1:1-Remis gegen Leipzig

Erst gezaubert, dann gezittert

Chancen über Chancen hatte Werder in der ersten Hälfte, aber nur Niklas Moisander traf. Weil Leipzig in der zweiten Hälfte besser und gefährlicher war, musste Werder mit einem 1:1 zufrieden sein.
15.04.2018, 21:06
Lesedauer: 4 Min
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Erst gezaubert, dann gezittert
Von Marc Hagedorn
Erst gezaubert, dann gezittert
Nordphoto

Als Schiedsrichter Christian Dingert nach 45 Minuten zur Pause pfiff, da kam diese Unterbrechung den Werder-Profis äußerst ungelegen. Die Bremer hatten sich gerade so richtig schön in Fahrt gespielt, sie hatten sich den Gegner für den vielleicht schon vorentscheidenden Knockout zurecht gelegt. 1:0 führte Werder durch ein Tor von Niklas Moisander, hatte 8:1-Torschüsse zusammengespielt und 4:0-Ecken. Aber entweder zielten die Bremer knapp daneben, oder aber RB-Torwart Peter Gulacsi bekam eine Hand dazwischen.

Man kennt diese Dramaturgie aus unzähligen Fußballspielen. Eine Mannschaft kombiniert, dominiert, vernachlässigt aber das Toreschießen, und dann kommt irgendwann doch der Gegner ins Spiel. So war es auch diesmal. Kaum zurück auf dem Platz, schaffte Leipzig durch den eingewechselten Ademola Lookman den Ausgleich (50.). Nach einer Hereingabe von Stefan Ilsanker behauptete sich Lookmann gegen Maximilian Eggestein und Philipp Bargfrede und traf zum 1:1.

Dabei sollte es in einem packenden und intensiven Fußballspiel mit besten Chancen für beide Mannschaften bleiben. Jedes Team hatte noch tolle Chancen, um zu gewinnen.

Werder bleibt Zwölfter

In der Tabelle bleibt Werder auf Platz zwölf. Der Direktabstieg ist nach den Niederlagen von Köln und dem HSV nicht mehr möglich. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt zehn Punkte. Das kann sich aber ändern, wenn Mainz an diesem Montag in der letzten Partie des 30. Spieltages gegen den SC Freiburg punktet.

Die zweiten 45 Minuten waren das komplette Gegenteil der ersten Hälfte gewesen. Das Leipzig der zweiten Halbzeit hatte nichts mehr mit dem Leipzig der ersten Halbzeit zu tun. Timo Werner kam zweimal gefährlich zum Abschluss (52., 55.). Emil Forsberg traf das Außennetz (69.), setzte den Ball beim nächsten Versuch auf das Netz (71.) und scheiterte mit einem Freistoß an Pavlenka (72.).

Werder hielt nur noch sporadisch mit Chancen dagegen. Einen Schuss von Max Kruse wehrte Gulacsi ab (57.). Das 2:1 für Leipzig schien in dieser Phase näher als das 2:1 für Werder. Und Werner hätte es eigentlich machen müssen, lief nach 86 Minuten alleine auf Jiri Pavlenka zu. Aber der Werder-Torwart rettete mit einer großartigen Fußabwehr. Und das Spiel blieb verrückt. Denn plötzlich war doch wieder Werder am Zug. Der eingewechselte Ishak Belfodil war alleine durch. Seinen Schuss wehrte Gulacsi ab, den Abpraller köpfte Moisander knapp daneben (88.). In der Nachspielzeit köpfte dann noch Belfodil daneben.

Es war in den vergangenen Tagen viel die Rede davon gewesen, dass RB Leipzig angeschlagen sei. RB hatte innerhalb von vier Tagen 1:4 gegen Leverkusen verloren und 2:5 in Marseille. Die Partie in Bremen war die dritte binnen einer Woche. Gerade noch die Namen von 17 statt der üblichen 18 Profis brachte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl angesichts von vielen verletzten und angeschlagenen Profis auf den Spielberichtsbogen.

Eggestein hat Glück

Und tatsächlich brachte RB in den ersten 45 Minuten abgesehen von einem halben Torschuss offensiv nichts zustande. Halber Torschuss, weil der Flug des Balles auf halbem Wege vom Arm von Maximilian Eggestein gestoppt wurde. Dabei hatte Werder Glück, denn Eggestein war Teil einer Werder-Abwehrmauer bei einem Freistoß von Emil Forsberg gewesen und hatte sich innerhalb des Strafraumes befunden. Dafür hätte Dingert auch einen Elfmeter geben können. Aber vielleicht war es ausgleichende Gerechtigkeit, denn dem Freistoß war ein Pressschlag zwischen Philipp Bargfrede und Yussuf Poulsen vorausgegangen. Dass Dingert hier auf Freistoß entschieden hatte, war mindestens umstritten, wenn nicht falsch.

Aber das war nicht die Geschichte der ersten 45 Minuten. Die Geschichte war die Bremer Dominanz. Torwart Jiri Pavlenka musste in der ersten Halbzeit keinen Ball abwehren, so gut hielten seine Vorderleute die Leipziger von seinem Tor weg. Timo Werner, Poulsen oder Forsberg, die Gegner ordentlich ins Schwimmen bringen können, kamen überhaupt nicht zur Entfaltung. Ganz anders als die Bremer Offensivleute.

Kapitän Zlatko Junuzovic war in die Startelf zurückgekehrt und sorgte vor allem mit seinen Standards für Gefahr. Auf der anderen Außenposition hatte sich Werders Cheftrainer Florian Kohfeldt für Milot Rashica an Stelle von Ishak Belfodil entschieden. Belfodil hatte drei der letzten sechs Werder-Tore erzielt. Er habe Rashica wegen seiner „Tempodribblings“ und für „Eins-gegen-eins-Situationen“ gebracht, hatte Kohfeldt vor dem Anpfiff erklärt.

Chancen im Minutentakt

Tatsächlich hatte Rashica ein paar ganz ansehnliche Szenen, die beste in der 44. Minute, als er sich schön gegen RB-Kapitän Willi Orban durchgesetzt und scharf in die Mitte gepasst hatte, wo Theodor Gebre Selassie eine Fußspitze zu spät kam. Sonst wäre es das 2:0 gewesen. Tore hatte Werder auch in anderen Szenen verpasst. Ein Junuzovic-Freistoß flog knapp am Lattenkreuz vorbei (6.). Eine Junuzovic-Flanke klärte Ibrahima Konate in letzter Sekunde (14.). Ein Gebre-Selassie-Schuss wurde abgefälscht (19.). Milos Veljkovic verpasste eine Kopfballverlängerung von Moisander nach Kruse-Flanke haarscharf (36.). Und dann verhinderte Gulacsi mit einer Doppelparade gegen Rashica und Junuzovic das 2:0 (41.).

So blieb es beim hoch verdienten 1:0, das Moisander nach 28 Minuten erzielt hatte. Es war ein kurioser Treffer gewesen. Max Kruse hatte den Ball fulminant ans Lattenkreuz gesetzt, den Abpraller schob Moisander aus 15 Metern und fast im Schneckentempo über die Linie. Gulacsi, der noch nach dem Kruse-Schuss gehechtet war, eilte zwar zurück, kam aber zu spät. Nicht zu spät war es für die Leipziger Aufholjagd in der zweiten Halbzeit.

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