Kommentar zum Gnabry-Abgang Ein Verlust

Finanziell macht Werder mit dem Verkauf von Serge Gnabry ein gutes Geschäft. Werder verliert aber auch viel Qualität, und das darf man nicht unterschätzen, findet Marc Hagedorn.
08.06.2017, 13:36
Lesedauer: 2 Min
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Ein Verlust
Von Marc Hagedorn

Jetzt ist es raus. Endlich, kann man sagen, endlich herrscht Klarheit nach den langen Wochen der Ungewissheit.

Geht er? Hat er eine Ausstiegsklausel? Haben die Bayern das erste Zugriffsrecht? Oder zieht es ihn nach Hoffenheim oder doch noch zu RB Leipzig? Die ersten zwei Fragen sind jetzt beantwortet: Ja, er geht. Und ja, er hatte eine Ausstiegsklausel. Jetzt interessiert aus Bremer Sicht nur noch, wie viele Millionen Werder für Serge Gnabry kassiert. Um die sieben bis acht Millionen Euro dürften es sein. Finanziell, das kann man deutlich so sagen, war das eine Gnabry-Jahr in Bremen also ein gutes Geschäft für Werder.

Weniger klar ist, wie schwer der Gnabry-Abgang sportlich wiegt. Natürlich stimmt es, dass Werder auch ohne Gnabry im März und April ein Spiel nach dem anderen gewonnen hat. Natürlich ist die Feststellung richtig, dass Trainer Alexander Nouri in der Schlussphase der abgelaufenen Saison so recht keine Verwendung für Gnabry hatte. Und es hat sich auch bewahrheitet, was zu vermuten war: Dass Werder für den Berufsfußballer Serge Gnabry letztendlich nur eine Station auf dem Weg zu einem größeren, besseren und reicheren Klub war. Deshalb fällt es vielen Fans bestimmt leicht, Gnabry ein Lebewohl hinterherzurufen.

Trotzdem ist es schade, dass Gnabry geht. Denn Werder verliert einen hochveranlagten Fußballer, eines der größten Talente im deutschen Fußball überhaupt. In der größtenteils fürchterlichen Hinrunde und zu Beginn dieses Jahres war es vor allem Serge Gnabry, der mit seinen Toren, Dribblings und Sprints für Freude und Hoffnung in Bremen sorgte.

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Es wäre eine verlockende Vorstellung gewesen, eine Werder-Mannschaft spielen zu sehen mit Könnern wie Max Kruse, Thomas Delaney, Zlatko Junuzovic und Serge Gnabry, in einem Spielsystem, in das sich Gnabry perfekt hätte einbringen können. Diese Baustelle hat Trainer Alexander Nouri nun nicht mehr: Er muss kein System um Gnabry herumstricken.

Der Abgang von Gnabry verrät aber auch eine andere Wahrheit: Werder hat inzwischen Florian Grillitsch und Serge Gnabry verloren und Davie Selke nicht bekommen. Unterm Strich hat Werder in dieser Sommerpause qualitativ damit noch nicht zugelegt, auch wenn mit Jerome Gondorf und Ludwig Augustinsson zwei sehr spannende Spieler zugesagt haben. Werder muss Gnabry nicht positionsgenau ersetzen. Wichtig wäre aber, dass ein Stürmer mit Wow-Effekt kommt, so wie Gnabry im vergangenen Sommer selbst einer war. Das muss der sogenannte Werder-Weg sein.

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