Werder Bremen Ein Schlüsselspiel

Bremen. Ein Sieg gegen den Bundesliga-Drittletzten aus Augsburg brächte Werder frühzeitige Sicherheit. Eine Niederlage aber könnte die Mannschaft unversehens in den Abstiegskampf hineinziehen.
02.03.2013, 05:00
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Ein Schlüsselspiel
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Ein Sieg heute gegen den Bundesliga-Drittletzten aus Augsburg brächte Werder frühzeitige Sicherheit. Eine Niederlage aber könnte die Mannschaft unversehens in den Abstiegskampf hineinziehen.

Es war im November 2010. Aaron Hunt sprach einen Tag vor dem Bundesliga-Spiel bei Schalke 04 mit Journalisten, als plötzlich das Unwort fiel. Abstiegskampf! Hunt machte große Augen. Zu absurd schien der Gedanke ob des Bremer Selbstverständnisses als Champions-League-Klub. Tabellarische Tatsache aber war: Werder rangierte an jenem 13. Spieltag lediglich auf Rang elf, Schalke war gar nur Drittletzter. Der Rest ist Geschichte: Werder unterlag in Gelsenkirchen 0:4 und zitterte fortan bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt. Und heute? "Ich mache mir da eigentlich keine Sorgen", sagt Aaron Hunt vor dem heutigen Spiel gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr). Ein Blick in die Tabelle lohnt sich dennoch.

Zehn Punkte liegen die Bremer vor dem 16. Platz. Das ist zunächst mal ein bequemes Polster vor dem Rang, der in die Abstiegsrelegation führen würde. Geschuldet ist diese Deutlichkeit auch der Tatsache, dass die drei Klubs im Keller der Konkurrenz bislang weitgehend hoffnungslos hinterhergehechelt sind. Und weder Greuther Fürth noch Hoffenheim machen in der Rückrunde Anstalten, an diesem Zustand etwas zu ändern. Anders Augsburg. Der FCA hat sich – analog zur Vorsaison – auf die Aufholjagd begeben. Von den letzten neun Liga-Spielen haben die Augsburger nur zwei verloren: gegen die Bayern und gegen Leverkusen. In der Rückrundentabelle ist der Klub Sechster. So ist auch Aaron Hunt, trotz seines grundsätzlichen optimistischen Ansatzes, gewarnt: "Für viele ist das Spiel gegen Augsburg – von außen betrachtet – vielleicht leicht. Aber das ist es nicht."

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Denn Augsburg hat , so sagt es Werders Sportchef Thomas Eichin "Schaum vor dem Mund". Soll heißen: Die Erfolge der vergangenen Wochen haben die Mannschaft motiviert. Für den Drittletzten der Liga geht es heute deshalb um zweierlei: Der FCA will nicht nur den Vorletzten aus Hoffenheim auf Distanz halten, sondern sieht die Gelegenheit, den Abstand zu den sicheren Plätzen zu verkleinern. Neun Punkte auf Wolfsburg, Nürnberg und Düsseldorf sowie zehn auf Werder sind das – noch. Wolfsburg, Nürnberg, Düsseldorf und auch Werder sind also nach aktuellem Stand die Konkurrenten im Kampf um den direkten Klassenerhalt. Ein Sieg gegen einen dieser Klubs bekommt damit doppeltes Gewicht.

Bei Werder hingegen dreht die Spirale in die andere Richtung. Die Bremer werden in der Rückrundenstatistik an viertletzter Position geführt. Eine Niederlage gegen Augsburg könnte die grundsätzlich unangenehme Dynamik fortsetzen – und weitere unangenehme Folgen haben. Denn das Zehn-Punkte-Polster auf Augsburg könnte schneller abschmelzen als ein Alpengletscher im Klimawandel. In einer Woche muss Werder nach Mönchengladbach, während der FCA mit Nürnberg den nächsten Konkurrenten empfängt.

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Thomas Eichin hält nichts von dieser Schwarzmalerei. Das Spiel gegen Augsburg als ein Spiel gegen den Abstiegskampf? "Nein", antwortet der 46-Jährige. "Mir wird hier immer zu viel über solche Szenarien gesprochen. Unsere Jungs wissen, was kommt." Nämlich eine Mannschaft, die "sich da unten rausgearbeitet hat, die momentan eine gewisse Luft wittert". Werders Spieler wie Nils Petersen stimmen dem Bremer Sportchef zu, wissen aber auch um die Bedeutung dieses Heimspiels: "Dem sind wir uns bewusst. Wir wissen, wie schnell es gehen kann in der Liga."

Das gilt allerdings für beiden Richtungen: nach unten wie nach oben. Denn man darf die Situation vor der heutigen Partie, diesem klassischen Schlüsselspiel, gern auch aus dieser anderen, optimistischen Perspektive heraus betrachten. Mit einem Sieg gegen den FC Augsburg – es wäre der erste in der Bundesliga gegen den FCA – wird Werder in dieser Saison mit dem Abstiegskampf rein gar nichts zu tun haben. Was dann noch nach oben geht, steht allerdings auf einem anderem Blatt.

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