Werder unterliegt Frankfurt

Es reicht einfach nicht

Wieder war es kein Katastrophen-Spiel, das die Bremer da abgeliefert hatten. Doch wieder musste man feststellen: So reicht es einfach nicht.
21.11.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Dorow Nikolai Fritzsche

Wieder war es kein Katastrophen-Spiel, das die Bremer da abgeliefert hatten. Doch wieder musste man feststellen: So reicht es einfach nicht.

Wieder war es kein Katastrophen-Spiel, das die Bremer da abgeliefert hatten. Doch wieder musste man feststellen: So reicht es einfach nicht. „Gucken Sie sich die Tabelle an, was für eine Mannschaft uns da gefordert hat heute“, sagte Werders Trainer zu einem Reporter. Frankfurt spielt eine richtig gute Saison bislang und hat am Sonntag gezeigt, dass das nicht nur zufällig so ist. Dass Werder demnächst seine Punkte schon holen wird, die die Mannschaft aus der Abstiegszone tragen, braucht man aber trotzdem nicht anzunehmen. Demnächst geht es gegen die beiden Tabellenletzten Hamburg und Ingolstadt. Beide Teams haben Punkte gesammelt an diesem Wochenende. Beide spüren neuen Rückenwind.

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Im Werder-Tross besteht der Rückenwind derzeit eher aus etwas, das man mit nur ein wenig Boshaftigkeit als Floskeln bezeichnen könnte. „Ich glaube an die Mannschaft“, sagte Trainer Nouri. „Wir werden wieder aufstehen“, sagte Sportchef Frank Baumann. Nouri sagte, dass er vom Bremer Weg, den er mit seiner Mannschaft gehe, überzeugt sei. Baumann sagte, dass er von der Qualität und auch der Mentalität der Mannschaft überzeugt sei.

Gegentore durch Pech

Sie argumentieren quasi gegen das Faktische. Die Fakten weisen Werder als eine Mannschaft mit einem massiven Defensiv-Problem aus. Trainer und Manager wiesen jeweils auf das Pech hin, das zu den Gegentoren gegen Eintracht Frankfurt geführt hatte. Das stimmte irgendwie und konnte doch nicht alles erklären. Vor dem 1:1 in der 52. Minute durch Alex Meier wurde der ballführende Frankfurter so lange nicht vom Ball getrennt, bis der Ball schließlich ans Knie von Florian Grillitsch prallte – und von dort aus zur unfreiwilligen Vorlage wurde für den späteren Torschützen. Vor dem 1:2 in der 90. Minute waren die Bremer fast vollständig in ihrem Strafraum versammelt – und schafften es trotz mehrfacher Versuche nicht, den Ball aus der gefährlichen Zone zu schlagen. Immer wieder kam er zurück. Und auch ein Konter-Versuch wurde noch am Bremer Strafraum abgefangen.

Auch bei den eigenen Chancen berief sich Nouri auf das Pech. Auch das stimmte und konnte die Niederlage dennoch nicht relativieren. In der zweiten Halbzeit hatten auch die Frankfurter zahlreiche Chancen, sie hatten sogar mehr und bessere Chancen. Mehrfach musste Werders Keeper Felix Wiedwald in höchster Not retten, manchmal gelang das nur und gerade noch so im Verbund mit herbeigeeilten Verteidigern. Hätten die Gäste ihrerseits etwas weniger Pech gehabt, dann hätten sie dieses Spiel viel früher entscheiden können.

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Dabei hatte aus Bremer Sicht alles so angefangen, wie viele sich das gewünscht hatten. Max Kruse und Claudio Pizarro waren endlich wieder dabei, und zusammen mit dem Neu-Nationalspieler Serge Gnabry waren sie eine Offensiv-Macht. Es gab Kruse-Aktionen zum Niederknien, und es gab Gnabry-Aktionen zum Niederknien. Dann ging auch noch der Matchplan auf: Mit langen Bällen wollte Werder hinter die Frankfurter Abwehrketten kommen. Das gelang zwar nicht andauernd, aber einmal perfekt. Verteidiger Niklas Moisander war noch nicht mal bis zur Mittellinie vorgerückt, als er eine lange Flanke dorthin schlug, wo Florian Grillitsch hingelaufen war. Und kein einziger Frankfurter. Grillitsch war plötzlich völlig frei, seinen Schuss zum 1:0 darf man ebenfalls als Sonntagsschuss bezeichnen (38.).

Erneut verkorkster Werder-Tag

Der Rückkehrer-Effekt war eingetreten, obwohl weder Rückkehrer Kruse noch Rückkehrer Pizarro an diesem Treffer beteiligt waren. Rückkehrer Philipp Bargfrede hatte zu diesem Zeitpunkt noch auf der Bank gesessen, er kam erst später. Die Rückkehrer hätten das Offensiv-Spiel belebt, konnte Frank Baumann anerkennend feststellen. Er kam jedoch um die Feststellung nicht herum, dass Werder auch in diesem Rückkehrer-Spiel ein Déjà-vu erlebte. „Wir können die gleiche Platte auflegen“, sagte Baumann, „wir haben ordentliche Ansätze, aber wir haben es nicht geschafft, das konsequent zu verteidigen.“

Es passte zum erneut verkorksten Werder-Tag, dass der schöne Rückkehrer-Effekt sich am Ende quasi ins Gegenteil verkehrte. Es war Claudio Pizarro, der in der zweiten Halbzeit die beste Bremer Chance vergab. Freistehend konnte er den Ball nicht im Tor unterbringen. Und es war Max Kruse, der in jener verhängnisvollen 90. Minute einen Konter einleiten wollte und den Ball verlor. Kurz darauf fiel das 2:1 für Frankfurt. In der zweiten Halbzeit hatte das gesamte Power-Trio Kruse-Pizarro-Gnabry abgebaut und parallel dazu Frankfurt das Spiel mehr und mehr an sich gezogen. Der guten ersten Bremer Halbzeit folgte eine zweite Halbzeit, die nicht mehr besonders gut war. „Da hatten wir nicht mehr so Zugriff“, gab Grillitsch zu. Er hätte der Mann des Abends werden können, der mit einem Super-Tor seine Kritiker Lügen gestraft hätte. So wurde er dazu noch zu einem Mann, der auch nur mit einer Floskel den erneuten Misserfolg bewerten konnte. „Wir stecken die Köpfe nicht in den Sand“, sagte er.

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