Enttäuschung bei Werder Bremen Es braut sich etwas zusammen

Bremen. Nach Werders Offenbarungseid gegen Fürth ist Thomas Schaaf "sauer", eine Erklärung für den Auftritt seiner Mannschaft hat er aber nicht. Stattdessen kritisiert er sein Team - und Teile des Publikums kritisieren den Trainer.
17.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Es braut sich etwas zusammen
Von Marc Hagedorn

Bremen. Es gab Redebedarf. Normalerweise dürfen sich die Werder-Profis nach einem Bundesligaspiel im Weserstadion alle Zeit der Welt nehmen, um mit den Journalisten über die vorangegangenen 90 Spielminuten zu sprechen. Am Sonnabend war das anders.

Da sammelte Mediendirektor Tino Polster plötzlich Spieler für Spieler ein und schickte sie in die Kabine. Dort wartete Thomas Schaaf, und was der Werder-Trainer der Mannschaft mitzuteilen hatte, verriet er hinterher mit düsterer Miene auf der Pressekonferenz: "Ich bin sauer."

In der Regel stellt sich Schaaf schützend vor seine Mannschaft. Gestern nach dem ganz schwachen Auftritt beim 2:2 gegen die fast schon abgestiegene SpVgg Greuther Fürth tat Schaaf das nicht. Fünf Schüsse hatte Werder gegen die mit Abstand schwächste Mannschaft der Liga aufs Tor gebracht, darin eingerechnet die zwei Elfmeter, die der eingewechselte Aaron Hunt verwandelt hatte. Ansonsten hatte Werder ein trostloses Bild abgegeben – ohne Tempo, ohne Ideen und vielleicht das Schlimmste: ohne den letzten Willen.

Lesen Sie auch

"Ich erwarte, dass man hinterher geht bis zum letzten Schritt, bis ich die Kugel wieder habe", sagte Schaaf, "das hat mir heute gefehlt." Ob er dafür eine Erklärung habe, wurde Schaaf gefragt. "Habe ich nicht", sagte Schaaf.

Es braut sich was zusammen bei Werder. Nach dem Sieg des FC Augsburg beim HSV beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur noch sechs Punkte. Die vom neuen Sportchef Thomas Eichin schon vor zwei Wochen als viel "zu negativ" beschriebene Stimmung wird immer düsterer. Auf der Südtribüne entrollten Fans gestern vor dem Anpfiff ein fünf Meter langes Bettlaken. "1999 – 2013 ist genug TS+WL+KDF" stand dort, und gerichtet war die Botschaft an die Adresse der langjährigen Macher im Klub: Trainer Thomas Schaaf, Aufsichtsratsboss Willi Lemke und Präsident Klaus-Dieter Fischer. Zwar gab es auch Pro-Schaaf-Plakate, aber es ist unverkennbar, dass immer größere Teile des (Sitzplatz-)Publikums dabei sind, die vornehme Bremer Zurückhaltung aufzugeben.

Nach der Vorstellung vom Sonnabend waren die Pfiffe und Buh-Rufe zur Halbzeit und nach dem Schlusspfiff aber auch keine Überraschung. Wie gegen Dortmund, gegen Freiburg oder gegen Augsburg enttäuschte Werder seine Fans. Die Profis zeigten sich einsichtig, wie etwa Zlatko Junuzovic, der über den Frust des Publikums sagte: "Selbstvertrauen bekommt man dadurch nicht, aber wir haben uns das selbst eingebrockt und müssen damit leben. Es ist doch klar, dass bei so einem Spiel von uns die Stimmung kippt."

Pfiffe hatte es vor dem Anpfiff nicht gegeben, da war noch Staunen die mehrheitliche Reaktion gewesen. Schaaf hatte überraschend die Offensivkräfte Hunt, Elia, Ekici und Arnautovic wie bereits beim 1:1 in Gladbach auf der Bank gelassen. Dafür war Abwehrchef Sokratis auf die Position des verletzten Kapitäns Clemens Fritz ins defensive Mittelfeld gerückt. Diese defensive Grundaufstellung machte sich nicht bezahlt, im Gegenteil: Mit dem 0:0 zur Pause war Werder sogar gut bedient, weil Fürth in der Anfangsphase in Person von Bernd Nehrig (8.) und Stephan Fürstner (9.) nach leichten Bremer Ballverlusten (Lukimya, Trybull) zweimal völlig frei vor dem längst ausgespielten Torwart Sebastian Mielitz das Tor verfehlte. Da gab es dann die ersten Pfiffe. Es entwickelte sich ein Spiel, das den aktuellen Leistungsstand widerspiegelte, hier traf die drittschlechteste (Werder) auf die zweitschlechteste Mannschaft der Rückrunde. Oder anders: die schlechteste Abwehr (Werder) spielte gegen den schlechtesten Sturm.

Lesen Sie auch

Schaaf korrigierte seine Personalentscheidungen zur zweiten Halbzeit und brachte Hunt und Arnautovic für die defensiven Tom Trybull und Theodor Gebre Selassie. Und die zweite Hälfte begann perfekt: Fürths Innenverteidiger Lasse Sobiech holte Hunt von den Beinen, den fälligen Elfmeter verwandelte der Gefoulte selbst – 1:0 (47.). Doch anstatt gegen kämpferisch zwar starke, aber fußballerisch äußerst limitierte Fürther nachzulegen, kassierte Werder den Ausgleich, den sich gleich die halbe Mannschaft zuschreiben darf. Lukimya und Ignjovski attackierten Heinrich Schmidtgal nicht, dessen Hereingabe verpassten Mateo Pavlovic und Lukas Schmitz – 1:1 durch Fürstner (56.). Es war Gegentor Nummer 50.

Auch beim zweiten Fürther Tor halfen die Bremer mit: Lukimya und Ignjovski klärten bei einem hohen Ball nicht entschlossen genug. Dazu kam das Pech, dass Schiedsrichter Markus Schmidt Schmidtgals Einsteigen gegen Lukimya nicht als Foulspiel wertete, sondern Fürth stattdessen einen Freistoß zusprach. Petsos’ effetvoller Schuss aus 26 Metern landete zur Fürther Führung im Tor – 1:2 (62.).

Werder hatte am Sonnabend das Glück, auf Fürth und nicht auf eine clevere Mannschaft zu treffen. Denn nach einem unprofessionellen Einsatz von Pekovic gegen Pavlovic bei einem Bremer Eckball gab es den zweiten Elfmeter des Tages, den wieder Hunt, diesmal etwas glücklich, verwandelte (70.). Werder musste mit diesem 2:2 gegen Fürth zufrieden sein.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+