Werder im Abstiegskampf Ein Blick in den Tabellenkeller

Bremen. Vier Spieltage vor Saisonende kämpfen noch vier Teams um den Klassenerhalt - und Werder Bremen steckt mittendrin. Wir blicken auf die Situation in Bremen, Düsseldorf, Augsburg und Hoffenheim.
25.04.2013, 09:23
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Von Olaf Dorow, Andreas Morbach, Maik Rosner und Tobias Schächter

Bremen. Vier Spieltage vor Saisonende kämpfen noch vier Teams um den Klassenerhalt - und Werder Bremen steckt mittendrin. Wir blicken auf die Situation in Bremen. Düsseldorf, Augsburg und Hoffenheim.

Werder Bremen

In den vergangenen zehn Wochen haben sich zahlreiche Spieler verletzt. Kaputt ging in Bremen aber viel mehr. Werder verwandelte sich in rasantem Tempo von einem Kandidaten für den Europapokal zu einem Kandidaten für die zweite Liga. Das Selbstbewusstsein der Spieler schwand, Abstiegskampf kennen nur wenige aus eigener Erfahrung.

Der Trainer erlebt eine Art Medien-Offensive, die sich um das mögliche Ende seiner so lange so erfolgreichen Ära dreht. Die Fans sind in dieser Frage gespalten. Und selbst die Geschäftsführung, die sich in Bremen einer Politik der ruhigen Hand verpflichtet fühlt, muss sich der Trainerfrage widmen. Sie wurde in den vergangenen 14 Jahren an der Weser nie lauter gestellt als zurzeit.

Gemeinsam mit Thomas Schaaf rätselt der Führungszirkel zudem über ein Phänomen. Werder tritt in diesen Wochen zu Hause verzagter auf als auswärts. Das Heimspiel gegen Wolfsburg gedieh zuletzt trotz aufmunternder Ergebnisse der Konkurrenz zum Desaster. Die bislang erkennbaren Maßnahmen gegen das unheilvolle Abrutschen: Schaaf ließ am Sonntag härter trainieren, strich den trainingsfreien Montag, verzichtete am Dienstag und Mittwoch auf Experimente in der Abwehrreihe und verzichtete auch darauf, mit den Reportern zu sprechen. Was ihm gestern auch die Spieler gleichtaten.

Womöglich wurde dafür intern viel gesprochen. Gestern nach dem Training brauste erst das Trainerteam, später die Mannschaft Richtung Osterdeich. Es sah wie eine Fahrt zu einer teambildenden Maßnahme aus. „Wir helfen uns nicht, das ist unser größtes Problem“, hatte Zlatko Junuzovic am Dienstag gesagt.

Fortuna Düsseldorf

Ausnehmend stolz auf ihre erste Halbserie nach 15 Jahren Bundesliga-Abstinenz waren die Düsseldorfer nicht gerade – zumindest nicht aus ästhetischen Gesichtspunkten. Toll fanden die Rheinländer dafür ihre Ernte aus den ersten 17 Spielen (21 Punkte). Fußballerisch läuft es für das Team von Norbert Meier seitdem einen Hauch besser, in der Tabelle dagegen geht‘s kontinuierlich abwärts. Einige Fortuna-Spieler erklären daher offen, sie wollen wieder so eklig zu bespielen sein wie im Herbst. Etwa Angreifer Dani Schahin, der wegen der ständigen Aussetzer in der Defensive rustikale Überlegungen anstellt: „Vielleicht müssen wir hinten einfach kompromissloser sein. Wenn ein sicherer Pass nicht geht, dann muss der Ball halt auch mal auf die Tribüne gekloppt werden.“

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Zwischen sich und den FC Augsburg, aktuell auf dem Relegationsplatz, hatte Düsseldorf zwischenzeitlich einen Puffer von zwölf Punkten gelegt. Jetzt sind es noch drei Zähler. Ein wichtiger Spieler wie Außenverteidiger Johannes van den Bergh (verhandelt mit Aufsteiger Hertha) ließ bereits durchblicken, dass er in der nächsten Saison definitiv wieder in der Bundesliga spielen will. Auch der unentbehrliche Australier Robbie Kruse (Gladbach und Leverkusen zeigen Interesse) dürfte im Abstiegsfall kaum zu halten sein, ebenso wenig wichtige Spieler wie Torwart Fabian Giefer oder Mittelfeldmann Adam Bodzek.

