Werder Bremen Ersatzspieler nutzen ihre Chance zu selten

Bremen. Werders erweiterter Bundesligakader umfasst 30 Profis. Diese Anzahl sollte eigentlich einen großen Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft garantieren. Doch wenn Stammspieler ausfallen, nutzen Spieler von der Ersatzbank kaum ihre Chancen.
19.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ersatzspieler nutzen ihre Chance zu selten
Von Marc Hagedorn

Bremen. Werders erweiterter Bundesligakader umfasst 30 Profis. Diese Anzahl sollte eigentlich einen großen Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft garantieren. Aber nicht erst seit der 0:3-Niederlage im Testspiel bei Hansa Rostock ist klar, dass das Leistungsgefälle zu groß ist. Sandro Wagner zum Beispiel ist es nur selten gelungen, seinen Anspruch auf einen Stammplatz in der Bundesliga einzulösen. Der Verein und der Spieler ziehen daraus jetzt die Konsequenzen: Wagner steht vor einem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern.

Im Training klappte es am Mittwoch vorzüglich. Zweimal lief sich Sandro Wagner frei, bekam den Ball zugespielt und lupfte ihn geschickt über Torwart Christian Vander. Es waren zwei ebenso schöne wie clever erzielte Tore. Und es dürften für lange Zeit die letzten Treffer des Stürmers in Bremen gewesen sein. Denn kaum dass die Trainingseinheit am Vormittag beendet war, wurde bekannt, dass der Stürmer vor einem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern steht. Dorthin soll er für die kommenden eineinhalb Jahre verliehen werden.

Das Experiment Sandro Wagner darf damit als gescheitert gelten. Denn abgesehen von der Rückrunde 2011, als er fünf Tore erzielte, hat der U21-Europameister seit seinem Dienstantritt im Januar 2010 keine bleibenden Spuren bei Werder Bremen hinterlassen. Im Gegenteil: Es war ein stetes Auf und Ab mit dem baumlangen Angreifer. Er pendelte regelmäßig zwischen Reservemannschaft, Ersatzbank bei den Profis und Bundesliga-Einsätzen in der Startelf. Sandro Wagner steht damit exemplarisch für eine Reihe von Spielern im Kader. Wie Wagner geht es seit rund zwei Jahren auch Felix Kroos, Lennart Thy oder Florian Trinks. Sie sind nie ganz raus aus der Bundesligamannschaft, schaffen es aber auch nicht dauerhaft in den engeren Kreis.

30 Profis umfasst Werders erweiterter Bundesligakader, rein rechnerisch ist damit jede Position beinahe dreifach besetzt. In der Wirklichkeit geht diese Rechnung aber nicht auf. Wenn wie am Dienstag beim Testspiel in Rostock ein gutes Dutzend potenzielle Stammspieler ausfallen, dann sollte das eigentlich die Chance für die Leute aus der zweiten Reihe sein. Doch im Spiel bei Hansa nutzte niemand diese Bühne. Klaus Allofs bereitet das zunehmend Sorge. Nach dem 0:3-Debakel beim Zweitligavorletzten sagte der Werder-Boss: "Heute haben einige nicht zeigen können, dass sie in unserem Kader eine bedeutende Rolle spielen wollen. Darüber machen wir uns Gedanken." Die Wagner-Ausleihe ist die erste Konsequenz.

Ob weitere Reaktionen folgen, hängt entscheidend davon ab, ob sich die Trennung von einem Spieler mit einem guten Geschäft verbinden lässt, etwa im Fall von Wesley. Ebenso wenig wie Wagner, dessen Selbstverständnis es ist, natürlich ein Bundesligaspieler zu sein, löste in Rostock auch Mittelfeldspieler Wesley zum wiederholten Male seine eigenen Ansprüche nicht ein. Der Brasilianer, immerhin zweifacher Nationalspieler, ist seit Monaten kein Spieler, der in irgendeiner Form Druck auf die etablierten Kräfte ausübt. Dabei rede man bei Werder, so Trainer Thomas Schaaf, "nonstop mit den Spielern". Der Konkurrenzkampf im Bremer Team bleibt trotzdem überschaubar.

Das liegt auch an den jungen Spielern wie Trinks, Thy oder Kroos. Welpenschutz genießen sie inzwischen nicht mehr. Auch mit ihnen ist Werders Sportliche Leitung nicht zufrieden. "Viel zu wenig" komme von ihnen, sagte Allofs nach Rostock, und Schaaf stellte gestern trocken fest: "Ihre Chancen sind nicht größer geworden, in der ersten Elf aufzulaufen."

Dabei ist die Gelegenheit günstig wie nie. Naldo, Andreas Wolf und Aaron Hunt werden Werder am Sonnabend in Kaiserslautern mit Sicherheit fehlen, Marko Arnautovic und Marko Marin möglicherweise auch. Die Rückkehrer Sebastian Boenisch und Mikael Silvestre sind nach ihren langwierigen Verletzungen noch nicht soweit, als dass sie jetzt schon Alternativen für die Startelf sein könnten. "Einsatz", "Präsenz", und "dass man sich wehren muss" hätte Schaaf in Rostock von der zweiten Garde deshalb erwartet. Stattdessen lautet die Erkenntnis aus dem Spiel, dass sich die Mannschaft für das Kaiserslautern-Duell quasi von selbst aufstellt.

"Es ist nie gut, wenn Alternativen fehlen", sagt Clemens Fritz mit Blick auf die Situation im Werder-Kader, "gesunder Konkurrenzkampf belebt das Geschäft." Auch der Mannschaftskapitän klingt einigermaßen ernüchtert. "Jeder hat den Anspruch, zu spielen", sagt Fritz, "und wenn die Möglichkeit da ist, muss ich sie auch nutzen." Wenigstens ein Bremer hat das in den vergangenen drei Wochen dann doch hinbekommen: Tom Trybull, 18 Jahre jung, dürfte seinen Platz in der Startelf am Sonnabend sicher haben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+