Baumann erinnert sich an Arnautovic Eine skurrile Szene am Flughafen

Es ist schon eine besondere Geschichte. Sein erstes Spiel für West Ham United bestreitet Marko Arnautovic wohl ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Werder, bei dem er einst für viele Skurrilitäten sorgte.
25.07.2017, 12:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Patrick Hoffmann Christoph Sonnenberg

Am frühen Morgen wartet ein einzelner Fan vor dem Landhaus Wachtelhof in Rotenburg. Er hat die Kapuze seiner Jacke weit über das Gesicht gezogen, um sich wenigstens ein bisschen vor dem Regen zu schützen. Eine Dreiviertelstunde wartet er geduldig, dann endlich bietet sich ihm die große Chance. „Hey, Marko“, ruft er, als Marko Arnautovic gerade in den Mannschaftsbus steigen will. „Kann ich ein Autogramm haben?“ Der Fan hat Glück. Arnautovic winkt den Fan zu sich her, unterschreibt geduldig auf mehreren Fotos, macht ein Selfie mit ihm. Dann verschwindet er in den Bus.

Näher dran sein geht nicht. Weder für Fans noch für Medien. Arnautovic, die Neuerwerbung des englischen Erstligisten West Ham United, bereitet sich seit Montag mit den neuen Kollegen in Rotenburg auf die kommende Saison vor. Und obwohl das Interesse am ehemaligen Werder-Profi groß ist, hat sich Arnautovic entschieden, erst einmal nicht öffentlich zu sprechen. Der freundliche Mediendirektor von West Ham United erklärt in einem kurzen Gespräch vor dem Hoteleingang, dass es in den vergangenen Tagen unzählige Medienanfragen gegeben habe, dass sie sich auch sehr über die Nachfragen freuten – einzig: „Mister Arnautovic möchte derzeit nicht mit Journalisten sprechen. Er will erst einmal die neuen Mannschaftskollegen kennenlernen.“

Der teuerste Fußballer Österreichs

So viel Zeit hat er mit ihnen ja tatsächlich noch nicht verbracht. Am vergangenen Wochenende ist der Transfer offiziell bekannt gegeben worden. 28 Millionen Euro Ablöse soll West Ham an Stoke City überwiesen haben, womit Arnautovic der teuerste Fußballer in der Geschichte Österreichs wäre.

Wer hätte das gedacht, als der Offensivspieler im Sommer 2013 für 2,8 Millionen Euro von Werder nach England wechselte? Werder wollte das Thema Arnautovic damals nach mehreren Eskapaden bloß irgendwie zu Ende bringen, Interessenten gab es wenige – am Ende griff Stoke City zum Schnäppchenpreis zu. Immerhin: Durch eine vertraglich zugesicherte Verkaufsbeteiligung kassieren die Bremer nun 500.000 Euro.

Und so ist es schon eine besondere Geschichte, dass Arnautovic sein erstes Spiel für West Ham nun ausgerechnet gegen Werder bestreiten wird – am kommenden Wochenende. Werders Sportchef Frank Baumann empfindet sogar eine gewisse Vorfreude. „Ich freue mich, Marko zu sehen“, sagt Baumann im Gespräch mit dem WESER-KURIER, „wir hatten immer einen guten Draht zueinander. Zwischen uns ist alles gut.“

Baumann war es, der Arnautovic 2010 in Bremen vom Flughafen abholte. Baumann war damals Assistent von Geschäftsführer Klaus Allofs und erinnert sich noch genau an die erste Begegnung mit dem exzentrischen Stürmer. „Er kam in Begleitung seines Bruders und einer sehr blonden jungen Dame“, sagt Baumann, „eine etwas skurrile Szene.“

Es war der Anfang einer von Skurrilitäten geprägten Zusammenarbeit. Arnautovic deutete auf dem Platz zwar immer wieder sein außerordentliches Talent an, sorgte aber vor allem abseits des Fußballfeldes für Schlagzeilen. „Es war sportlich nicht schlecht“, sagt auch Baumann, „leider haben Dinge abseits des Platzes zu viel Raum eingenommen.“

Ärger mit der Polizei

Der Umgangston des Austro-Serben war nicht immer stubenrein. Es gibt etliche Anekdoten von Restaurantbesuchen in Bremen, bei denen sich Arnautovic gegenüber Bediensteten nicht von seiner charmanten Seite zeigte. Legendär ist sein verbaler Ausbruch bei einer Polizeikontrolle in Österreich. „Ich kann dein Leben kaufen“, ließ der Profi den Polizisten dabei wissen. Als er im April 2013 zusammen mit Eljero Elia vor einem wichtigen Spiel in Leverkusen nachts auf der Autobahn in eine Polizeikontrolle geriet, suspendierte Werder beide Profis.

Und so ging die Beziehung zwischen Werder und Arnautovic letztlich in die Brüche. „Wir wussten, dass es ein gewisses Risiko ist, ihn zu holen“, sagt Baumann rückblickend. „Wir wussten aber auf der anderen Seite auch, dass es sportlich und finanziell sehr spannend sein kann, wenn es funktioniert.“ Das hat der Millionentransfer von Stoke City zu West Ham United gerade bewiesen.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+