Baumann zu Gast im „Doppelpass“

„Es gab keine Chance, mit Kruse zu verlängern“

Werders Sportchef Frank Baumann war im „Doppelpass“ zu Gast und sprach über den Sieg in Düsseldorf und Versäumnisse in der Hinrunde. Besonders kontrovers wurde Niklas Moisanders Platzverweis diskutiert.
19.01.2020, 14:03
Lesedauer: 3 Min
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Von (wkf)
„Es gab keine Chance, mit Kruse zu verlängern“

Werders Sportchef Frank Baumann war zu Gast im "Doppelpass".

nordphoto

Mit dem Sieg gegen Düsseldorf im Rücken konnte Frank Baumann die Reise nach München etwas entspannter antreten. Dennoch musste Werders Sportchef am Sonntag in der Sport1-Sendung „Doppelpass“ natürlich unbequeme Fragen zur sportlichen Situation beantworten. Es ging etwa um den Abgang von Max Kruse und die Frage, ob darauf adäquat reagiert wurde. „In puncto ,dominanter Charakter' haben wir aktuell sicherlich ein Defizit“, gab Baumann zu. Kruse sei zwar auch eher ein Freigeist als ein dominanter Spieler, doch er fehle gerade in kritischen Situationen.

Ebenfalls zu Gast in der TV-Sendung war WESER-KURIER-Chefreporter Jean-Julien Beer, der anmerkte: „Werder war in der vergangenen Saison eine durchschnittliche Mannschaft mit einem außergewöhnlichen Spieler. Wenn man diesen Spieler rausnimmt und der Ersatz funktioniert nicht, bleibt eine durchschnittliche Mannschaft.“ Baumann wiederum betonte: „Es gab keine Chance, mit Max Kruse zu verlängern. Wenn Max eine Meinung hat, ändert er die nicht. Er hatte für sich entschieden, dass er etwas anderes machen wollte. Daher gab es auch gar keine größeren Verhandlungsrunden.“

Thema Transferplanungen

Werder verpflichtete vor der laufenden Saison Niclas Füllkrug als neuen Stürmer, der zunächst überzeugte, sich dann aber einen Kreuzbandriss zuzog. „Niclas fehlt uns natürlich, aber wir sind vorne nicht schlecht besetzt. Milot Rashica ist einer der besten Stürmer der Liga“, sagte Baumann. Auf die Frage, ob Werder in der Winterpause noch eine Verstärkung für die Offensive holt, antwortete der Sportchef gewohnt zurückhaltend: „Wenn etwas Passendes möglich ist, werden wir im Offensivbereich noch jemanden dazu nehmen. Wir werden aber nicht aktionistisch sein.“

Denkbar sei ein Leihgeschäft. „Es kann sein, dass es jemand ist, der uns für halbes Jahr hilft wie Kevin Vogt. Wir müssen den Klassenerhalt schaffen“, unterstrich Baumann. Interessanter Randaspekt: Bei Michael Gregoritsch, den Augsburg an Schalke verliehen hat, habe Werder keine Chance auf eine Leihe gehabt, erklärte Baumann. „Ich glaube, dass uns da Augsburg mehr als direkten Konkurrenten sieht als Schalke.“

Wie schon im Trainingslager auf Mallorca zeigte sich Werders Sportchef bei der Analyse der verkorksten Hinrunde in einigen Punkten selbstkritisch. Zur Verletzungsmisere sagte Baumann etwa: „Wir wollten im athletischen Bereich die nächste Stufe erreichen und mussten feststellen, dass mehr nicht immer besser ist.“ Die Winterpause habe Werder nun gut getan und der Sieg in Düsseldorf sei „ein kleiner Schritt“, hielt der Ex-Nationalspieler fest.

Diskussion über Moisanders Platzverweis

Mit Blick auf das Bremer Auftaktspiel wurde in der von Thomas Helmer moderierten Runde vor allem die Gelb-Rote Karte gegen Niklas Moisander in der Nachspielzeit diskutiert. Werders Torwart Jiri Pavlenka war von zwei Gegenspielern hart attackiert worden und Kevin Vogt lag verletzt auf dem Rasen, woraufhin Kapitän Moisander den Schiedsrichter Felix Brych emotional darauf hinwies. „Dass sich Niklas in der dramatischen Schlussphase aufregt, in einer Situation, in der zwei seiner Mitspieler verletzt werden, ist ganz normal, glaube ich“, erklärte Baumann.

Lutz-Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter, sah das anders. Er wurde per Telefon in die Sendung geschaltet und schilderte die Szene in der Nachspielzeit aus seiner Sicht: „Moisander ist eigentlich unbeteiligt, schubst aber Gegenspieler weg, geht dann zum Schiedsrichter und reklamiert wild gestikulierend. An der Rudelbildung wirkt er mit. Aus unserer Sicht ist die Gelb-Rote Karte nicht überzogen.“ Baumann merkte an, dass vor allem das Foul an Pavlenka die Rudelbildung verursacht habe und nicht Moisander. Fröhlich zeigte sich aber uneinsichtig: „Wir zwingen keinen Schiedsrichter dazu, in solchen Situationen Gelb zu zeigen. Wir sollten aber damit aufhören, ständig rumzureklamieren und Hektik reinzubringen. Der Vorgang eignet sich eher dazu, sich mit dem Spieler zu beschäftigen statt mit dem Schiedsrichter.“

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