Sieg gegen Mainz spät verschenkt Ein schmerzhafter Nachmittag

Ohne die verletzten Kruse, Junuzovic und Bargfrede kassiert Werder gegen Mainz nach einer 2:0-Führung noch den 2:2-Ausgleich. Das bedeutet zum Ende der Hinrunde den Relegationsplatz.
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Ein schmerzhafter Nachmittag
Von Christoph Bähr

So still kann es also in einem Stadion mit rund 39.000 Menschen werden. Eben noch hatten sich die Werder-Fans mit Sprechchören darauf eingestimmt, den Sieg zu bejubeln, doch ganz plötzlich verstummten sie vollends. Schuld daran war Fabian Frei. In der dritten Minute der Nachspielzeit, mit der letzten Aktion des Spiels, schoss der Mainzer Mittelfeldspieler den 2:2-Ausgleich. „Das war ein ganz bitteres Ende und tat verdammt weh“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt stellvertretend für alle, die es mit den Grün-Weißen halten.

Die Äußerung passte außerdem ins Gesamtbild: Es war ein Nachmittag der Schmerzen für die Bremer. Zunächst einmal waren es die beiden Schlüsselspieler Max Kruse und Zlatko Junuzovic, denen etwas wehtat. Kruse schmerzten die Adduktoren, Junuzovic die Wade. Beide mussten deswegen kurzfristig passen, nachdem sie im Abschlusstraining noch auf dem Platz gestanden hatten. „Wir können sie mit ihren Qualitäten nicht eins zu eins ersetzen“, hielt Kohfeldt fest, fügte aber hinzu: „Wir haben andere Spielertypen mit anderen Qualitäten.“

An Kruses Stelle durfte etwa Ishak Belfodil erstmals seit Ende Oktober wieder von Anfang an spielen. Und der Algerier war sofort voll da. „Mit Ishak verändert sich die Statik des Spiels. Wir können auch mal einen Ball hoch nach vorne chippen oder den Stürmer direkt in die Tiefe schicken“, erklärte Kohfeldt. Außerdem zeichnet Belfodil eine Kopfballstärke aus, die sonst kein anderer Bremer Offensivspieler besitzt. Das wurde in der 17. Minute deutlich, als der Algerier mit einer Kopfball-Bogenlampe im Anschluss an eine Freistoßflanke von Ludwig Augustinsson das zwischenzeitliche 2:0 erzielte. „Es war ein tolles Gefühl, das erste Bundesliga-Tor zu machen“, sagte Belfodil.

Bargfrede belegt seine Wichtigkeit

Während der Angreifer gegen Mainz erstmals zeigte, dass er wichtig für die Mannschaft sein kann, unterstrich ein anderer zum wiederholten Male, welche Bedeutung er für Werder hat: Philipp Bargfrede. In Leverkusen hatte der defensive Mittelfeldspieler noch mit muskulären Problemen gefehlt, doch gegen Mainz brauchte er überhaupt keine Anlaufzeit. Nach einem Ballgewinn von Thomas Delaney war Bargfrede in der zweiten Minute einfach losmarschiert in Richtung Strafraum und hatte den Ball platziert zum 1:0 ins Netz geschossen.

In der Folge war der 28-Jährige eine Art „Aggressive Leader“. Bargfrede gewann Zweikämpfe und trieb das Spiel an. Zusammen mit dem wild entschlossenen Thomas Delaney war er der Garant dafür, dass Werder trotz der Ausfälle eine gute erste Halbzeit spielte. Bei Chancen von Florian Kainz (21.) und Maximilian Eggestein (26.) hätten die Gastgeber noch vor der Pause auf 3:0 erhöhen können. Auf der anderen Seite hatten die Bremer allerdings auch Glück, dass Levin Öztunali die Latte traf (6.). Außerdem rettete Torwart Jiri Pavlenka mit einer überragenden Fußabwehr bei einem Schuss von Pablo de Blasis (34.).

