Kleines Lob für Zhang

Ein Anfang

Yuning Zhang hat in der Stürmerhierarchie bei Werder seinen Konkurrenten Aron Johannsson hinter sich gelassen. Ein weiter Weg bis in die Bundesliga ist es dennoch.
08.08.2017, 20:12
Lesedauer: 3 Min
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Ein Anfang
Von Patrick Hoffmann

Die ersten Worte auf Deutsch hat Yuning Zhang bereits gelernt. „Guten Tag“ zum Beispiel. Oder „Abspielen“, „Angreifen“ und „Eckball“. Auch ein neues Lieblingsessen hat er schon gefunden: Milchreis mit Zimt und Zucker. „Den habe ich vorher noch nie gegessen“, sagt er, „davon kriege ich nicht genug und nehme immer gleich zwei Schälchen.“ Es sind bloß kleine Anekdoten, die der chinesische Neuzugang am Dienstag in einer Medienrunde erzählt hat, aber sie lassen durchaus den Schluss zu, dass der Privatmann Zhang bereits angekommen ist in seiner neuen Wahlheimat Bremen. Für den Fußballprofi Zhang gilt das noch nicht unbedingt.

Ein Kandidat für das DFB-Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers am kommenden Sonnabend (20.45 Uhr, Sky) ist Zhang jedenfalls noch nicht, von Einsätzen in der Bundesliga ganz zu schweigen. Womit sich nun all jene Kritiker bestätigt fühlen, die Zhang ohnehin nur für einen Marketing-Gag halten. Zhang, so lautet eine gängige Argumentation, sei nur geholt worden, damit Werder im Werben um chinesische Sponsoren einen leichteren Stand hat. Und tatsächlich hat der Bundesligist nur kurze Zeit nach dem Transfer von Yuning Zhang zwei chinesische Geldgeber präsentiert. In einem der beiden Unternehmen ist Papa Zhang sogar Geschäftsführer, was zumindest bemerkenswert ist. Yuning Zhang aber lässt dieses Thema überhaupt nicht an sich heran. „Die Leute können sagen, was sie wollen“, sagt er, „ich bin stolz bei Werder zu sein und bereit, zu spielen.“

Zhang muss sich gedulden

Am liebsten will er natürlich in der Bundesliga spielen, sagt Zhang, "aber jede Erfahrung in der U23 wäre ebenso wichtig für mich". Das sieht auch Frank Baumann so. Grundsätzlich, sagt Werders Sportchef im Gespräch mit dem WESER-KURIER, habe Zhang in der Vorbereitung „einen guten Eindruck gemacht und sein Potenzial gezeigt. Er ist bereit, zu lernen, und er hat ein Näschen, wie man Tore macht." Allerdings wird auch Baumann nicht entgangen sein, dass der 20-Jährige fußballerische Defizite mit sich herumträgt, weshalb er nun in Werders U23 Spielpraxis sammeln soll. Darf er aber nicht. Zhang fehlt die entsprechende Spielerlaubnis, die Profis aus Nicht-EU-Staaten für die dritte Liga benötigen. „Wir versuchen weiterhin, ihm eine Spielerlaubnis für die U23 zu organisieren“, sagt Baumann. „Das sieht im Moment aber nicht so gut aus. Wir haben allerdings die Hoffnung, dass es sich zu einem späteren Zeitpunkt realisieren lässt.“

Vorerst muss sich Yuning Zhang also gedulden und auf Einsatzminuten bei den Profis hoffen. Seine Chancen stehen dabei sicher besser als die von Aron Johannsson. Der 26-Jährige steht bei Werder längst auf dem Abstellgleis, in den Planungen von Trainer Alexander Nouri spielt er keine Rolle mehr. Auch der Sportchef will Johannsson keine allzu großen Hoffnungen mehr machen. „Aron hat selbst betont, dass es sein Anspruch ist zu spielen“, sagt Baumann, "doch bei uns gibt es momentan den einen oder anderen, der die Nase vorn hat." Das Traumduo Max Kruse und Fin Bartels natürlich, aber auch Nachwuchsstürmer Johannes Eggestein. „Er ist noch näher an die Profis herangerückt", sagt Baumann über den 19-Jährigen. "Er hat in den Testspielen Argumente geliefert. Johannes ist ein großes Talent, er ist bei den Profis angekommen. Es ist alles so gelaufen, wie wir es mit ihm besprochen hatten. Er soll sich weiterhin Stück für Stück entwickeln. Wir trauen ihm den Sprung in die Bundesliga zu."

Anfragen aus der MLS für Johannsson

Gegen Würzburg wird Johannes Eggestein sehr wahrscheinlich im Kader stehen, ein Kandidat für die Startelf ist er aber noch nicht, obwohl mit Bartels ein Angreifer gesperrt ist. Nouri setzt im Duell mit dem Drittligisten eher auf den gelernten Mittelfeldspieler Florian Kainz, der bereits bei der Generalprobe gegen den FC Valencia (1:2) am "Tag der Fans" den Vorzug erhalten und seine Sache als Bartels-Double ordentlich gemacht hat. Johannsson hingegen durfte sich gegen Valencia minutenlang warm machen, kam aber nicht zum Einsatz. Ein deutliches Zeichen. „Es kommt jetzt darauf an, ob Aron mit der Situation zufrieden ist, oder ob er mit einem Wechselwunsch auf uns zukommt“, sagt Baumann, „die Entscheidung muss von Aron kommen, damit wir uns damit beschäftigen.“

Klar ist, dass Werder einem Wechselwunsch des Stürmers sofort nachkommen würde, schon allein deshalb, weil Johannsson viel zu teuer ist für einen Reservisten. Mögliche Ziele gibt es einige. England zum Beispiel. Oder die USA. Aus der nordamerikanischen Profiliga MLS hat es sogar schon Anfragen gegeben. Sportlich würde ein Wechsel dorthin Sinn ergeben, US-Nationaltrainer Bruce Arena ist bekannt dafür, auf Spieler aus der heimischen Liga zu setzen. Johannsson würde also seine Chancen erhöhen, im kommenden Sommer in den Kader für die Weltmeisterschaft in Russland zu rutschen. Johannsson aber, der in dieser Woche den Berater gewechselt hat, sieht seine Zukunft eher in Europa. Zumal ein Wechsel in die USA vorerst vom Tisch sein dürfte: Am Mittwoch schließt in der MLS das Transferfenster.

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