten: Einige wie Christian Schulz, Aaron Hunt, Paul Stalteri, Philipp Bargfrede oder Tim Borowski sind bei Werder erfolgreich den Weg zum gestandenen Profi gegangen, haben es teilweise sogar bis in die Nationalmannschaft geschafft, ähnlich wie Martin Harnik (über Düsseldorf nach Stuttgart), Max Kruse (über St. Pauli und Freiburg nach Gladbach). Woanders mindestens solide Zweitliga-Profis sind in der jüngeren Vergangenheit Lennart Thy (FC St. Pauli), Tom Trybull (FC St Pauli) und Florian Trinks (Greuther Fürth) geworden.

Im Jahr 2014 hat Werder acht Spieler mit Profiverträgen ausgestattet, die am Anfang ihrer Karriere stehen, und bei denen die Verantwortlichen die Fantasie besitzen, dass aus ihnen Erstligaspieler von morgen werden könnten. „Es ist uns allen klar, dass wir nicht fünf, sechs oder sieben von den Jungs nach oben in die erste Liga durchbringen werden“, sagt Werders Geschäftsführer Thomas Eichin, „aber wir wollen es wenigstens versuchen.“

Acht Nachwuchsspieler im Dunstkreis der Profis, das sind acht unterschiedliche Veranlagungen und Ausgangssituationen, weswegen Werders Geschäftsführung auch individuelle Vertragsmodelle entwickelt hat. Bei Davie Selke etwa verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr, wenn er in dieser Saison noch ein Mal, dann zum insgesamt dritten Mal, in der Bundesliga zum Einsatz kommt. Ähnlich ist es bei Levent Aycicek: Bei einer bestimmten Anzahl an Einsätzen, die Verein und Spieler aber geheim halten, darf er bis 2018 bleiben. Ebenfalls bis 2018 läuft der Vertrag von Marnon Busch. Oliver Hüsing, Julian von Haacke, Richard Strebinger, Luca Zander und Rajf Husic sind bis 2017 an Werder gebunden.

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Die Torhüter: Nach der Entscheidung, Sebastian Mielitz keinen neuen Vertrag anzubieten, stand die Sportliche Leitung vor der Wahl: Holt man hinter Raphael Wolf einen erfahrenen Ersatzmann? Oder gibt man zwei Nachwuchsleuten die Chance? Erfahrene, ablösefreie Profis waren auf dem Markt, etwa Heinz Müller und Christian Wetklo von Mainz 05. Werder entschied sich aber für zwei junge Leute.

„Das ist nicht ohne Risiko“, gibt Eichin zu. Gleichzeitig bietet eine Kombination mit Husic (18 Jahre) und Strebinger (21) aber die Chance, „Marktwerte zu schaffen“, wie Eichin es nennt. Heißt im Klartext: Bei einem möglichen Verkauf in der Zukunft bringen ein deutscher U-19-Nationaltorwart (Husic) und ein österreichischer U-21-Auswahlkeeper (Strebinger) mehr Geld in die Kasse als ein Torwart, der schon Mitte 30 ist. „Rafa ist gesetzt“, sagt Eichin, „für die anderen spricht die Zukunft.“ Im Moment ist eine klare Nummer zwei nicht auszumachen. Gegen Hoffenheim saß Husic auf der Bank, gegen Hertha Strebinger. In der Regionalliga-Mannschaft hat Husic dreimal gespielt, Strebinger zweimal.

Marnon Busch: Für den 19-jährigen Rechtsverteidiger hätte die Saison gar nicht besser beginnen können. Im DFB-Pokalspiel in Illertissen wurde er eingewechselt, gegen Hertha feierte er kurz vor Schluss sein Bundesliga-Debüt, und gegen Hoffenheim war er im Kader. „Wir haben ihm das zugetraut“, sagt Eichin, „er ist robust, verfügt über eine große Schnelligkeit mit Zug zum Tor.“ Nach diesen Worten kann man davon ausgehen, dass Busch demnächst noch häufiger spielen wird.

Luca Zander: An Spielen ist bei dem anderen 19-jährigen Rechtsverteidiger im Moment noch nicht zu denken. Zander, gebürtig aus Weyhe, arbeitet nach Knieproblemen, an seiner Rückkehr. (Übrigens genau wie Özkan Yildirim, 21, der allerdings schon in seine dritte Saison als Profi geht). Im Unterschied zu Busch wirkt Zander körperlich nicht so robust. Eichin sagt es so: „Es ist in diesem Entwicklungsstadium ein Unterschied, ob man in der U 19, der U 23 oder in der Bundesliga spielt. Wir trainieren extrem hart.“ Gleichwohl zählt Zander zum Kreis möglicher künftiger Bundesligaspieler. Eichin sagt: „Er und wir haben die Zeit, abzuwarten.“

Oliver Hüsing: Hinter dem 21-jährigen Abwehrhünen (1,93 Meter) liegt eine gute Vorbereitung. Sein Pech: In der Innenverteidigung ist Werder aktuell bestens aufgestellt (Prödl, Caldirola, Lukimya, bei Bedarf auch Galvez). Deshalb ist er Stammkraft nur in der Regionalliga-Mannschaft. „Aber auch er hat noch Zeit“, sagt Eichin, „und er hat Perspektiven.“

Levent Aycicek: In der vergangenen Saison hat er sein Bundesliga-Debüt gefeiert und auch gleich ein Tor geschossen. Bremen wartet jetzt darauf, dass der mehrfache Junioren-Nationalspieler endlich häufiger im Weserstadion aufläuft. Aycicek, bei der U-17-WM vor drei Jahren mit drei Toren einer der Besten, ist inzwischen seit Längerem verletzungsfrei. Seinen Stammplatz hat Aycicek, 20, in dieser Saison bisher in der Zweiten. Dort spielte er am Freitag beim 2:4 gegen den HSV-Nachwuchs groß auf, hat insgesamt schon zwei Tore geschossen und zwei weitere vorbereitet. Eichin und Trainer Robin Dutt haben Aycicek, als dessen Manko fehlende Schnelligkeit gilt, trotzdem auf dem Radar. „Er muss sich an ein oder mehreren etablierten Spielern vorbeispielen“, fordert Eichin.

Julian von Haacke: Er ist einer nach dem Geschmack der Werder-Fans. Als gebürtiger Bremer, aufgewachsen im Viertel unweit des Weserstadions, könnte er nach Uwe Harttgen der erste Bremer Junge im Werder-Bundesliga-Trikot werden (Julian Brandt aus Borgfeld und Karim Bellarabi aus Huchting spielen in Leverkusen). Doch von Haacke fällt nach einem Kreuzbandriss noch länger aus. Dem feingliedrigen Mittelfeldmann „drücken wir im Moment die Daumen, dass er wieder fit wird“, sagt Eichin. Alles Weitere muss man abwarten.

Davie Selke: Er hat noch keinen neuen Vertrag unterschrieben, aber nachdem kürzlich schon sein Berater positive Signale gesendet hatte (wir berichteten), sagte nun auch Eichin: „Wir nähern uns an.“ Selke soll langfristig gebunden werden. Der Torschützenkönig der U-19-Europameisterschaft, ausgestattet mit einer guten Physis, Schnelligkeit und Torinstinkt, kämpft mit dem erfahrenen Nils Petersen um den zweiten Platz im Sturm. „Bei uns bekommt niemand etwas geschenkt“, sagt Eichin, „Davies Entwicklung läuft so, wie wir uns das vorgestellt haben.“

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