Trotz der kleineren Unaufmerksamkeiten in der Defensive hatte Werder das Spiel insgesamt im Griff – auch in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit. Nach einem guten Angriff hatte Eggestein im gegnerischen Strafraum sehr viel Platz, agierte aber zu unentschlossen (54.). „Wir müssen einfach das dritte Tor machen“, unterstrich Kohfeldt. Der Knackpunkt der Partie waren für den Trainer jedoch nicht die vergebenen Möglichkeiten, es war die Auswechslung von Bargfrede in der 65. Minute, bei der wiederum Schmerzen eine Rolle spielten. Nach einem Foul hatte der Mittelfeldmann nämlich Oberschenkelprobleme und wurde durch Jerôme Gondorf ersetzt.

„Dass ,Bargi‘ raus musste, tat uns richtig weh, weil er gut nach vorne verteidigt und unserem Spiel die Dominanz verleiht, die wir brauchen“, verdeutlichte Kohfeldt. Dazu kam, dass er Delaney auf die Sechser-Position beordern musste, während Gondorf als Achter agierte. „Das ist dann eine Kettenreaktion. Spieler mussten auf Positionen spielen, auf denen sie nicht zu Hause sind. Thomas ist zum Beispiel als Achter stärker“, erläuterte Kohfeldt.

Kohfeldt erneuert Versprechen auf Klassenerhalt

Werder fehlte nun die Stabilität, während die Mainzer deutlich entschlossener auftraten als vor dem Seitenwechsel und durch ihre Einwechselspieler für frischen Wind sorgten. Der Joker Robin Quaison dribbelte Niklas Moisander auf engstem Raum aus und erzielte das 1:2 (70.). Danach warfen die Gäste alles nach vorne. „Wir haben eine überragende Mentalität gezeigt“, lobte Trainer Sandro Schwarz seine Mannschaft.

Trotzdem sah es so aus, als sollte Werder den knappen Sieg über die Zeit retten. Durch Freistöße und Ecken verschafften sich die Bremer Luft, aber im entscheidenden Moment waren sie dann eben doch nicht wach genug. In letzter Sekunde konnte de Blasis unbedrängt flanken und Frei stand – nun ja – frei. Kein Bremer fühlte sich für den Mainzer zuständig. „Da müssen wir im Strafraum mannorientiert agieren. Ein langer Ball, und das Ding ist durch“, sagte Kohfeldt.

Es hätte so schön sein können aus Bremer Sicht. Mit dem dritten Heimsieg in Folge hätten sie das geschafft, was noch vor einigen Wochen nur kühne Optimisten geglaubt hätten: auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern. Nachdem sie erstmals unter Kohfeldt den Rasen im Weserstadion nicht als Sieger verlassen hatten, belegen die Grün-Weißen nun den Relegationsrang. Dass sich diese Platzierung auch positiv sehen lässt, hoben Florian Kohfeldt und Frank Baumann hervor. Der Trainer und der Sportchef benutzten exakt dieselbe Formulierung: Platz 16 könne „die Sinne schärfen“, sagten sie.

Kohfeldt garnierte diese Aussage sogar noch mit einem Versprechen: „Wir werden uns gut auf die Rückrunde vorbereiten und die Liga halten.“ Bevor sich der Fokus auf die Rückrunde richtet, steht aber erst einmal noch ein ganz wichtiges Spiel an: das Pokal-Achtelfinale am Mittwoch gegen Freiburg. Die Hoffnung, dass Kruse und Junuzovic dann wieder dabei sind, besteht durchaus. „Wir werden bis zuletzt darum kämpfen“, versprach Kohfeldt. Wie lange Bargfrede ausfällt, konnte er noch nicht sagen. Egal wer am Ende spielt, für Baumann ist vor dem „sehr wichtigen Pokalspiel“ klar: „Wir haben einen breiten Kader, dem wir vertrauen, und brauchen jeden Spieler.“

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