Was Werder bei Conti und Bentaleb plant Ente, Chance und Risiko

In Italien gilt Werder als Abnehmer für Mailands Andrea Conti, auf Schalke hofft man auf ein Bremer Angebot für Nabil Bentaleb - und der ist ein Spieler, mit dem sich Werder beschäftigen muss. Ein heikler Fall.
15.08.2019, 08:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Bähr und Jean-Julien Beer

Zwei Jahre ist es her, da war Andrea Conti eines der großen Versprechen im italienischen Fußball. 24 Millionen Euro Ablöse zahlte der AC Mailand damals an Atalanta Bergamo für das Abwehrtalent, das kurz darauf sein Debüt in der A-Nationalelf gab. Doch nach diesem rasanten Aufstieg verließ den Rechtsverteidiger das Glück: Kreuzbandriss, zwei Knie-Operationen. Nur 14 Ligaspiele bestritt Conti in den zwei Spielzeiten bei Milan. Jetzt ist er wieder fit und will angreifen, doch die Konkurrenz bei den „Rossoneri“ ist groß. Deshalb gilt der 25-Jährige als Kandidat für ein Leihgeschäft – und wurde vom italienischen Sportjournalisten Gianluca Di Marzio mit Werder in Verbindung gebracht.

Contis Berater ist geschäftstüchtig

Die Bremer suchen einen Rechtsverteidiger, der Theo Gebre Selassie Konkurrenz machen und ihn auch entlasten kann. Flexibel soll der neue Mann sein, und das ist Conti, der auch schon auf der linken Seite und im Mittelfeld zum Einsatz kam. Sein Berater Mario Giuffredi bestätigte dem WESER-KURIER sogar, dass Werder beim AC Mailand wegen einer Leihe Contis angefragt habe. Eine Entscheidung über die Zukunft des Rechtsverteidigers sei aber noch nicht gefallen. Es gebe weitere Interessenten, sagte Giuffredi. Zudem könnte Conti auch in Mailand bleiben und sich dort durchbeißen. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, zu Werder wird wohl trotzdem nicht wechseln. Nach Informationen des WESER-KURIER haben sich die Bremer nicht ernsthaft mit einem Transfer befasst. Die Äußerungen des Beraters dürften eher dazu dienen, seinen Klienten interessant zu machen.

Normalerweise nicht Werders Kategorie

Der Schalker Nabil Bentaleb ist hingegen ein Spieler, mit dem sich ein Verein wie Werder einfach beschäftigen muss. Denn hier kommt ein hochklassiger Mittelfeldakteur auf den Markt, den sich die Bremer unter normalen Umständen niemals leisten könnten. Der 24-jährige algerische Nationalspieler ist nach Breel Embolo der zweitteuerste Neuzugang der Schalker Vereinsgeschichte, stolze 20 Millionen Euro kassierte Tottenham Hotspur im Sommer 2017 für ihn. In 97 Pflichtspielen schoss er für Schalke 19 Tore und bereitete neun Treffer vor. Vor allem in der Champions League, seine Lieblingsbühne, überzeugte er mit drei Toren in sechs Einsätzen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ein 98. Pflichtspiel für die Königsblauen nicht hinzu kommen soll. Nach mehreren Suspendierungen, Missverständnissen und Verfehlungen plant Schalke die Zukunft ohne Bentaleb und sucht einen Abnehmer. Die Zeit drängt, am 2. September schließt das Transferfenster. Wegen anhaltender Leistenprobleme befindet sich Bentaleb bereits sehr lange in einer Reha, sein Comeback im Schalker Alltag und in der Kabine soll möglichst vermieden werden. Wie es auf Schalke heißt, wäre Bentaleb auch zu günstigen Leihkonditionen zu haben.

Sportlich überragend, aber als Typ?

Genau hier kommt Werder ins Spiel. Bei der Suche nach einer Mittelfeldverstärkung würde Bentaleb alle Probleme auf einmal lösen. Ob aggressiv und schnell auf der Sechser-Position, torgefährlich und mit traumhaften Pässen auf der Acht oder der Zehn – dieser Bentaleb gilt nicht ohne Grund als bester Fußballer in Schalkes Kaders. Weil der Revierklub zuletzt aber defensiv und destruktiv agierte, war derlei kaum gefragt; der zum Divenhaften neigende Bentaleb wurde so zum Sonderling, der ohnehin schwer zu führende und selbstbewusste Akteur glänzte mehr als Anführer der nordafrikanischen Gang im Kader als auf dem Platz.

Fußballerisch bringt Bentaleb alles mit, um Werders Ballbesitz-Spiel auf ein neues Niveau zu heben. Er wäre sportlich wie wirtschaftlich eine Riesen-Chance. Die beiden Hürden: Man müsste ihn überzeugen, den Schritt zu einem Verein zu wagen, der nicht in der Champions League spielt. Und man müsste das Risiko abwägen, ob dieser Transfer nicht die harmonische Bremer Kabine aus dem Gleichgewicht bringt. All das wird gerade auf Bremer Seite geprüft und mit der Partei Bentaleb besprochen. Noch hat Werder aber kein Angebot abgegeben. Und Bentaleb ist auch nicht der einzige Kandidat.

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