Kommentar zur Verlängerung der Eggesteins

Ein Signal, das beflügeln kann

Die bevorstehende Vertragsverlängerung von Maximilian und Johannes Eggestein sendet Signale an eigene und andere Nachwuchsspieler sowie an die Bundesliga-Konkurrenz, meint Mein-Werder-Reporter Jannik Sorgatz.
15.01.2019, 21:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Jannik Sorgatz

Von Gänsehaut-Gefahr ist heutzutage inflationär häufig die Rede. Doch dieses Bild werden sich Werders Fans noch in zehn Jahren gerne ansehen: Maximilian und Johannes Eggestein, wie sie Arm in Arm über Spielfeld im Weserstadion laufen, nachdem Johannes sein erstes Bundesligator erzielt hat. Der 5. Oktober 2018 war der erste große gemeinsame Moment der beiden Brüder im Profifußball. Naturgemäß war der jüngere immer später dran als der ältere. Mit ihrer Vertragsverlängerung setzen die Eggesteins nun gleichzeitig ein Zeichen mit Pathos-Potenzial.

PR-Firmen würden sich kaum einkriegen und betonen, wie dieser Schritt das „Storytelling“ des Vereins prägen und seinen „Unique Selling Point“ stärken könnte. Etwas romantischer ausgedrückt: Jeder Fußballklub muss in der Lage sein, Geschichten zu schreiben, die seine Fans bewegen. Die der Eggestein-Brüder ist so eine: die ersten Schritte in der Provinz, der frühe Umzug nach Bremen, die zwischenzeitlich unerfüllten Versprechen großer Talente, der finale Durchbruch. Getreu dem Motto: „Hier werden Stars gemacht und nicht gekauft.“

Nun bedienen Maximilian und Johannes Eggestein jedoch mehr als das Kitsch-Bedürfnis. Ihr Bekenntnis sendet Signale in alle Richtungen: Da wären die Nachwuchsspieler, die daran glauben dürfen, dass der Sprung in den Profifußball in Bremen zu schaffen ist, genau wie die Nachwuchsspieler, die Werder erst noch gewinnen will und die sehen, was auch ohne zeitgemäße Infrastruktur möglich ist. Da wären die Konkurrenten in der Bundesliga, die erkennen, dass Werder in der Lage ist, seine Eigengewächse nach dem Durchbruch zu halten. Und da wäre die Erkenntnis, wie eng die Verknüpfung zwischen Trainer Florian Kohfeldt und seinen Spielern ist, wie groß das gegenseitige Vertrauen. In tristeren Zeiten hätte Werder in diesem Sommer wohl beide Eggesteine verloren, nur einer hätte dem Verein Geld gebracht.

Alle positiven Entwicklungen außerhalb des Spielfeldes sind natürlich von geringerem Wert, wenn die auf dem Rasen nicht damit einhergehen. Doch das ist der zentrale Effekt der doppelten Eggestein-Verlängerung, mit der sich der wertvollste Spieler auf dem Transfermarkt und der Aufsteiger der Hinrunde langfristig an den Verein binden: Mit ihnen steigt die Wahrscheinlichkeit, spätestens 2020 wieder internationalen Fußball im Weserstadion zu sehen. Dieses Bild würden die Fans noch lieber sehen als zwei Brüder, die Arm in Arm jubeln.

Alle Hintergründe zur Vertragsverlängerung und wie viel die Eggesteins nun verdienen dürften, lest ihr hier (Plus-Artikel).

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