Wechselpoker um Junuzovic Eine Frage des Geldes

Trabzonspor will Zlatko Junuzovic und hat ein entsprechendes Angebot vorgelegt. Noch liegen Werder und der türkische Verein weit auseinander, doch die Tendenz des Spielers ist klar.
04.07.2017, 20:04
Lesedauer: 3 Min
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Eine Frage des Geldes
Von Christoph Sonnenberg

Bei Werder zeichnet sich der nächste große Transfer ab. Der türkischen Erstligist Trabzonspor hat ein Angebot für Zlatko Junuzovic (29) hinterlegt. Nach Informationen des WESER-KURIER bietet der türkische Erstligist 3,5 Millionen Euro für Junuzovic, dessen Vertrag im kommenden Jahr ausläuft. Werder verlangt eine Ablöse von sieben Millionen. Die Gespräche dauern an.

Am Montag verhandelte Frank Baumann mit Muharrem Usta, Präsident des Klubs von der Schwarzmeer-Küste, im fünften Stock der Geschäftsstelle des Weserstadions über einen Transfer. Usta war erst am Montagvormittag auf dem Bremer Flughafen gelandet. In der Summe der Ablöse liegen beide Parteien zwar noch weit auseinander, eine Entscheidung ist deshalb trotzdem nicht gefallen. Die Tendenz geht sogar eher zu einem Wechsel, weil Junuzovic selbst die Option in der Türkei gerne wahrnehmen würde.

Dienstagmittag fuhr Junuzovic am Weserstadion vor, direkt in die Tiefgarage des Stadions. Von dort führte sein Weg ins Büro von Baumann. Knapp zwanzig Minuten dauerte das Gespräch zwischen Manager und Profi, dann verließ Junuzovic in seinem weißen Dienstwagen das Stadion. Auf dem Beifahrersitz saß Alexander Nouri, der am Gespräch mit Baumann zuvor nicht teilgenommen hatte. Nouri und Junuzovic fuhren zu einem gemeinsamen Mittagessen. Der Trainer ist ein Fürsprecher des Österreichers und hofft auf einen Verbleib samt Vertragsverlängerung in Bremen. Als Zeichen seiner Wertschätzung hat Nouri Junuzovic zum Nachfolger von Clemens Fritz als Kapitän ernannt. Ob das als Argument ausreicht?

Wechselwunsch ist nicht neu

Neu ist der Wechselwunsch nicht, nur die Motive haben sich verändert. Bereits vor einem Jahr wollte Junuzovic Bremen verlassen. Damals war das Nicht-Verhältnis zu Trainer Viktor Skripnik der Grund. Kurz vor der Sommerpause gab es ein Essen im Kreis der Mannschaft, auf dem Junuzovic den Kollegen seinen Abschied verkündete. Etwas vorschnell, wie sich später herausstellte.

Anfang Juni 2016 war Baumann zu Gesprächen nach Österreich gereist. Junuzovic bereitete sich dort mit der Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Frankreich vor. Es war aus Baumanns Sicht ein letzter Versuch, den Profi vom Bleiben zu überzeugen. Aber der Wunsch zum Wechsel war damals klar und eindeutig. Nach dem Gespräch in Wien sagte der Manager: „Zlatko möchte den nächsten Schritt machen.“ Aus dem Fußballer-Sprech übersetzt bedeutet das: Ein Spieler will weg.

Dann spielte Junuzovic die EM. Doch statt zum Sprungbrett, wurde sie sein persönliches Desaster. Im ersten Spiel gegen Ungarn verletzte sich Junuzovic und musste nach nur 58 Minuten vom Platz. Das Turnier war für ihn gelaufen, und Angebote interessanter Klubs blieben aus. Am Ende wechselte Junuzovic den Berater statt den Klub. Er musste in Bremen bleiben, wird nun von Thomas Böhm und der Agentur „Grass is Green“ vertreten.

Vor einem Jahr hatte der Wunsch zu gehen die Züge einer Flucht, einer Flucht vor dem Trainer Skripnik. Nun geht es um den vermutlich letzten großen Vertrag. Mit 29 beginnt im Fußball-Geschäft das letzte Drittel der Karriere. Wenn nicht jetzt, wann dann könnte Junuzovic noch mal etwas Neues wagen? Und natürlich geht es auch um Geld, denn sportlich ist ein Wechsel aus der Bundesliga in die Türkei nicht zu rechtfertigen. Die vergangene Saison beendete Trabzonspor auf Rang sechs. Ein Topteam ist Trabzon nicht.

Baumann hätte bei einem Wechsel Junuzovics ein Glaubwürdigkeitsproblem. Erst am Montagmittag schloss er auf einer Pressekonferenz zur Saisoneröffnung den Abschied weiterer Leistungsträger aus: „Wir wollen keinen Spieler abgeben.“ Auf die übliche Einschränkung, dass prinzipiell kein Spieler unverkäuflich sei, verzichtete der Manager. Da bleibt wenig Raum zur Interpretation, tatsächlich liefen zu diesem Zeitpunkt bereits die Verhandlungen mit Trabzonspor. Wer keinen Spieler abgeben will, lässt sich darauf nicht ein.

Noch eine Baustelle für Baumann

Die Mannschaft könnte vor einem noch größeren Umbau stehen. Nach Serge Gnabry (zu Bayern), Felix Wiedwald (Leeds United), Florian Grillitsch (Hoffenheim), Clemens Fritz (Karriereende) und Claudio Pizarro (Ziel unbekannt) wäre Junuzovic ein weiterer Führungsspieler, den der Klub abgibt. Stabilität im Kader, ein von Baumann ausgerufenes Ziel, sieht anders aus.

Mit Junuzovic würde Werder eine Identifikationsfigur und Liebling der Fans verlieren. Vor fünfeinhalb Jahren, im Januar 2012, wechselte er von Austria Wien nach Bremen. Damals wurde Werder noch von Thomas Schaaf und Klaus Allofs geführt. Seitdem ist der Klub durch viele Krisen gegangen, Junuzovic aber ist immer dageblieben. Es ist unwahrscheinlich, dass Werder ihm den Wunsch nach einem Wechsel verwehrt.

Entscheidend ist also eher die Summe, die Trabzonspor am Ende zu zahlen bereit ist. Erhöht Präsident Usta sein Angebot auf fünf Millionen, dürfte Baumann das Geld nehmen und Junuzovic ziehen lassen. Viel Zeit wird sich der Manager für die Abwicklung des Transfers nicht nehmen. Donnerstag reist Werder ins Trainingslager nach Zell am Ziller in Österreich. Bis dahin, lässt sich vermuten, ist die Personalie Junuzovic geklärt.

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