Werders Saisonplanung

Ein Mini-Umbruch im Sommer

Die alte Saison ist noch in vollem Gange, da hat die Vorbereitung auf die Spielzeit 2019/2020 längst begonnen. Werder-Sportchef Frank Baumann prognostiziert geringfügigere Veränderungen als im Vorjahr.
21.02.2019, 11:11
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Ein Mini-Umbruch im Sommer
Von Christoph Sonnenberg
Ein Mini-Umbruch im Sommer
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Nach Siegen ist Florian Kohfeldt gerne mal spendabel. Zwei freie Tage gab es im Anschluss an das 4:0 im Heimspiel gegen Augsburg für seine Spieler. Das wenige Tage zuvor gewonnene Pokalspiel in Dortmund dürfte seine Großzügigkeit beeinflusst haben. Ganz nach dem Motto: Erholung als Belohnung. Für ihn selbst und Frank Baumann gelten hingegen andere Maßstäbe, trainingsfreie Tage sind nicht gleichzusetzen mit freien Tagen. Es gilt, Werder weiter zu verbessern und damit darum, die kommende Saison zu planen. In erster Linie ist das der Job von Trainer und Sportchef.

Der Vorlauf dafür ist lang. Den ersten Termin für die Kaderplanung der nächsten Spielzeit gab es Anfang September vergangenen Jahres. Seitdem folgten viele Sitzungen und etliche weitere werden noch folgen. „Das ist ein ständiger Prozess", sagt Baumann. In diesem Prozess, der maßgeblich vom Sportchef und Kohfeldt bestimmt wird, geht es unter anderem darum, Profile zu entwickeln: Welche Spielertypen werden künftig gebraucht? Welche Anforderungen werden gestellt? Auf welche personellen Veränderungen muss der Verein vorbereitet sein? Und welche Optionen ergeben sich schließlich aus all dem?

Werder will langfristig planen

Auf diese Fragen schlüssige Antworten zu finden, ist derzeit Aufgabe Baumanns, im Zusammenspiel mit Kaderplaner Tim Steidten und der gesamten Scouting-Abteilung. Sie prüfen derzeit, welche der Optionen umsetzbar sind. Und zu welchen Bedingungen. Das ist, wie der Sportchef sagt, ein sich stetig fortsetzender Prozess. Oft werden Spieler über Jahre beobachtet, bis sich schließlich der passende Moment für eine Verpflichtung ergibt. „Wir wollen nicht kurzfristig entscheiden, sondern langfristig planen„, sagt Baumann. Manchmal läuft es in der Praxis jedoch anders als in der Theorie geplant, wie Baumann weiß: „Wir müssen auch mal kurzfristig reagieren.“

Vergangenen Sommer gab es einen großen Umbruch, zumindest die Anzahl der Transfers war groß. Und es waren wichtige Spieler, die den Klub verließen. Mit Thomas Delaney wurde eine tragende Säule verkauft. Mit Zlatko Junuzovic verließ der Kapitän Bremen, und mit Ishak Belfodil der einzige echte Mittelstürmer. Im Gegenzug kam Davy Klaassen für die Rekordablöse von 15 Millionen. Yuya Osako, Martin Harnik, Kevin Möhwald, Nuri Sahin und Claudio Pizarro.

Kontinuität ist wichtig, Wandel auch

In diesem Jahr ist „der Wunsch nach Durchmischung nicht so groß„, wie jemand aus dem Klub die Personalplanung beschreibt. Es wird eher einen Mini-Umbruch geben. Veränderung sei eigentlich immer nötig, wie Baumann sagt: „Kontinuität ist wichtig, ein gewisser Wandel aber auch.“ Dadurch wird der Kader unter Spannung gehalten, neue Konkurrenzsituationen entstehen. Ohne Wandel steigt die Gefahr, dass Spieler ihre Rolle als selbstverständlich betrachten. Es sollen, so ist zu hören, ein bis zwei Stammspieler ausgetauscht werden, dazu werden drei bis vier Kaderspieler ausgetauscht. In diesem Rahmen soll umgebaut werden.

Der kleine Umbruch ist der aktuelle Stand, eine Garantie dafür gibt es nicht. Es dürfte Spieler im Kader geben, die eine Ausstiegsklausel haben. Ludwig Augustinsson und Jiri Pavlenka beispielsweise, die ihre Verträge vergangenen Sommer vorzeitig um ein Jahr verlängerten. Dafür wird es eine Gegenleistung seitens Werders gegeben haben. Eine Gehaltserhöhung. Praxis in vergleichbaren Fällen ist auch, eine festgeschriebene Ablöse in den Vertrag einzubauen. Kommt ein Klub und zahlt diese, muss Werder für Ersatz sorgen. Baumann, auf dieses Szenario angesprochen, sagt: „Ich mache mir keine großen Sorgen, was den Sommer angeht.„ Er sagt jedoch auch: „Wir haben noch ein paar Dinge zu klären.“

Es kommt kein Innenverteidiger

Eins dieser Dinge ist die Zukunft Max Kruses, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Werders Ex-Manager Klaus Allofs sagte gerade im Interview mit Mein Werder über eine mögliche Verlängerung mit Kruse: „Wohl oder übel wird Werder, wenn Max sich nicht schnell entscheidet, Geduld haben müssen.„ Derzeit ist völlig offen, welche Entscheidung Kruse trifft, Werder muss folglich alternative Optionen prüfen, welcher Spieler ihn ersetzen könnte. Nicht zwingend eins zu eins, weil sich ohne Kruse theoretisch das System verändert. Der Sportchef, das ist zu spüren, ist Gespräche über die Zukunft des Kapitäns leid. Nicht speziell auf Kruse bezogen, sondern allgemeingültig sagt Baumann: „Je erfolgreicher wir sind, desto weniger Gründe gibt es, wegzugehen.“

In der Innenverteidigung ist Stand jetzt keine große Veränderung geplant. Niklas Moisander wird im September zwar schon 34, Sebastian Langkamp ist 31. Beiden wird jedoch von der sportlichen Leitung eine weitere Saison auf aktuellem Niveau zugetraut. Und mit Milos Veljkovic, der im September 24 wird, steht eine jüngere Alternative zur Verfügung. Es fehlt ein wuchtiger, kopfballstarker Innenverteidiger mit Geschwindigkeit. Aber die Planung eines Kaders hängt stark mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen. Und die sind bei Werder eben kleiner als die vieler Konkurrenten.

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