Mittelfeldspieler Jerôme Gondorf Ein Mann der langen Wege

Werder steht kurz vor der Verpflichtung des Darmstadt-Profis Jerôme Gondorf. Der Mittelfeldspieler hat als Profi eine ganz schön ungewöhnliche Karriere gemacht.
15.05.2017, 18:24
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Ein Mann der langen Wege
Von Marc Hagedorn

Werder steht kurz vor der Verpflichtung des Darmstadt-Profis Jerôme Gondorf. Der Mittelfeldspieler hat als Profi eine ganz schön ungewöhnliche Karriere gemacht.

Es gab da diese Szene. Werder hatte Anfang März Darmstadt 98 im Weserstadion zu Gast, und es entwickelte sich ein quälendes Fußballspiel, lange stand es 0:0. Den Werder-Profis hatte das damals gar nicht gefallen, den Darmstädtern dafür umso mehr. Bei Darmstadt 98 haben sie es quasi zu ihrem Markenkern erhoben, Fußball zu arbeiten, Zweikämpfe zu suchen, alles mit Power, Tempo und Leidenschaft anzugehen. Irgendwann in diesem Krampfspiel landete ein langer Ball im freien Raum, in den Claudio Pizarro gestartet war. Es bot sich die Chance zum Konter. Zwei, drei Meter hinter Pizarro stand Jerome Gondorf. Pizarro also lief und Jerome Gondorf auch. Nach geschätzten zehn Metern hatte Gondorf Pizarro eingeholt, nach weiteren zehn Metern überholt, und dann hatte Gondorf den Ball. Angriff gestoppt.

Wenn in den nächsten Tagen die letzten Details geklärt sind, dann können sich die Werder-Fans darauf einstellen, Jerome Gondorf demnächst regelmäßig im Weserstadion zu sehen. Nach Informationen des WESER-KURIER steht Werder unmittelbar vor der Verpflichtung des 28-jährigen Mittelfeldspielers. Am Sonntag weilte Gondorf zu Gesprächen in der Stadt.

Bei Darmstadt 98, so ist zu hören, plant man schon nicht mehr dem Spieler, obwohl man ihn gern dort halten würde. Daraus wird aber nichts, denn wie die „Bild“ bereits Anfang April berichtete, besitzt Gondorf im Abstiegsfall eine Ausstiegsklausel. Inzwischen ist Darmstadt abgestiegen und Gondorf für angeblich 1,2 Millionen Euro zu haben.

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Werder hat Bedarf im Mittelfeld. Clemens Fritz hat gerade das Ende seiner Karriere verkündet. Florian Grillitsch wechselt zu 1899 Hoffenheim. Und Philipp Bargfrede ist verletzungsanfällig. Gondorf, ein Rechtsfuß, spielt am liebsten zentral, ist aber vielseitig einsetzbar. Er hat für Darmstadt im Mittelfeld auch schon als zweiter Sechser gespielt. In den Texten, die über ihn geschrieben werden, ist häufig die Rede vom Antreiber, davon, dass er Löcher stopft, das Spiel ankurbelt.

Immer deutlicher wird in Werders Kaderstruktur inzwischen ein Muster erkennbar. Die Profis, die zuletzt nach Bremen geholt wurden, stehen für ähnliche Attribute. Thomas Delaney, Robert Bauer und jetzt auch Jerôme Gondorf sind dynamische Spieler, körperlich sehr präsent. Typen, die sich nicht so leicht unterkriegen und entmutigen lassen. Robert Bauer hat dem WESER-KURIER kürzlich erzählt, wie sehr es ihn geprägt hat, dass seine Eltern ihn und seine beiden Schwestern in bescheidenen Verhältnissen großziehen mussten. Thomas Delaney hat sich beim FC Kopenhagen die Zeit genommen, um vom Jugendspieler zum allseits geschätzten Mannschaftskapitän aufzusteigen. Erst im vergangenen Winter, mit 25, spielt Delaney seine erste Saison im Ausland.

Dass er jemals in der Bundesliga landen würde, war für Jerôme Gondorf lange Zeit überhaupt nicht klar. Beim Karlsruher SC war nach der A-Jugend Schluss für ihn. Statt Profi zu werden, macht er erstmal das Abitur und ging auf Klettertour durch die Ligen. Verbandsliga in Spielberg, Oberliga in Durlach, Regionalliga und schließlich dritte Liga mit den Stuttgarter Kickers. Dort wird Dirk Schuster sein großer Förderer. Schuster ist es auch, der Gondorf 2013 zu Darmstadt 98 holt. 25 ist Gondorf zu diesem Zeitpunkt schon. Und wieder malocht er sich nach oben: dritte Liga, zweite Liga, inzwischen zweites Jahr Bundesliga. In Darmstadt ist er einer der Lieblinge, eine treibende Kraft beim wundersamen Aufstieg des Klubs.

Auch in dieser Saison ist er ein Leistungsträger, bei 28 Einsätzen erzielte er drei Tore und bereitete sechs weitere Treffer vor; zwei davon im Hinspiel gegen Werder. Vor dem 1:0 für Darmstadt brachte Theo Gebre Selassie ihn im Strafraum zu Fall, und es gab Elfmeter. Vor dem 2:2 spielte Gondorf einen schönen Diagonalpass auf den Torschützen Antonio Colak. Keine schlechte Referenz.

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