Schmerzhafte Generalprobe

Es zwickt noch hier und da

Es lief noch nicht alles rund bei Werders Generalprobe vor dem ersten Pflichtauftritt in der kommenden Woche. Zu allem Überfluss bereiten Martin Harniks Rückenschmerzen einige Sorgen.
12.08.2018, 07:27
Lesedauer: 3 Min
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Es zwickt noch hier und da
Von Malte Bürger
Es zwickt noch hier und da
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Der Stimmungskiller kam exakt in der 90. Minute. Ein allzu rauschendes Fußballfest war es zwar vorher schon nicht im Bremer Weserstadion gewesen, aber immerhin hatte es zwischen Werder und dem FC Villarreal noch 2:2 gestanden. Die Betonung liegt allerdings auf dem „noch“. Denn dann kam Manu Morlanes und vermieste mit seinem Treffer zum 3:2 (0:1) für die Gäste die Generalprobe der Heimelf beim Tag der Fans.

Die Erwartungshaltung in dieser Saison ist nicht eben gering. Werder hat ordentlich investiert, die Transferaktivitäten und das neu vermittelte Selbstbewusstsein der Verantwortlichen haben dafür gesorgt, dass Spieler und Fans verstohlen wieder in höhere Tabellenregionen blicken wollen. Entsprechend hatten sich 24 781 Zuschauer auch auf einen munteren, erfrischenden Kick eingestellt. Den gab es dann allerdings nur halbwegs aus Bremer Sicht.

Im ersten Abschnitt war Werder hellwach, das Offensivpressing funktionierte schon ganz gut. Lediglich den weiteren Aktionen fehlte dann die Genauigkeit. „Ich hatte ganz klar das Gefühl, dass wir in einem Spiel gegen eine spanische Topmannschaft Momente hatten, in denen wir dominant waren“, sagte Trainer Florian Kohfeldt. Eine dieser Szenen gab es in der 25. Minute, als Florian Kainz den Ball erobert hatte, blitzschnell umschaltete und Max Kruse auf die Reise schickte. Der Neu-Kapitän überlupfte anschließend den gegnerischen Torhüter Sergio Asenjo und traf sehenswert zur Führung.

Dass die Gastgeber wenig später mit einem Vorsprung in die Pause gingen, hatten sie auch Jiri Pavlenka zu verdanken. Der Bremer Schlussmann klärte erst gegen Toko Ekambi (10.), dann war der Tscheche gegen Samu Castillejo (35.) und Gerad Moreno (38.) zur Stelle. Werder vergab derweil gute Gelegenheiten durch Kainz (27.) und Kruse (41.).

Villarreal bestraft "Nachlässigkeiten"

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel passierte es dann aber doch: Die Spanier, die in der abgelaufenen Saison Rang fünf belegt hatten, zeigten, warum sie sich demnächst in der Europa League auf internationalem Terrain messen dürfen. Erst bestrafte Ekambi Bremer Ungenauigkeiten in der Defensivarbeit (49.), dann scheiterte der Gäste-Stürmer mit einem herrlichen Schlenzer am Pfosten (54.), ehe er kurz darauf das Spiel doch mit seinem zweiten Treffer nach einem haarsträubenden Patzer des eingewechselten Martin Harnik drehte (65.). Die Fehlerkette im Bremer Spiel, sie schmeckte Florian Kohfeldt gar nicht. „Wir sind am Ende einer Vorbereitung und es gibt viele Dinge, die mich positiv stimmen, aber niemand darf jemals vergessen, dass wir hart arbeiten müssen. Das sind Nachlässigkeiten.“

Apropos Harnik: Der Österreicher hatte mit dem Beginn der zweiten Halbzeit Milot Rashica ersetzt, erlebte den Abpfiff aber trotzdem nicht mehr mit. Nach 87 Minuten wurde er wieder ausgewechselt und trottete enttäuscht Richtung Spielertunnel. Florian Kohfeldt gefiel dieser Umstand gar nicht. „Es ist eine Sache im Rücken, aber nichts Muskuläres“, sagte der Coach. Zwischenzeitlich sei immer wieder alles gut, dann melde sich der Nerv plötzlich doch wieder. „Das müssen wir auf jeden Fall genau ergründen.“

Zwei andere Werder-Profis mussten ihren Arbeitstag ebenfalls früher als geplant beenden. Milot Rashica und Milos Veljkovic blieben zur Pause in der Kabine, obwohl sie eigentlich eine Stunde lang hätten spielen sollen, wie Kohfeldt später erklärte. Die Gründe für ihre vorzeitige Auswechslung lieferte er aber auch gleich mit: So habe Veljkovic ein Ziehen gespürt und wurde deshalb ebenso als Vorsichtsmaßnahme geschont wie Rashica, der sich in der Kabine plötzlich habe übergeben müssen.

Lichtblick Pizarro

Auf den Magen geschlagen war den Werder-Fans die Partie zwar nicht, aber die gute Laune hatte mit dem 1:2 einen Dämpfer erhalten. Da die Bremer – auch bedingt durch mehrere Wechsel – nun nicht mehr ganz so stark agierten, mussten andere Stimmungsaufheller her. Und dieser kam wenig überraschend aus Peru.

Die Partie hatte noch gar nicht richtig begonnen, da wurde Claudio Pizarro bereits lautstark gefeiert. Egal, was er tat, es sorgte für Entzücken auf den Rängen. Pizarro kam aus dem Spielertunnel – das Publikum klatschte. Pizarro lief sich warm – das Publikum klatschte. Pizarro zog sich an der Seitenlinie um – das Publikum johlte.

Nach 75 Minuten war es nämlich tatsächlich soweit, und der 39-Jährige wurde aufs Feld geschickt. Die Zuschauer standen, sie applaudierten ihrem Heimkehrer. Und was tat der Angreifer? Er gab die Zuneigung mit einer Vorarbeit zum 2:2 zurück. Auf der rechten Seite war Pizarro an den Ball gekommen, hatte kurz in Richtung Strafraum geschaut und dann mustergültig auf den Kopf von Yuya Osako geflankt. Der Japaner verlängerte den Ball geschickt ins lange Eck (88.), und die Fans hatten plötzlich wieder Gefallen an diesem Spiel. Bis Manu Morlanes kam und zum ernüchternden Villarreal-Sieg traf.

Florian Kohfeldt hatte trotz der ärgerlichen Niederlage nichts von seinem Optimismus im Vorfeld der anstehenden Saison eingebüßt. Verpatzte Generalprobe hin oder her. Stattdessen kündigte er vor dem Auftritt im DFB-Pokal am kommenden Sonnabend forsch an: „Nächste Woche werden wir nach Worms fahren und dort gewinnen. Dann werden wir da sein.“

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