Hickel über Finanzhilfen für Fußballklubs

Werders KfW-Darlehen wird den Staat nichts kosten

Bei Staatshilfen für Fußballklubs ist der Aufschrei zumeist groß. Werders KfW-Darlehen allerdings bietet keinen Grund zur Empörung, schreibt Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel in einem Gastbeitrag.
29.07.2020, 11:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Rudolf Hickel
Werders KfW-Darlehen wird den Staat nichts kosten

Rudolf Hickel ist Wirtschaftswissenschaftler und Sportökonom.

Frank Thomas Koch

Kaum war die Infektion der Werder-Kasse durch die Corona-Pandemie erkennbar, hat die Geschäftsführung schnell gehandelt: Die Aufnahme eines durch die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW) geförderten Kredits wurde transparent kommuniziert. Zuletzt gab es deutliche Kritik an diesem staatlich geförderten Überbrückungskredit.

Mein Kollege Wolfgang Männing, Finanzwissenschaftler und Sportökonom, kritisierte diese staatliche Hilfe für einen Profi-Fußballverein. Hier spricht hörbar ein erfolgreicher, aber salärloser Amateursportler, der beim Olympiasieg 1988 in Seoul mit der Ruder-Achtermannschaft die Goldmedaille gewonnen hat.

Seine Kritik an dem staatlich geförderten Überbrückungskredit löst Widerspruch aus. Sicherlich hat er Recht mit seinem Hinweis auf die vor allem durch die TV-Rechte irrational angetriebene Geldvermehrungsmaschine für Spielergehälter, die inzwischen jenseits der Leistung vieler Spieler liegt. Aber dieses Problem war schon lange vor der Corona-Krise bekannt. Jetzt geht es erst einmal darum, den fiskalischen Absturz infolge der Pandemie zu verhindern.

An den Finanzwissenschaftler Männing geht mein Appell, die Rechtfertigung öffentlicher Hilfen gegen die Corona-Folgen auch für einen mittelständischen Profi-Fußballverein nachzuarbeiten. Die Forderung des SV Werder nach einem Überbrückungskredit, zusammen mit mittlerweile 16 weiteren Vereinen, passt jedenfalls in die Logik des gegen die Corona-Folgen gerichteten Maßnahmepaketes im „Stabilitätsprogramm 2020“ mit dem Schwerpunkt „Wirtschaftsstabilisierungsfonds“.

Die Werder-Geschäftsführung orientiert sich dabei zu Recht an den drei Eckpunkten: 1. Die Corona-Krise hat dem SV Werder ohne eigenes Verschulden Erlöseinbußen von 30 Millionen Euro für die Spielsaisons 2019/20 und 2020/21 beschert.

Einnahmeausfälle durch Sponsoren

Allein der Verlust durch die Fernseh-Übertragungsrechte liegt bei zehn Millionen Euro. Übrigens gehen Einnahmeausfälle auch auf Sponsoren zurück, die ebenfalls unverschuldet derzeit Zahlungsprobleme haben. Das ist bitter, denn die erfolgreiche Arbeit des SVW an der finanziellen Stabilität, die 2018/19 den stolzen Umsatz von 151,1 Millionen Euro und einen Gewinn mit 3,5 Millionen Euro einspielte, wurde ohne eigenes Verschulden infiziert.

2. Bei der öffentlichen Unterstützung geht es nicht um einen Zuschuss ohne Rückzahlungspflicht. Im Zentrum steht ein öffentlich gesicherter Kredit für das mittelständische Unter­nehmen am Weserbogen. Der ­beantragte Kredit, der unter dem 30-Millionen-Verlust liegt, wird nach tilgungsfreien Jahren in den nachfolgenden Jahren zurück­bezahlt werden. Der Staat ­übernimmt lediglich 80 Prozent des Kreditrisikos zugunsten der drei Konsortialbanken aus der ­Region. Da der SVW die Finanzkrise ­überstehen wird, kostet das den Staat nichts. Die staatliche Risikoübernahme sowie der angemessene Zinssatz, den Werder bezahlt, ist für die Banken ein gutes Geschäft.

Werder leistet Eigenbeitrag

3. Schließlich leistet der SV Werder auch einen beachtlichen Eigenbeitrag. Dazu gehört die Senkung von Verwaltungs- und Personalkosten sowie der Kadergelder. Was Wolfgang Männing bei seiner Forderung der Kürzung von Spielergehältern übersieht: Die Bereitschaft zur Reduktion der Spielerentlohnung liegt in der individuellen Verantwortung der Betroffenen, nicht bei der Geschäftsführung. Der berechtigte Überbrückungskredit mit staatlicher Förderung muss deshalb kommen. Denn bei Verweigerung könnte dem mittelständischen Unternehmen SV Werder Bremen die Pleite drohen.

Die Kosten der Schließung des Profifußballs an der Weser wären gegenüber der preis­werten Kredithilfe gigantisch. Schließlich gehen die durch 180 Mitarbeiter beim SVW erzeugte Wertschöpfung und der Imagevorteil für den Stadtstaat weit über den Verein hinaus. Um dann endlich die zerstörerisch wirkende Profitmaschine des Gesamtsystems Profifußball national wie international auszubremsen, muss in jedem Fall erst einmal die Existenz der betroffenen Vereine gerettet ­werden.

Zur Person

Rudolf Hickel (78) ist Wirtschaftswissenschaftler und Sportökonom. Er war Hochschullehrer für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen und langjähriger Direktor des dortigen Instituts für Arbeit und Wirtschaft.

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