Wie das Heidenheim-Spiel Werder voranbringt Ein Sieg für das gute Gefühl

Was ist der ungefährdete 4:1-Erfolg über Heidenheim für Werder wert? Die Bremer haben zwar vor allem ihre Pflicht erfüllt, können aber dennoch einiges aus dem Spiel mitnehmen, glaubt Trainer Florian Kohfeldt.
31.10.2019, 12:14
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Ein Sieg für das gute Gefühl
Von Christoph Bähr

Die Zeit nahm sich Florian Kohfeldt einfach. Der Werder-Trainer war nach dem 4:1-Sieg gegen Heidenheim auf dem Weg zur Pressekonferenz, als er in den Katakomben des Weserstadions vor einem Fernseher stoppte. Über den Bildschirm flimmerte gerade der Pokal-Krimi Kaiserslautern gegen Nürnberg, und Kohfeldt schaute zu, wäre sogar gerne noch länger stehen geblieben, doch er wurde ja erwartet und musste weiter. Die Überraschungen und dramatischen Spiele der zweiten Pokalrunde zogen den Bremer Coach in den Bann. Kohfeldt ist schließlich auch ein Fußball-Fan, der das Spektakel liebt, doch in seiner Funktion als Trainer war er froh, dass seine Mannschaft keine der großen Geschichten dieses Pokalabends geliefert hatte. Werder hatte am Mittwoch äußerst souverän die Pflicht erfüllt.

Dabei half den Bremern, dass sie gewarnt waren. Sie hatten am Dienstag schon Pokalspiele im Fernsehen gesehen und verfolgt, wie etwa die Bayern beinahe an Bochum gescheitert wären. „Das hat uns in die Karten gespielt. Wir haben alle vor Augen geführt bekommen, dass es alles andere als ein Selbstläufer wird“, sagte Kohfeldt. Am Spieltag habe er schon morgens das Gefühl gehabt, dass seine Mannschaft voll fokussiert sei. Das bewahrheitete sich auf dem Platz: Von der ersten Sekunde an überrannte Werder den Gegner förmlich. Mit aggressivem Pressing ließen die Gastgeber den Heidenheimern kaum Luft zum Atmen. Sie waren wacher, gedankenschneller und immer einen Schritt voraus. Kohfeldt lobte ausdrücklich das Pressingverhalten und Anlaufen seiner Mannschaft.

Dieses frühzeitige Stören führte zu zwei schnellen Treffern. Philipp Bargfrede gewann einen Zweikampf im Mittelfeld, passte zu Milot Rashica, und der schlenzte den Ball herrlich zum 1:0 ins Netz (6.), Kurz darauf holte sich Josh Sargent den Ball, der schulbuchmäßige Angriff endete mit dem 2:0 durch Leonardo Bittencourt (11.). Beim abgefälschten Schuss von Davy Klaassen zum 3:0 (18.) war dann etwas Glück dabei, das 4:0 durch Marco Friedl nach einem Klaassen-Pass war wieder perfekt herausgespielt (41.). Heidenheim kam durch ein Elfmetertor von Marc Schnatterer (45.+1) zum Ehrentreffer.

Die starke Anfangsphase brachte Kohfeldt ins Schwärmen: „In den ersten 20 Minuten war eine Mischung aus Tempofußball, Kontrolle und extrem konsequenter Arbeit gegen den Ball zu sehen. Das schwebt uns bei Werder vor. So wollen wir spielen.“ In dieser Phase verschmolzen also Wunsch und Realität. Werder spielte so, wie Kohfeldt, der nun seit exakt zwei Jahren im Amt ist, Werder spielen sehen will. Einziger Haken: Der Gegner hieß „nur“ Heidenheim. Was ist solch ein überzeugender Erfolg gegen den Tabellenfünften der zweiten Liga wirklich wert?

Auf dem richtigen Weg

Einfach so abhaken wollten die Bremer das Spiel nicht. Verteidiger Sebastian Langkamp hatte "eine der besten Halbzeiten dieser Saison von uns" gesehen. Kohfeldt sprach zwar von einem Pflichtsieg, aber er hob auch hervor: „Die Art und Weise war beeindruckend in gewissen Phasen und alles andere als selbstverständlich.“ Wenn es am Sonnabend in der Bundesliga gegen Freiburg geht, sei zwar ein ganz anderes Spiel zu erwarten, doch der Sieg gegen Heidenheim könnte durchaus Folgen haben, glaubt Kohfeldt. „Wir haben alle das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber das muss sich auch in Ergebnissen widerspiegeln."

Viermal in Folge hatte Werder in der Bundesliga unentschieden gespielt, da tat der Sieg gegen Heidenheim allen Spielern sichtlich gut. „Hoffentlich ist das der Beginn einer Siegesserie. Wir spielen immer auf Sieg“, betonte Milot Rashica. Für Kohfeldt hat die Erfolgsserie dagegen schon länger begonnen. „Wir sind seit sieben Wochen ungeschlagen“, verkündete der Coach lächelnd. Die Stimmung bei den Bremern war also rundum optimistisch. Nicht nur, dass der mühelose Sieg und das Weiterkommen im DFB-Pokal Geld in die Vereinskasse spülen, das Spiel kam auch für mehrere zuletzt angeschlagene Werder-Profis zum richtigen Zeitpunkt.

Viel Konkurrenz in der Abwehr

Sebastian Langkamp spielte erstmals seit dem 11. Mai und machte seine Sache ordentlich. Philipp Bargfrede stand erstmals seit dem 8. März wieder in der Startelf und überzeugte. Yuya Osako kam erstmals seit dem 14. September zum Einsatz. Kohfeldt bieten sich nach all den Verletzungssorgen plötzlich diverse Optionen. Er konnte es sich etwa leisten, gegen Heidenheim die Stammspieler Theo Gebre Selassie, Nuri Sahin und Ömer Toprak auf der Bank zu lassen. „Gegen Freiburg wird Ömer wieder spielen“, legte sich Kohfeldt bereits fest. Um die zweite Innverteidigerposition konkurrieren dann Langkamp, Milos Veljkovic und eventuell Christian Groß, der am Mittwoch mit Magen-Darm-Problemen ausfiel. Womöglich kehrt sogar Niklas Moisander zurück. Der Kapitän hat seinen Muskelfaserriss überwunden, ob er gegen Freiburg im Kader steht, ist aber offen. In jedem Fall sei die Besetzung der Viererkette ein „Luxusproblem“, hielt Kohfeldt fest.

In der Offensive nähert sich derweil Rashica weiter seiner Topform. Das Spiel gegen Heidenheim hat den Flügelstürmer, der lange mit einer Muskelverletzung ausgefallen war, wieder einen Schritt vorangebracht. „Er hat noch mehr Vertrauen in seinen Körper“, sagte Kohfeldt über den Kosovaren, der in den jüngsten fünf Pokalspielen jeweils einmal traf und der am Mittwoch zum „Man of the Match“ gewählt wurde.

Der Sieg gegen Heidenheim gab also einfach ein gutes Gefühl – vielen einzelnen Spielern, aber auch der Mannschaft insgesamt. „Es geht rein um das Gefühl, dass der Weg der richtige ist“, verdeutlichte Kohfeldt. „Man kann Wettbewerbe trennen, aber man kann Leistungen nicht trennen.“ Nun gilt es, dieses Gefühl mit einem Sieg gegen Freiburg zu bewahren, sonst kann die Stimmung sich auch schnell verschlechtern.

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