Punktlos zurück aus Leipzig

Eine Niederlage, die Hoffnung macht

Werder hat sich wenig vorzuwerfen: Gegen RB Leipzig hielt man gut mit, setzte auch offensiv immer wieder Nadelstiche. Am Ende spricht das Resultat wohl hauptsächlich für die Qualität des Gegners.
25.11.2017, 21:01
Lesedauer: 4 Min
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Eine Niederlage, die Hoffnung macht
Von Patrick Hoffmann
Eine Niederlage, die Hoffnung macht

Fin Bartels hatte gute Chancen, den Ausgleich zu erzielen - es blieb beim Versuch.

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Die Stimme wurde mit jedem Satz brüchiger, und doch kam die Botschaft klar und deutlich rüber, die Florian Kohfeldt in die Werder-Welt schickte. Nein, er sei nicht zufrieden, sagte Werders leicht erkälteter Übungsleiter, das könne er auch nicht sein nach einer 0:2-Niederlage. Nicht mal nach einer 0:2-Niederlage gegen ein Topteam der Fußball-Bundesliga, das RB Leipzig ja zweifellos ist, und auch nicht nach einer guten Vorstellung seiner Mannschaft, die es ja ebenfalls zweifellos gewesen war. „Ich wehre mich dagegen, dass wir zufrieden sind“, sagte Kohfeldt, „wir sind nicht zufrieden. Wir haben heute nichts mitgenommen.“

Das war tatsächlich die bittere Erkenntnis dieses nass-kalten Fußballnachmittags in Leipzig gewesen: Werder hatte über weite Strecke gegen einen Champions-League-Teilnehmer mitgehalten, hätte einen Punkt verdient gehabt – und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Und weil Freiburg parallel gegen Mainz gewonnen hat, sind die Bremer in der Tabelle nun sogar noch um einen Platz nach hinten gerutscht. Werder ist jetzt Tabellen-17. Das ist die eine Wahrheit des Spiels in Leipzig.

Das Lob bringt nichts

Die andere Wahrheit aber lautet: Werder hat gegen Leipzig nicht wie ein Tabellen-17. gespielt. „Auf dem Rasen hat es sich nicht angefühlt wie das Duell zwischen einem Topteam und einem Kellerkind“, sagte Mittelfeldspieler Thomas Delaney ganz treffend. „Wir haben eine wirklich gute Leistung gezeigt. Deshalb werden wir auch nicht mit hängenden Köpfen in die nächste Woche gehen.“ Fin Bartels hingegen wirkte auf dem Weg zum Mannschaftsbus schon reichlich frustriert, als er sagte: „Wir stehen wieder ohne Punkte da, obwohl wir ein gutes Spiel gemacht haben. Da bringt uns auch das ganze Lob nichts. Wir brauchen Punkte in dieser Phase der Saison.“ Es sei schwer, sagte Bartels, „die Köpfe jetzt wieder hochzunehmen und zu sagen: Komm, das war kein schlechtes Spiel“.

Werders Trainerteam wird also wieder gefordert sein. Es muss der Mannschaft in den kommenden Tagen einerseits die Fehler aus dem Spiel in Leipzig aufzeigen, andererseits aber auch Mut zusprechen. Mut, weiterhin so offensiv zu denken und zu spielen, wie es die Mannschaft in den vergangenen drei Spielen unter ihrem neuen Coach getan hat. Mut, weiter an die eigene Stärke zu glauben. Denn tatsächlich hatte Werder bei den spielstarken Leipzigern phasenweise richtig guten und attraktiven Fußball geboten. Etwa zu Beginn des Spiels, als die Bremer bereits an der Mittellinie aggressiv verteidigten und nach Balleroberungen sofort nach vorne preschten. „Wir wollten hoch verteidigen und bei Ballbesitz sofort nachrücken“, erklärte Kohfeldt, „denn hinten bleiben sorgt gegen Leipzig nur scheinbar für Sicherheit.“

Werder suchte sein Glück lieber in der Offensive, blieb aber lange Zeit recht ungefährlich vor dem Tor, weil immer wieder der letzte Pass misslang. Gleichzeitig standen die Bremer, die diesmal mit Milos Vejlkovic, Lamine Sané und Niklas Moisander in einer Dreierkette verteidigten, hinten relativ sicher. Dass die Leipziger dank exzellenter Offensivspieler wie Timo Werner, Yussuf Poulsen oder Emil Forsberg immer mal zu Torchancen kommen würden, war klar.

Aber es waren eben deutlich weniger Chancen, als vorab befürchtet worden war. Umso bitterer, dass das 0:1 nach einem individuellen Fehler passierte. Delaney sprang der Ball am eigenen Strafraum zu weit vom Fuß, sodass Naby Keita aus 16 Metern zur Führung für die Gastgeber traf (34. Minute). „Ich habe versucht, den Ball anzunehmen, das hätte ich nicht tun sollen. Ich hätte den Ball wegschlagen sollen“, sagte Delaney. Kohfeldt wollte dem Dänen indes keinen Vorwurf machen: „Der Ball kam aus kurzer Distanz und springt dann unglücklich in die Mitte.“

Der Unterschied: Die individuelle Klasse

Tatsächlich war es wohl die individuelle Qualität, die am Ende den Ausschlag zugunsten der Leipziger gab. Denn vor allem in der zweiten Halbzeit boten sich auch den Bremern etliche Möglichkeiten zum 1:1, doch anders als noch beim 4:0-Kantersieg in der Vorwoche gegen Hannover mangelte es diesmal an der Chancenauswertung. Kruse zum Beispiel vergab einmal in aussichtsreicher Position, und später dann Bartels, als er die wohl beste Chance versemmelte: Nach einem schönen Zuspiel von Ludwig Augustinsson kam er am rechten Strafraumeck frei zum Abschluss, schoss aber zentral auf Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi (75.). „Den muss ich besser platzieren, dann hat er kaum Chancen“, sagte Bartels, „Wenn wir in dieser Phase des Spiels das 1:1 machen, dann schwimmt auch ein Gegner wie Leipzig.“

So aber blieb Leipzig in Führung und kam kurz vor Schluss durch Bernado sogar noch zum 2:0 (86.). Werder-Torwart Jiri Pavlenka war bei Bernados 15-Meter-Schuss machtlos, ebenso wie beim 0:1 zuvor. Stattdessen nahm der Trainer den Gegentreffer nach einem ruhenden Ball auf seine Kappe. „Eigentlich hätte Max in der Szene am Strafraum stehen sollen, aber ich habe ihm gesagt, dass er weiter nach vorne gehen soll“, erklärte Kohfeldt.

Und nun? Werder steht nach 13 Spieltagen mit acht Punkten auf einem Abstiegsplatz. Das bereitet Anlass zur Sorge. Zudem hält das Restprogramm bis Weihnachten noch einige schwere Aufgaben bereit, unter anderem Auswärtsspiele in Dortmund und Leverkusen. Das weiß auch Kohfeldt. „Die Realität ausblenden wäre der falsche Weg“, sagte er, „aber wir gucken mit der Gewissheit auf die Tabelle, dass noch viele Spiele zu spielen sind, und dass wir nur auf uns gucken müssen.“ Ähnlich sieht es auch Frank Baumann. „Wir müssen nur auf uns schauen, und wir können einiges Positives aus diesem Spiel mitnehmen“, sagte Werders Sportchef, der vom Bremer Weg mit Kohfeldt weiterhin total überzeugt ist. „Florian hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht“, sagte er, „man sieht, dass seine Arbeit auch nach so kurzer Zeit schon Früchte trägt.“

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