Ex-Werder-Coach Niveau und Ort sind zweitrangig: Kohfeldt sucht neuen Trainer-Job

Ex-Werder-Coach Florian Kohfeldt ist auf der Suche nach einem neuen Trainer-Job. Seit sich Wolfsburg im vergangenen Mai von Kohfeldt getrennt hat, ist es wieder ruhiger um den 39-Jährigen geworden.
25.09.2022, 14:19
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Niveau und Ort sind zweitrangig: Kohfeldt sucht neuen Trainer-Job
Von Malte Bürger

Ein wenig Ungewissheit schwang mit, das musste Florian Kohfeldt zugeben. Schließlich wusste auch er nicht ganz genau, wie die Zuschauer bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte reagieren würden. Sein Name ist nun einmal unweigerlich mit dem Bundesliga-Abstieg des SV Werder Bremen 2021 verbunden – auch wenn Kohfeldt einen Spieltag vor Saisonende entlassen wurde. Doch beim Abschiedsspiel von Claudio Pizarro am Samstag gab es keinerlei Pfiffe, stattdessen freundlichen Applaus von den Rängen, sodass auch der 39-Jährige den Abend als Coach des Teams „Claudios Amigos“ vollends genießen konnte.

„Man darf nicht vergessen, dass ich hier nicht in der allerbesten Situation aufhören musste. Da ist solch ein Empfang keine Selbstverständlichkeit gewesen, ich habe mich über die Begrüßung sehr gefreut“, sagte Kohfeldt hinterher. Erstmals seit seinem Aus als Werder-Trainer war er wieder zurück im Weserstadion, in den vergangenen 16 Monaten hat er eher einen größeren Bogen um die Arena gemacht – obwohl er noch immer mit seiner Familie in Bremen wohnt. „Ich brauchte und wollte für mich etwas Abstand“, gestand Kohfeldt. „Natürlich gehe ich hier nicht unerkannt durchs Stadion, wenn ich komme. Ich wollte einfach, dass da etwas Zeit vergeht.“ Die Pizarro-Party kam nun gerade recht, um die öffentliche Werder-Diät für beendet zu erklären. „Jeder weiß, dass dies mein Herzensverein ist – egal, wo ich nochmal arbeiten werde“, betonte er. „Dementsprechend sollte es jetzt auch wieder etwas normaler sein, wenn ich ab und zu hier auftauche.“

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Zumal die sportlichen Schäden der Vergangenheit vorerst ja beseitigt wurden, aus dem Zweitligisten SV Werder und Ole Werner wieder ein Erstligist geworden ist – wenngleich Kohfeldt dabei zunächst nicht nach feiern zumute war. „Leider konnte ich den Aufstieg an dem Tag nicht so genießen, weil ich da in Wolfsburg freigestellt wurde“, erinnerte er sich. „Dann bin ich von dort nach Hause gefahren und hier auch noch in den Werder-Stau geraten. Da habe ich mir schon gedacht, dass das alles jetzt ein bisschen komisch wird.“ Nach und nach setzte sich dann aber doch die Freude über die Bremer Rückkehr durch. Als Ex-Trainer. Als Fan.

Zuletzt gab es ein paar Gerüchte 

Seit sich der VfL Wolfsburg im vergangenen Mai von Florian Kohfeldt getrennt hat, ist es wieder ruhiger um den Übungsleiter geworden. Zuletzt gab es lediglich ein paar Gerüchte um einen Wechsel zum kriselnden dänischen Meister FC Kopenhagen, denen er nun keinerlei Wahrheitsgehalt bescheinigte. Gedanken um seine berufliche Zukunft macht sich Kohfeldt aber natürlich trotzdem. „Die Wochenenden sind voll mit Fußball. Ich versuche, mich da auf dem Laufenden zu halten und die Bundesliga, aber auch andere Ligen zu schauen“, schilderte er. Auch sämtliche Werder-Partien lässt er sich nicht entgehen.

Doch auch wenn der Ball mal nicht rollt, feilt er an seinem Wissen. „Ich mache jetzt nicht tausend Workshops, aber es gibt schon Themen, mit denen ich mich unter der Woche beschäftige“, erklärte er und verwies auf die Bereiche Analyse und Daten. Eine Abkehr vom Trainerjob sei das aber nicht. „Ich habe es heute wieder gemerkt: In der Kabine zu sein, bei den Jungs zu sein – das kann kein Datensatz der Welt ersetzen“, unterstrich er.

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Bleibt nur die Frage, wo Florian Kohfeldt seine Lieblingsbetätigung ausüben kann. Oder will. Wer in der Bundesliga Werder und Wolfsburg gecoacht hat, verfügt vielleicht auch weiterhin über gewisse Ansprüche. Trotz der beiden Entlassungen. Der 39-Jährige hob jedoch hervor: „Auf welchem Niveau oder wo auch immer – das ist gar nicht mehr so mein Thema. Ich würde einfach gern Trainer sein.“ Aktuell braucht er dafür noch Geduld, was nicht immer ganz so einfach ist. „Es gibt solche und solche Phasen, das muss man ehrlich sagen“, gestand er. „Natürlich hat die jetzige Zeit etwas Positives, weil man mehr Zeit für sich, die Familie und Freunde hat. Andersherum habe ich schon noch das Gefühl, dass ich diesen Job machen will. Es ist aber weitem noch nicht so, dass ich Fingernägel kauend auf der Couch sitze.“ Oder eben im Weserstadion. Jetzt weiß er ja, wie er dort empfangen wird.  

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