Keine einfache Situation angesichts des unverkennbaren Abwärtstrends beim Aufsteiger (acht Spiele sieglos), dessen Hang zur Schönfärberei vor allem einen Mann aufregt: Manager Wolf Werner, der nach der jüngsten Niederlage in Hamburg tobte: „Unsere Ausreden kotzen mich an!“

FC Augsburg

Von Simon Jentzsch war schon länger nicht mehr die Rede. Der Torwart des FC Augsburg plagt sich seit geraumer Zeit mit einer hartnäckigen Fingerverletzung herum, doch für hoffnungsfrohe Botschaften ist er durchaus zuständig beim 16. der Bundesliga. Das 777. Nachwuchsmitglied begrüßte der 36-Jährige in dieser Woche, die acht Jahre alte Marie Keller. Das Training der Mannschaft von Markus Weinzierl besuchte das Mädchen natürlich nicht ohne ihre Ausrüstung. Sie stünde bereit, falls ein Profi ausfallen sollte, ließ Marie wissen.

Für die nähere Zukunft hilft den Augsburgern diese kleine Anekdote nur bedingt weiter. Und doch bildet sie die Situation beim Konkurrenten des SV Werder ganz gut ab. Denn nach der Rotsperre von Kevin Vogt muss Weinzierl erneut einen Engpass in der Innenverteidigung befürchten. Für das Derby am Samstag gegen den VfB Stuttgart stehen zwar Ragnar Klavan und Jan-Ingwer Callsen-Bracker bereit, doch Letzterer müsste bei einer weiteren Gelben Karte pausieren.

Für die fernere Zukunft muss sich auch Manager Stefan Reuter sorgen. Der Abschied der beiden Südkoreaner Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji gilt als wahrscheinlich, vor allem im Abstiegsfall. Doch zunächst sollen sie helfen, diesen zu vermeiden. Bei Koo sieht es nach einer baldigen Rückkehr nach seiner Bauchmuskelverletzung aus. Von der Moral ist Reuter trotz der bitteren 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach und der angespannten Personallage ohnehin überzeugt. „Die Mannschaft wird sich wieder aufrichten und mutig nach vorne schauen“, sagte er. Die kleine Marie wird sich gedulden müssen.

1899 Hoffenheim

Als Markus Gisdol vor dreieinhalb Wochen vierter Cheftrainer von 1899 Hoffenheim in dieser Saison wurde, lud er die Journalisten zum Plausch bei Kaffee und Kuchen ein. „Wir wollen unseren Fußball entwickeln, wenn dabei der Klassenerhalt rausspringt, umso besser“, sagte er. Den Abgrund nicht zum Thema machen, Druck von den Spielern nehmen, offensiven Fußball spielen lassen und so das Image wieder verbessern, das ist Gisdols Plan. Der selbstbewusste Mann ist sich seiner Sache sicher, er hat einen Vertrag bis Ende Juni 2016 unterschrieben.

Der Mäzen Dietmar Hopp will sein altes Hoffenheim zurück, das er selbst durch abenteuerliche Personalentscheidungen mit an den Abgrund geführt hat. Mit Gisdol, einem Zögling des ehemaligen Erfolgstrainers Ralf Rangnick, will Hopp mehr Geduld als mit dessen Vorgängern zeigen, heißt es. Und Gisdol meint es ernst, er will sich von den vielen Altlasten wie dem degradierten Ex-Werderaner Tim Wiese trennen. Die Trennung von Chris ist beschlossen. Diese Woche verbannte Gisdol die erst in dieser Saison verpflichteten Usami, Malbrasic, Aquah und Advincula in die U 23 und zog drei Junioren in den Profi-Kader.

In Hoffenheim kursiert der Satz, es werde in diesem Sommer mehr Geld an Abfindungen als an Ablösesummen fließen. Bisher hat Gisdol vier Punkte in drei Spielen gesammelt, das 0:5 in Leverkusen zuletzt war aber ein herber Rückschlag – auch für das Torverhältnis. Das Heimspiel gegen Nürnberg ist eine Art Stimmungsendspiel für das Saisonfinale. Eine Niederlage – und die Spiele in Bremen, gegen den HSV und in Dortmund gerieten wohl zur Abschiedstour aus Liga eins.

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