Die Bundesliga-Kolumne von Dieter Eilts

Was Werder im Moment so stark macht

Der jüngste Auftritt in München hat gezeigt, zu welchen Leistungen Werder in der Lage ist, wenn alle Spieler mit voller Leidenschaft ihre Aufgaben erfüllen. Auch Dieter Eilts lobt das Team in seiner Kolumne.
24.11.2020, 09:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts

Die Defensive ist im Moment der Schlüssel zum Erfolg bei Werder, das hat sich auch beim 1:1 am Wochenende in München gezeigt. Und damit möchte ich nicht nur die Abwehr loben, auch die Leistung der anderen Spieler, die gegen den Ball arbeiten, ist in dieser Saison bisher deutlich wirkungsvoller als im vergangenen Jahr. Werders Spieler stehen insgesamt enger am Mann, sie agieren als Mannschaft deutlich kompakter und lassen dem Gegner weniger Raum. Hinzu kommt, dass sie in dieser Saison auch viel weniger individuelle Fehler machen. Bei einigen Spielern ist eine bemerkenswerte Leistungssteigerung zu erkennen, überhaupt sind viele im Kader nun stabiler in ihren Leistungen – und das führt dazu, dass Werder derzeit erfolgreicher spielt als in der abgelaufenen Saison, als man Stück für Stück in den Abstiegskampf rutschte.

Wenn man das letzte Spiel betrachtet, muss man Ömer Toprak erwähnen, der gegen Bayern München eine außergewöhnliche Leistung gezeigt hat und damit noch etwas herausragte aus einer Bremer Defensive, die mir richtig gut gefallen hat. Wenn man einerseits weiß, welches Offensivpotenzial die Münchner haben und andererseits sieht, dass Werder im Spiel trotzdem kaum Torchancen zugelassen hat, dann muss man anerkennen: Die Mannschaft von Florian Kohfeldt hat in diesem Spiel sehr gut verteidigt, sie hat die Bayern kaum einmal in den Strafraum gelassen. Das war hervorragend. Und Toprak wurde dabei zum Fels in der Brandung. Er übernahm das Kommando, er führte und stellte seine Nebenleute in diesem schwierigen Spiel. Das lässt natürlich hoffen, dass er diese Leistung stabilisieren kann. Bei ihm ist nur entscheidend, ob er gesund bleibt und wie sein Fitnesszustand ist. Ich hoffe, dass Toprak in der Zukunft nun mehr solcher Spiele für Werder zeigen kann.

Eggestein kommt besser zurecht

Zur Abwehrstärke trägt auch das defensive Mittelfeld bei. Zuletzt spielten dort Maximilian Eggestein und Christian Groß, in München waren es Eggestein und Kevin Möhwald. Maxi zeigt derzeit einen deutlichen Formanstieg, er findet sich immer besser in der neuen Rolle zurecht und kann, nach einer für ihn sehr schwierigen Saison, wieder zu einem unumstrittenen Leistungsträger werden. Ich glaube, dass durch seine neue Position seine Aufgaben wieder klarer definiert sind und er durch den zweiten Sechser an seiner Seite immer wieder die Möglichkeit hat, selbst offensivere Aktionen zu starten. Wie nun wieder in München zu sehen, als er das wichtige Tor für Bremen erzielte. Es tut der Defensive gut, dass sich vor der Abwehr eine Doppelsechs gut ergänzt mit zwei Spielern, die sich abstimmen und aufeinander achten. Wenn der eine nach vorne geht, sichert der andere ab. Dieses Wechselspiel funktioniert, und gleichzeitig ist das Zentrum vor der Abwehr dadurch geschlossen.

Zur deutlich verbesserten Defensivarbeit bei Werder gehören aber nicht nur Abwehr und Mittelfeld, sondern auch der Angriff. Josh Sargent war in München einmal mehr Bremens erster Abwehrspieler, er hat an vorderster Stelle viel gearbeitet und weite Wege gemacht. Er ist in dieser Rolle sehr wichtig für die Mannschaft, weil er die gegnerischen Abwehrspieler schon früh unter Druck setzt, damit sie den Ball nicht mehr sauber spielen können. Und wenn der Gegner doch ins Mittelfeld spielt, attackiert Sargent im Rücken und versucht dadurch, den Ball wieder zu erobern oder Druck aufzubauen. Er arbeitet in all diesen Szenen sehr gut mit, das gelingt ihm diese Saison auffallend gut. Wenn er die eine oder andere Chance in München zu einem Tor genutzt hätte, wäre das auch für ihn persönlich ein verdienter Lohn gewesen. Ich wünsche ihm, dass er sich diese Belohnung für sein Engagement nun in einem der nächsten Spiele noch abholt.

Dieter Eilts (55)

schreibt als Kolumnist für den WESER-KURIER. Der Ehrenspielführer der Bremer, Europameister von 1996 und ehemalige U 21-Nationaltrainer schaut bei Werders Spielen genau hin, analysiert die Leistungen der Mannschaft und die Entwicklungen im Verein.

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