Werders ständiges Problem mit den Gegentoren

Einfach, unglücklich und blöd

Ausgerechnet der neue Hoffnungsträger Ömer Toprak meinte es zu gut und konnte Werders Abwehr angeschlagen nicht stabilisieren. Die Probleme in der Viererkette wirken sich inzwischen auch auf den Angriff aus.
19.08.2019, 08:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer
Einfach, unglücklich und blöd
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Im Grunde ist ein Gegentor halt ein Gegentor. Es gibt keine größeren Unterschiede. Es zählt für den Gegner und nervt die eigene Mannschaft. Nur in Bremen, da fallen häufig besondere Gegentore. So auch gegen Düsseldorf. Trainer Florian Kohfeldt sprach von „unglücklichen Gegentoren“, Sportchef Frank Baumann von „einfachen Gegentoren nach unnötigen Fehlern“; Abwehrchef Niklas Moisander nannte sie gewohnt offen „blöde Gegentore“. Sie alle umschreiben dabei Werders Dilemma: Würde man nicht selbst immer tatkräftig mithelfen, würde der Gegner vielleicht gar nicht ins Tor treffen und es gäbe auch in Bremen mal: gar keine Gegentore.

Doch davon ist Werder offenbar auch in der neuen Saison noch weit entfernt. Die besondere Tragik diesmal: Mit Neuzugang Ömer Toprak, kurz vor Bundesligastart von Borussia Dortmund verpflichtet, sollte die Defensive stabiler werden; doch ausgerechnet Toprak verletzte sich nach gutem Beginn und war nach etwa 20 Minuten erkennbar nicht mehr in bester Verfassung. Bei zwei der oben beschriebenen Gegentore hing er prompt entscheidend mit drin, erst nach 82 Minuten verließ er entkräftet das Feld. Nach einem Zusammenstoß plagten ihn vor allem Atemprobleme, auf dem Feld gab er aber bei jeder Nachfrage an, dass er weiterspielen könne. Auch nach einer intensiven Untersuchung in der Halbzeitpause wollte Toprak in seinem ersten Spiel für Werder unbedingt wieder aufs Feld. „Aber wenn du schlecht Luft bekommst, wirst du vielleicht auch schneller müde“, sagte Baumann, „das ging dann später nicht mehr, deshalb haben wir ihn raus genommen“. Kohfeldt wollte dem Spieler wegen dessen Engagements „keinen Vorwurf“ machen. Vorsichtshalber wurde Toprak nach Spielende ins Krankenhaus gebracht, die Untersuchungen dort blieben laut Verein aber ohne Befund.

Trotzdem Lob für Toprak

So konnte Toprak nur andeuten, dass er Werder helfen kann. Sichere Pässe, gute Balleroberungen, Grätschen nach schnellen Sprints – seine ersten 20 Minuten bis zur Verletzung waren richtig gut. „Er hat gezeigt, dass er uns besser machen kann“, meinte Baumann. Auch Kohfeldt hatte „in vielen Situationen gesehen, was er für uns bedeuten kann, wenn die Abstimmung mit Niklas Moisander besser passt und er auf dem Feld gesund ist“.

So aber fielen auch im ersten Spiel mit Toprak simpelste Gegentore, bei denen sich Kohfeldt gewünscht hätte, „dass wir den Ball mal 40 Meter weit weg schlagen, um uns neu zu ordnen. Zum Teil hätten wir vorher zweimal klären können“. Für Baumann lautet die nüchterne Erkenntnis, „dass man diese Fehler nicht mit einem Fingerschnippen abstellen kann. Das ist ein Prozess, den man ständig neu anschieben muss. Es wäre schön, wenn man sagen könnte: Wir trainieren das jetzt vier Wochen lang, dann ist für die nächsten zwei Jahre alles gut. Aber das funktioniert nicht.“

Der beste Stürmer hängt in der Luft

Die Probleme in Werders Defensive wirken sich inzwischen auch auf die Offensive aus, das zeigte sich gegen Düsseldorf. Weil der gewöhnlich gesetzte Linksverteidiger Ludwig Augustinsson verletzt ausfällt, muss auf dieser Position Marco Friedl ran. Der gelernte Innenverteidiger macht das defensiv solide, erzielt nach vorne aber keine Wirkung. Die Folge: Werder greift viel über rechts an, mit Theo Gebre Selassie. Dadurch beraubt sich das Team aber der stärksten Waffe im Sturm: Milot Rashica war gegen Düsseldorf vorne links zeitweise völlig aus dem Spiel. Ein Nachteil, den sich Werder nicht leisten kann.

Weil Augustinsson laut Kohfeldt wohl auch im nächsten Spiel gegen Hoffenheim fehlt, dürfte sich an der Rechtslastigkeit nicht viel ändern. Allerdings könnte es sein, dass Rashica dann überhaupt nicht mehr mitspielt. Schon gegen die Fortuna plagten ihn Oberschenkelprobleme. Laut Werder muss der Angreifer nun genauer untersucht werden. Ob Rashica länger ausfalle, sei offen.

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