Berater bestätigt Gespräche Erste Angebote für Rashica

Um die Millionen-Verluste eines Abstiegs in die 2. Liga zu kompensieren, müsste Werder Spieler verkaufen. Angebote gibt es, besonders Milot Rashica ist begehrt. Sein Berater bestätigt nun erste Gespräche.
14.02.2020, 10:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Jean-Julien Beer

Ein bisschen Zeit bleibt noch, genauer gesagt bis zum 16. März. Spätestens dann müssen die Unterlagen für den Lizensierungsprozess bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingereicht sein. Für Werder bedeutet das doppelte Arbeit, neben denen für die Bundesliga gilt es auch, die Unterlagen für den Fall eines Abstiegs in die 2. Liga zusammenzustellen. Was sich nach vorzeitiger Selbstaufgabe im Abstiegskampf anhört, ist tatsächlich eine Auflage der DFL. Werder muss aufgrund der prekären Tabellensituation ein Szenario entwickeln, wie bei einem Abstieg die Liquidität gesichert werden soll.

Natürlich sind sie in der 5. Etage der Geschäftsstelle am Weserstadion längst dabei, die nötigen Schritte zu skizzieren. Wo kann gespart werden? Wo muss gespart werden? Etwa 45 Millionen Euro würde der Gang in die 2. Liga am Ende kosten, wie der WESER-KURIER gestern berichtete. Rund 30 Millionen Euro weniger Fernsehgeld würden fließen, dazu reduzieren sich Einnahmen aus Sponsorenverträgen und die Ticketing. Wie soll so ein gigantisches Minus auf der Habenseite ausgeglichen werden?

„Man muss vorbereitet sein."

Fußball, seriöser Fußball, werde auch nach einem Abstieg in die 2. Liga weiter gespielt in Bremen, hat Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, versprochen. In der Summer aber ist ein Abstieg wirtschaftlich eine Katastrophe. In erster Linie sind die dramatischen Verluste über Spielerverkäufe abzufedern. Im Verein ist zu hören, dass es dabei um das Tafelsilber geht, also die Profis, die die höchsten Erlöse erzielen werden – und das auch bei einem Abstieg. Dabei geht es natürlich in erster Linie um Milot Rashica. Dass bereits Angebote bei Werder auf dem Tisch liegen, ist ebenfalls im Umfeld des Klubs zu hören.

Das bestätigt Altin Lala, Berater und Karriereplaner Rashicas. „Man muss vorbereitet sein", sagt Lala auf Nachfrage des WESER-KURIER. „Vorbereitet auf alle Szenarien", wie Lala anfügt. Gemeint ist damit in erster Linie der Abstieg, aber auch im Falle des Klassenerhalts sind Werders kurzfristigen Perspektiven wenig attraktiv. Zumindest für einen Spieler mit dem Potenzial Rashicas. „Es gibt Interessenten und Gespräche gab es auch", bestätigt Lala, ein Ex-Profi, der 181 Bundesligaspiele für Hannover 96 absolvierte und seine Karriere 2012 in der U23 des FC Bayern ausklingen ließ. Es braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, dass diese Gespräche in Abstimmung mit Werder geführt werden, auch wenn niemand das offiziell bestätigen würde.

Rashica Marktwert liegt bei 35 Millionen Euro

Zum Ende vergangenen Jahres gab es Meldungen aus dem Kosovo, Borussia Dortmund habe Interesse an Rashica. Die Quelle war ein ehemaliger Jugend-Trainer Rashicas, der angeblich immer noch gute Kontakte zum Spieler pflege. Lala kennt die Gerüchte, kommentieren mag er sie nicht. „Ich nenne keine Namen„, sagt Lala über die Klubs, mit denen Gespräche laufen. Rashica dürfte bei vielen im Fokus stehen, seine extreme Geschwindigkeit und seine besonderen Schuss-Qualitäten machen ihn europaweit zu einem begehrten Spieler. Hinzu kommt Werders sportliche Situation, die für den Kosovaren einen Wechsel im Sommer attraktiv machen dürfte. Und nicht zu vergessen ist da Werders wirtschaftliche Situation, die Bremer sind auf Spielerverkäufe angewiesen. Beim Portal „Transfermarkt“ wird Rashicas Marktwert auf 35 Millionen Euro taxiert.

Vertraglich ist Werder zum großen Teil auf einen Abstieg vorbereitet: Alle Spieler wären per Klausel auch beim Abstieg zum Bleiben verpflichtet. Allerdings zu reduzierten Gehältern. Auf wie viel Geld sie verzichten müssten, ist individuell geregelt: 20, 30 oder 40 Prozent weniger. Das dürfte ein Grund für einige Spieler sein, den Klub verlassen zu wollen.

Ein Trio müsste nicht gekauft werden

Neben Rashica gibt es weitere Kandidaten, mit denen das benötigte Geld eingenommen werden könnte. Davy Klaassen gehört dazu, Maximilian Eggestein, Jiri Pavlenka oder Ludwig Augustinsson. Bei allen dürfte in der Karriere-Planung ein Klubwechsel enthalten sein, Werder ist sicher nicht als Endstation vorgesehen. Allerdings sind mit der sportlichen Krise auch die Marktwerte der meisten Bremer Profis in den Keller gegangen. Rashica dürfte das teuerste Teil des Tafelsilbers sein.

Andere Einsparungen würden durch den Abstieg automatisch entstehen, weil fest eingeplante Transfers plötzlich hinfällig werden würden. Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak und Davie Selke sind alle zunächst auf Leihbasis gekommen, verknüpft mit einer Kaufklausel. Die Kaufverpflichtung verfällt jedoch, sollte Werder am Ende dieser Saison in die 2. Liga rutschen. Die Leihgebühr für Bittencourt beträgt 600.000 Euro, als Ablöse würden 7 Millionen Euro an Hoffenheim fällig. Toprak ist für 2,5 Millionen Euro Leihgebühr aus Dortmund gekommen, ein Kauf würde mit 4 Millionen zu Buche schlagen. Bei Selke würde eine Ablöse von etwa 12 Millionen Euro an Hertha fällig. Zusammen wären das 23 Millionen Euro, die nicht gezahlt werden müssten. Hinzu kommt, dass die Verträge von Claudio Pizarro, Nuri Sahin und Fin Bartels auslaufen. So wird Gehalt eingespart. Der Leihvertrag von Michael Lang läuft aus, auch dadurch wird Geld frei.

Werder müsste also auch Transfers tätigen, um eine neue Mannschaft aufzubauen. Dazu sehen sich die Verantwortlichen in der Lage – wenn zuvor Geld eingenommen wird. „Es muss immer eine Balance sein zwischen Wettbewerbsfähigkeit und vernünftigem, kostenbewussten Handeln“, sagt Filbry zum WESER-KURIER. „Wie groß das Risiko ist, dass wir eingehen können, das hängt davon ab, wie viele Transfereinnahmen wir generieren würden. Das ist eine logische Schlussfolgerung.“

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