Werders neue Strategie Entwickeln statt einkaufen

Bremen. Trotz schlechter Bilanzzahlen können die Werder-Manager Thomas Eichin und Klaus Filbry mit Unterstützung auf ihrem Kurs rechnen.
20.11.2013, 00:00
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Entwickeln statt einkaufen
Von Olaf Dorow

Bremen. Die verkündeten Zahlen waren keine guten Zahlen. Das Eigenkapital ist kräftig gesunken und wird noch weiter sinken. Dennoch gab es auf Werders Jahreshauptversammlung viel Zustimmung für den Kurs, den die Manager Thomas Eichin und Klaus Filbry beschrieben. Sie wollen einerseits sparen und andererseits mit einer cleveren Personalpolitik Werder zu neuen Ufern führen.

18 Monate lang besuchten sie einmal pro Woche die Geschäftsstelle: ein Herr aus Berlin, einer aus der Nähe von Hamburg. Sie waren gar nicht teuer, jedenfalls nicht in Relation zu einem neuen Spieler. Rund 60000 Euro, sagt Werder-Chef Klaus Filbry, habe es gekostet, dass zwei externe Strategieberater den Klub über Monate begleiteten.

Die neue Strategie des neuen SV Werder, das war ein großes Thema am späten Montagabend auf der Jahreshauptversammlung des Vereins. Und es war auch der Grund, warum dabei kaum ein Mitglied aufbegehrte angesichts eines erneuten Minus’ in der Bilanz. Trotz eines rapiden Schwunds des Eigenkapitals der vor zehn Jahren ausgegliederten Profi-Firma Werder Bremen GmbH & Co. KG aA von knapp 22 Millionen Euro (wir berichteten).

Filbry und sein für den Sport zuständiger Geschäftsführer-Kollege Thomas Eichin ernteten zumeist artigen Applaus für ihr Sanierungskonzept. Oder wenigstens beifälliges Nicken. Man traut es ihnen offenbar zu, das Ruder herumzureißen. Werder will spätetens in zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben und spätestens in drei Jahren wieder europäisch spielen.

Was leicht gesagt, aber schwer getan ist. Es geht um nicht weniger als einen komplizierten Balanceakt. So wie auf dem Spielfeld weder die Defensive noch die Offensive überbetont werden darf, muss das rechte Augenmaß gefunden werden zwischen Investitionen und Sparmaßnahmen.

Mehr Leihgeschäfte geplant

„Wir hätten auch in diesem Jahr schon aus 14 Millionen Euro Minus (Verlust im Vorjahr, d. Red.) null machen können (statt acht Millionen Minus, d. Red.)“, sagt Eichin, „aber dann hätten wir jetzt einen Kader, mit dem wir wahrscheinlich schon wieder auf dem letzten Platz stehen würden.“

Sein Weg, Werders Weg: clever einkaufen, den eigenen Nachwuchs besser fördern. „Qualität entwickeln statt Qualität einkaufen“, nennt es Eichin. Das sei das Rezept. Er warb am Rednerpult vor den Vereinsmitgliedern und später auch vor den Mikrofonen für die Idee, junge Spieler Schritt für Schritt zu fördern. Mehr Leihgeschäfte einzugehen. Spieler zu finden, die die Konkurrenz übersieht.

Oder übersehen will. So wie seine Sommertransfers Luca Caldirola, Francesco di Santo oder Garcia. Di Santo und Garcia waren mit ihren Klubs in England beziehungsweise Italien abgestiegen, Caldiro spielte in Italien in Liga zwei. Alle drei sind noch längst keine Bundesliga-Stars. Es könnte aber sein, dass sie es werden. „Es gibt weltweit genug Spieler, die richtig gut und ablösefrei sind. Oder wenig kosten“, sagt Eichin.

Werder will nicht weniger als das schaffen, was dem Klub 1999 schon einmal gelang: sich selbst neu zu erfinden. Filbry sagt, der SV Werder habe damals doch ähnlich wie heute am Scheideweg gestanden – und sich dann dafür entschieden, mit einer neuen Strategie an alte Erfolge anknüpfen zu wollen. Auch das hört sich für die grün-weiße Kundschaft gut an und wird sehr schwer werden. Schwerer noch als vor 14 Jahren, als der Kader weitaus stärker und die Konkurrenz weitaus schwächer war.

Filbry verweist auf Vereine wie Leverkusen und Dortmund, bei denen ein Neuaufbau ebenfalls zu neuen Erfolgen geführt hatte. Borussia Dortmund stand vor zehn Jahren wirtschaftlich am Abgrund, ehe eine eine kluge wie mühsame Aufbauarbeit schließlich in den größten Erfolgen der Klubgeschichte mündete. Eine Art BVB light, das ist das, was Filbry, Eichin und Trainer Robin Dutt in Bremen erschaffen wollen. Nicht mehr und nicht weniger.

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