Zurückgeblättert: 15. November 1963 „Eintracht Frankfurt hoch eingeschätzt“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
15.11.2018, 09:30
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Von mw

Am 15. November 1963 schrieb der WESER-KURIER:

Bremen/Frankfurt (Eig. Ber.). Werder Bremen will vor eigenem Publikum ungeschlagen bleiben, die Elf von Eintracht Frankfurt möchte beweisen, daß sie auch auswärts stärker geworden ist; beiden Vereinen gemeinsam steht das Ziel vor Augen, durch einen Sieg in die Spitzengruppe der Bundesliga vorzustoßen. Diese Fakten allein garantieren einen spannenden Kampf am Sonnabend (17 Uhr) im Weser-Stadion. Der Name Eintracht Frankfurt bürgt auch für ein schönes, technisch gutes Spiel, denn die Frankfurter gehören zu den wenigen Mannschaften, die sich nicht allein auf eine verstärkte Abwehr verlassen, sondern den Erfolg in forschem Angriffspiel suchen. Sie sind auf dem besten Wege, in der Tabelle die Position einzunehmen, die sie sich vor Beginn der Saison versprochen hatten. Durch ihre letzten Erfolge erhielten sie viel Auftrieb.

Gerade in Bremen wird Eintracht Frankfurt hoch eingeschätzt. Unvergessen ist das mitreißende Gruppenspiel im Jahre 1959, als die Süddeutschen, wenige Wochen vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, im WeserStadion mit 7:2 Toren gewannen. Zwar ist es gewagt, Parallelen zu damals zu ziehen, denn hüben wie drüben haben viele Spieler neuen Kräften Platz machen müssen, doch viele Bremer erinnern sich noch gern des geschmeidigen Sztani und des Rechtsaußen Kress, von dem damals ein Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt sagte, er sei selbst erstaunt über dessen vorzügliche Leistung. Er fuhr fort, der Rechtsaußen sei beileibe nicht immer so stark und werde wohl auch bald abtreten müssen, denn er sei kein Jüngling mehr. Diese Ansicht erwies sich als eine der vielen falschen Voraussagen, von denen es im Sport ja keinen Mangel gibt. Audi heute noch, mehr als vier Jahre später, gehört der 38jährige Kress zu den besten Spielern seiner Mannschaft.

Die Frankfurter kommen schon am Freitagabend in Bremen an. Am liebsten würden sie in derselben Aufstellung spielen wie am vergangenen Sonnabend, doch ist noch nicht heraus, ob Trimhold die Reise mitmachen kann. Bei einem Zusammenprall mit dem Schalker Außenläufer Schulz wurde er im letzten Spiel am Oberschenkel verletzt. Wenn er ausfällt, würden entweder Solz und Schämer wieder den linken Flügel bilden, oder aber der frühere Schweinfurter Kraus, der nach längerer Krankheit schon wieder mit gutem Erfolg in der Reserveelf gespielt hat, kehrte in die Mannschaft zurück. In diesem Falle würde der linke Flügel mit Kraus und Solz besetzt werden. Wenn jedoch Trainer Horvath, der den erkrankten Paul Oswald vertritt, die Wahl hätte, würde er sich für folgende Aufstellung entscheiden: Loyj Herbert, Höfer; Lindner, Lutz, Hörn; Kress, Huberts, Stein, Trimhold, Solz.

Werder-Trainer Multhaup hofft, daß seine Mannschaft diesmal die Kraft und die Nerven hat, 90 Minuten lang gut und konzentriert zu spielen. Auch die Bremer Mannschaft soll möglichst nicht umgestellt werden, sondern mit Lambertz; Piontek, Lorenz; Schütz, Jagielski, Schimeczekj Zebrowski, Ferner, Thun, Soya, Hänel antreten. Allerdings hat sich Hänel im Treffen mit Hertha BSC eine Leistenzerrung zugezogen und bisher nur leicht trainiert, und der verletzte Schimeczek hat bis Mitte der Woche überhaupt nicht trainieren können. Es wird aber damit gerechnet, daß beide Spieler bis Sonnabend wieder fit sind.

In Braunschweig und Köln werden die Stadien ausverkauft sein. Dabei werden die Braunschweiger Zuschauer vielleicht nur eine stark geschwächte Meidericher Mannschaft zu sehen bekommen. Torwart Manglitz muß auf jeden Fall ersetzt werden, denn beim Training zog er sich bei einem Zusammenprall mit Rahn einen Bluterguß im Knöchel zu. Es ist noch offen, ob auch Rahn fehlt. Die Anhänger des 1. FC Köln sind gespannt auf den HSV, der mit großen Sorgen nach Westdeutschland fährt. Uwe Seeler und Kreuz sind mit Knöchelverletzungen in Behandlung, doch hoffen die Hamburger, wenigstens Seeler einsetzen zu können. Den Stopperposten wird Kurbjuhn übernehmen, weil Stapelfeldt mit einer Blinddarmoperation im Krankenhaus liegt. Kröpelin rückt in die Verteidigung. Der 1. FC Köln muß Ersatz für Hornig, Ripkens und möglicherweise auch noch immer für Schäfer stellen. Mit 12:2 Punkten aus den letzten sieben Spielen gehört Borussia Dortmund zu den erfolgreichsten Mannschaften der letzten Wochen. Diese Serie wird wahrscheinlich auch nicht vom 1. FC Kaiserslautem unterbrochen werden, wenn der Deutsche Meister nicht den Fehler macht, seinen Gegner zu unterschätzen, der auswärts erst einmal (in München) verloren hat.

Von dem Spiel VfB Stuttgart — 1. FC Nürnberg wird nicht allein das Ergebnis interessieren. Die große Frage ist vor allem, mit welchem System die Nürnberger zum Zuge kommen wollen, nachdem am letzten Sonnabend in Dortmund auch eine „Betonabwehr" die Niederlage nicht verhindert hat. Der VfB tritt ohne Waldner an.

Hertha BSC verspricht sich viel davon, daß Faeder wieder mitmachen kann, aber Schalke 04 ist durch das Unentschieden der Berliner in Bremen gewarnt. — Der Angriff von München 1860 hat durch die Hereinnahme von Kraus viel an Schwung gewonnen, so daß der Karlsruher SC vor einer kaum lösbaren Aufgabe steht. Ob dem 1. FC Saarbrücken gegen Preußen Münster endlich der erste Sieg gelingt, dürfte nicht zuletzt eine Frage der Kondition sein.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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