Werders Außenstürmer

Elia in der Zwickmühle

Bremen. Eljero Elia hadert mit seinen Defensivaufgaben bei Werder - sie könnten den niederländischen Nationalspieler die WM kosten.
16.01.2014, 00:00
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Elia in der Zwickmühle
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Rein fußballerisch sieht sich Eljero Elia als offensiver Spieler – im Angriff liegen seine Qualitäten, deretwegen er zum niederländischen Nationalspieler wurde. In Bremen aber muss der Außenstürmer auch defensiv arbeiten. Er macht das sehr intensiv, er ist für Werder wertvoller als in der vergangenen Saison. Die WM-Teilnahme aber droht er aus den Augen zu verlieren.

Ein niederländisches Internet-Sportportal hat kürzlich „unsere besten Jungs in der Fremde“ gekürt, eine Hitliste von holländischen Fußballern im Ausland. In einigen Fällen genügte dazu ein Blick über Grenze gen Bundesliga, wo zum Beispiel der Sieger Arjen Robben für die Bayern spielt und der zweitplatzierte Rafael van der Vaart für den HSV. Und Eljero Elia? Der ist mächtig stolz: „Die besten Ausländer von Holland – da bin ich dabei.“

In der Heimat haben sie ihn tatsächlich nicht vergessen, und das tut Elia gut. Fünfter sei er in jener Bestenliste, und wenn man noch einmal nachschaut, sieht man, was das heißt: Werders Außenstürmer findet sich – hinter Robben, van der Vaart, Wesley Sneijder (Galatasaray) und Gregory van der Wiel (Paris SG) – in der Rubrik „Overig opvalend“, was frei übersetzt so viel heißt wie: „Weitere auffällige Spieler“. Nun mag man über Sinn und Unsinn dieser Liste spotten – Elia jedenfalls bedeutet sie eine ganze Menge.

„Wenn ich dabei bin“, denkt sich der Außenstürmer, „dann hoffe ich, dass ich eine Chance bekomme.“ Eine Chance, die ihn in die Nationalmannschaft zurückführt, die ihn nach Brasilien zur WM führt. Eine Chance, die er seit 14 Monaten nicht mehr bekommen hat. Denn so lange schweigt Elias Telefon schon bei den wichtigen Anrufen im Leben eines Nationalspielers im Wartestand – denen des Bondscoaches Louis van Gaal.

Als Eljero Elia im Sommer 2012 von Juventus Turin nach Bremen kam, da war er noch wer im Oranje-Dress. Zweimal berief ihn van Gaal im Herbst in den Kader, es waren die Einsätze 27 und 28, beide Male wurde er eingewechselt. Stammspieler war Elia ohnehin nie in der Elftal, aber sozusagen ein Stamm-Einwechselspieler bis Ende 2011. Womit er’s weit gebracht hat: unter anderem bis ins WM-Finale 2010 gegen Spanien.

Bremen aber schien kein Pflaster zu sein, das seiner Karriere zuträglich war. Elias Leistungen an der Weser ließen mehr als zu wünschen übrig, und als er vor einem guten halben Jahr im Abstiegskampf nach einem nächtlichen Ausflug mit Marko Arnautovic von der Polizei gestoppt wurde, schien endgültig Schluss zu sein. Doch während Arnautovic gehen musste, durfte Elia bleiben. Heute ist der 26-Jährige Stammspieler, hat alle Hinrundenpartien mitgemacht und dabei 15-mal in der Startelf gestanden. Robin Dutt möchte nicht auf ihn verzichten.

Eigentlich sollte ihn das glücklich machen. Und das sei er auch, sagt er: „Wenn ich spiele, bin ich glücklich. Wenn ich nicht spiele, bin ich unglücklich.“ Doch rundum glücklich ist er nicht. Das hat mit Robin Dutt zu tun und mit Louis van Gaal. In Bremen kann Elia derzeit nicht die Qualitäten ausspielen, deretwegen er in Holland Nationalspieler geworden ist. Das ist das Problem. In Bremen muss er viel, sehr viel nach hinten arbeiten. In Holland nicht.

„Ich bin ein Freund des Offensivspiels“, sagt Elia. Werder ist aber kein Klub des bedingungslosen Offensivspiels mehr, Elia ist deshalb vom reinen Außenstürmer zum Kämpfer auf der linken Bahn geworden, was in Bremen Fans und Trainer honorieren. Nur der eine Trainer in der Heimat honoriert es (noch) nicht.

Für Elia ist das ein Dilemma zwischen Orange und Grün. „Ja, das ist traurig für mich“, gibt er unumwunden zu: „Jetzt machen wir so viel Defensivarbeit, dass wir etwas die Kraft verlieren für den Abschluss oder den letzten Pass.“ Er und seine Bremer Kollegen, sagt er, müssten jetzt „nicht 100-prozentig fit sein. Wir müssen 1000-prozentig fit sein“. Andererseits weiß er auch: „Für die Mannschaft ist das wichtig, wenn ich hinten links helfe und im Mittelfeld unterstütze. Es ist besser, als wenn ich nur vorne stehe. Da bekomme ich dann ja auch keine Bälle, die müssen wir erst erobern.“ Die Arbeit, die er jetzt mache – ja, die müsse sein.

Auf Sicht wird dieses Dilemma den niederländischen Profi allerdings nicht zufriedenstellen. Sein Vertrag in Bremen läuft noch bis 2016, doch bislang hat Elias Karriereweg spätestens nach zwei Jahren einen Vereinswechsel mit sich gebracht. „Ich denke da nicht dran. Aber wenn es kommt, dann kommt es“, sagt er zu dieser Option. Anfragen gibt es zwar keine, aber „wenn du in der Nationalmannschaft nicht dabei bist, musst du gucken, was du machst“.

Am einfachsten wäre es natürlich, wenn Louis van Gaal die Internet-Expertise der „besten Jungs in der Fremde“ reichen und er Elia anrufen würde. Diese Hoffnung hat der Profi fünf Monate vor dem WM-Eröffnungsspiel nicht aufgegeben: „Ich hoffe, dass ich die Chance bekomme. Wenn das passiert, bin ich ein glücklicher Mensch.“

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