Erst Zusage, dann Absage

Maina lässt Werder doch noch abblitzen

Werder braucht dringend Verstärkung im Sturm. Da kommt die Nachricht ungelegen, dass Linton Maina von Hannover 96 dem Verein an der Weser absagt. Die Suche nach Neuzugängen könnte ein Fiasko werden.
22.08.2021, 19:45
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von csa

Maina wird nicht seiner! Bei der Suche nach dringend benötigten Verstärkungen für die Offensive des SV Werder ist Sportchef Frank Baumann böse überrascht worden. Obwohl mit Hannovers Linton Maina ein Wechsel schon fest verabredet war und auch mit Hannover 96 eine Einigung kurz bevor stand, hat der Spieler den Bremern doch noch abgesagt. Es ist eine mehr als ungewöhnliche Geschichte und ein herber Rückschlag für den SV Werder, für den die Suche nach Neuzugängen nun zu einem Fiasko zu werden droht. 

Nachdem die Bremer schon bei den Torjägern Marvin Ducksch (Hannover 96) und Philipp Hofmann (Karlsruher SC) in Sackgassen gelandet waren, liefen sie nun auch bei Maina vor die Wand. Allerdings unverschuldet, wie es scheint. Gegenüber der DeichStube erklärt Baumann: „Wir hatten mit dem Spieler schon eine Einigung erzielt, hatten seine Zusage. Was letztlich zu seinem Umdenken geführt hat, bleibt für uns spekulativ.“ Selbst ein Termin für den Medizincheck war schon angesetzt. Und mit Hannover 96 war schon vieles besprochen, eine Einigung stand kurz bevor. Es wäre auf eine Ablöse zwischen einer und zwei Millionen Euro hinausgelaufen. Werder hätte dafür einen Flügelstürmer mit Tempo, Talent und Erfahrung in der 1. und 2. Liga bekommen. Ein guter Deal, dachten die Bremer und planten bereits die Spielervorstellung. Doch dann kam der Samstag.

Lesen Sie auch

Während Werder gegen den Karlsruher SC ein gutes Spiel ablieferte, beim 0:0 aber die Notwendigkeit von Verstärkungen für die Offensive einmal mehr überdeutlich wurde, überlegte Maina es sich doch nochmal anders. 96-Sportchef Marcus Mann und 96-Cheftrainer Jan Zimmermann hatten sich mit dem Spieler getroffen, um die Wechselabsichten des 22-Jährigen zu klären. Was komisch erscheint, denn zu diesem Zeitpunkt war Hannover längst bereit zu verkaufen. Und der Spieler war angeblich bereit zu gehen. Das Ergebnis des Gesprächs: Maina bleibt, wo er ist. „Ein Wechsel innerhalb der 2. Liga ist für ihn kein Thema“, erklärte Mann am Sonntag gegenüber „Sportbuzzer.de“. Selbst 96-Clubchef Martin Kind hatte das nicht mehr erwartet. „Wir waren genauso irritiert wie die Bremer“, sagte der 77-Jährige und bestätigte: „Wir hätten uns mit Werder verständigen können.“ 

Die Bremer erfuhren unmittelbar nach dem Abpfiff in Karlsruhe von der Wende. Mainas Management setzte Baumann in Kenntnis, dem jetzt nur noch bis zum 31. August Zeit bleibt, die eigenen Transferziele umzusetzen. „Wir müssen Linton Mainas Entscheidung hinnehmen und andere Optionen angehen“, sagt der Manager. Was sich unaufgeregt und vorwurfsfrei liest, dürfte sich für den Sportchef tatsächlich aber anders anfühlen. Er steht unter dem Druck, Neuzugänge liefern zu müssen, kommt aber nicht zu Ergebnissen.

Maina ist dabei nur eines von zwei Beispielen, was bei der Spielersuche alles schiefgehen kann. Nach Informationen der DeichStube ist den Bremern am Wochenende noch ein zweiter, weit vorangeschrittener Transfer geplatzt. Nicht für die Offensive, sondern für eine andere Position. Dort gab es die Absage, weil der abgebende Club am Spieltag mehrere verletzte Akteure zu beklagen hatte und den Spieler nun nicht mehr abgeben möchte.

In dem Fall könnte man von höherer Gewalt sprechen. Bei Maina steckt dagegen möglicherweise ein anderes Angebot dahinter. Seit er vor Monaten verkündet hatte, bei 96 seinen bis 2022 laufenden Vertrag definitiv nicht zu verlängern, wartete er auf Angebote aus der Bundesliga. Weil aber keine interessanten kamen, sah Werder seine Chance. Doch nun könnte doch ein Erstligist dazwischengefunkt haben – entweder noch für die aktuelle Transferperiode oder schon für den kommenden Sommer, wenn Maina ablösefrei zu haben ist.
In Hannover kursiert dagegen ein anderer Verdacht. Möglicherweise war die Kommunikation zwischen Maina, seiner Mutter (die auch als seine Beraterin fungiert) und einem weiteren Berater nicht optimal, das Vorgehen nicht immer abgestimmt. Kind verfolgt diese Spur aber nicht: „Das ist ein Thema von der Familie und den Beratern.“

Gegen diese Version spricht jedoch, dass es von Werder-Seite persönlichen Kontakt zu Maina gab. Die Bremer werden bei dem (ehemaligen) Wunschspieler nun nicht mehr nachfassen. Baumann: „Wir müssen ja auch das Gefühl haben, dass der Spieler zu 100 Prozent überzeugt ist.“

Dass wenigstens Georgios Giakoumakis von VVV Venlo so ein Spieler ist, wird mit jedem Tag, der ergebnislos vergeht, unwahrscheinlicher. Auch der Transfer des griechischen Mittelstürmers droht zu scheitern.

Wer also soll Werder aus der Torkrise befreien? In den vergangenen drei Pflichtspielen ist den Bremern nur ein Treffer gelungen. In Karlsruhe zeigte sich das Team gegenüber der 1:4-Pleite gegen den SC Paderborn eine Woche zuvor zwar enorm formverbessert, trotz einer Überzahl ab der 57. Minute (Gelb-Rot für Karlsruhes Marvin Wanitzek) und besten Chancen für Niclas Füllkrug (2), Romano Schmid (2) und Felix Agu (1) gelang kein Tor. Immerhin fiel auch auf der anderen Seite keines. Baumann: „Defensive Stabilität ist das A und O, das 0:0 ist deshalb ein Fortschritt.“ Wenigstens einer an einem Wochenende mit großen Rückschritten auf dem Transfermarkt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+