Zu Pizarros Rekord-Tor

Eine Liebeserklärung an eine Legende

Claudio Pizarro bastelt weiter an seiner Erfolgsgeschichte, setzt sich quasi selbst ein fußballerisches Denkmal. Eigentlich müsste man ihm tatsächlich eines bauen, kommentiert Mein-Werder-Reporter Malte Bürger.
17.02.2019, 17:20
Lesedauer: 2 Min
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Eine Liebeserklärung an eine Legende
Von Malte Bürger
Eine Liebeserklärung an eine Legende
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Claudio Pizarro ist ein Phänomen. Nun gut, das ist keine großartige Neuigkeit – und doch sorgt diese Märchenhaftigkeit, mit der dieser Peruaner den Spätherbst seiner Karriere vergoldet, für Erstaunen. Und ganz viel Freude. So wie jetzt in Berlin, wo der alte Mann mal eben mit einem Geniestreich die Alte Dame verärgerte. Noch einmal zur Erinnerung: Dieser charismatische Herr, der den Werder-Fans zum wiederholten Male das Leben versüßt, ihnen mit spielerischer Leichtigkeit den Kopf verdreht, ist 40 Jahre und 136 Tage alt. Das ist im Fußball ein schier biblisches Alter. Kein Torschütze in der langen Bundesliga-Historie war älter. Und genau das macht diese Geschichte so unglaublich. So einzigartig.

Denn Pizarro ist ein Zauberer. Er hebelt die Gesetze des Normalen aus. Das war schon so, als er noch ein junger Mann war. Seither gilt: Dort, wo Pizarro im Strafraum auftaucht, ist alles ein wenig anders. Es gibt kaum einen anderen Spieler, der derart elegant mit dem Ball umgehen und ihn zugleich so unorthodox im Tor unterbringen kann. Bei Werder schon gar nicht. Und darum wird er geliebt. Nicht nur in Bremen. Aber eben ganz besonders dort. Wenn es jemandem im deutschen Fußball gibt, der sich den Titel „Legende“ verdient hat, dann ist er es. Und zwar vollkommen zurecht.

Ein Fußballgott und Weltverbesserer

Claudio Pizarro genießt Heldenstatus, er wird regelrecht verehrt und zur Ikone verklärt. Es genügt, dass er sich von seinem Platz auf der Bank erhebt, um ein ganzes Stadion in Ekstase zu versetzen. Die Fans liegen ihm zu Füßen, tausendfach schreien und singen sie seinen Namen. Eine derartige Vergötterung kann schnell gefährlich werden, doch bei Pizarro ist alles anders. Ihm ist das alles nicht zugeflogen. Werders Rekordtorjäger hat über Jahre hinweg mit Leistung überzeugt. So wie er es auch jetzt tut. Er hat in menschlicher Hinsicht fast immer den richtigen Ton getroffen, sich zudem diese spielerische Kindlichkeit bewahrt und ein Lächeln parat, das die Welt ein kleines bisschen unbeschwerter erscheinen lässt.

So einen wie ihn, wird es so schnell nicht wieder geben. Nicht bei Werder. Und nicht anderswo. Man müsste im Grunde deshalb schon jetzt damit anfangen, Claudio Pizarro ein Denkmal zu bauen. Seit jeher steht der Roland im Schatten des Bremer Rathauses, dem Angreifer ist zuzutrauen, dass er das Wahrzeichen der Hansestadt irgendwann einmal ablöst. Zugegeben, das klingt reichlich unwahrscheinlich, fast wie im Märchen. Aber wenn es einer schafft, dann Claudio Pizarro.

Die ältesten Torschützen im Überblick:

1. Claudio Pizarro (Werder Bremen - 40 Jahre, 136 Tage)

2. Mirko Votava (Werder Bremen - 40 Jahre, 121 Tage)

3. Manfred Burgsmüller (Werder Bremen - 39 Jahre, 226 Tage)

4. Morten Olsen (1. FC Köln - 39 Jahre, 202 Tage)

5. Günter Sebert (Waldhof Mannheim - 39 Jahre, ein Tag)

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