So plant Werder die Rückkehr von Zuschauern Fiebermessen statt Corona-Massentests

Schon beim Saisonstart hofft Werder Bremen auf 15.000 Zuschauer im Weserstadion. Dafür müssen noch viele Probleme gelöst werden, erklärt Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Auch die Infektionslage ist wichtig.
25.07.2020, 11:43
Lesedauer: 4 Min
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Fiebermessen statt Corona-Massentests
Von Jean-Julien Beer

Das werden die Fans von Werder Bremen gerne hören: Der Verein arbeitet intensiv an Lösungen, schon zum Saisonstart ab dem 18. September wieder vor zahlreichen Zuschauern spielen zu können. Das bestätigte Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald auf Anfrage des WESER-KURIER. „Unser Ziel ist es, zum Saisonstart vor Zuschauern im Wohninvest-Weserstadion spielen zu können. Eine Zahl um die 15.000 Zuschauer halten wir dabei für möglich, dies muss aber eng mit den zuständigen Ämtern und Behörden abgestimmt werden.“

Nach mehreren Monaten mit den so genannten Geisterspielen ohne Zuschauer sehnt Werder nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen ein Ende dieses Zustandes herbei. „Wir alle wollen unsere Fans wieder in den Stadien haben, wir brauchen unsere Fans“, betont Hess-Grunewald, „Spiele ohne Zuschauer sind nichts, worauf man sich freut. Aber wie die Umsetzung im Detail aussehen wird, muss sehr gut vorbereitet sein und dafür werden wir uns die nötige Zeit nehmen.“

Arbeitsgruppe geht alle Fragen an

In der Politik werden die Bemühungen des Fußballs auf dem Weg zurück zu ein wenig Normalität im Zuge der Corona-Krise wohlwollend aufgenommen. „Die Frage, wie Fußballspiele stattfinden mit Zuschauern, ist ein wichtiges Signal auch für alle anderen Großveranstaltungen. Da müssen die Regeln passen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in dieser Woche. Die beiden großen Verbände DFB und DFL hatten zuletzt einen Leitfaden für die Rückkehr von Zuschauern vorgelegt. Dieser soll nicht nur bei der Erarbeitung standort-individueller Konzepte helfen, sondern auch das Vorgehen in der 3. Liga, im DFB-Pokal, bei der Nationalmannschaft und in der Frauen-Bundesliga regeln. Diese Konzepte seien überzeugend, befand Spahn. Der Minister legt jedoch größten Wert darauf, dass die einzelnen Vereine eigenständige Hygienekonzepte vorlegen, die von den örtlichen Gesundheitsämtern abgenommen werden müssen. Dabei gehe es auch um die Nachvollziehbarkeit, wer auf welchem Platz gesessen habe, bei einem Mindestabstand von 1,50 Metern.

Auch bei Werder arbeiten sie nun in Abstimmung mit den Behörden an der konkreten Umsetzung. „Wir haben zu diesem Thema eine interne Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Abteilungen Infrastruktur, Sicherheit, Ticketing sowie Mitarbeitern der Weserstadion-GmbH gegründet, die im engen Austausch mit dem Bremer Gesundheits- und Ordnungsamt steht“, erklärt Hess-Grunewald. Der Präsident spricht von einer „sehr komplexen Aufgabe“, bei der sehr viele Aspekte berücksichtigt werden müssen. Für Hess-Grunewald und seine Mitstreiter stellen sich viele Fragen, wie er aufzählt: „Können die Abstandsregeln immer eingehalten werden, zum Beispiel beim Einlass oder auch in der Halbzeitpause im Sanitärbereich? Wie verläuft die An- und Abreise – gerade auch im öffentlichen Nahverkehr? Wie können wir eine Nachverfolgung sicherstellen? Wie können wir die Hygienevorschriften umsetzen – gerade auch mit Hinblick auf das Catering? Das sind alles Fragen, auf die wir hoffen, in den kommenden Wochen Antworten zu haben.“

Fiebermessen ist gelernt

In einem wichtigen Punkt gehen die Bremer Ansichten derzeit in eine andere Richtung als bei den großen Verbänden, nämlich bei der Frage nach den massenhaften Corona-Präventivtests, die DFB-Präsident Fritz Keller zuletzt als Lösung für die Rückkehr von Zuschauern in die Fußball-Stadien vorgeschlagen hatte. Der DFB liebäugelt damit, solche Tests für die Zuschauer schon beim Länderspiel gegen Spanien Anfang September in Stuttgart durchzuführen. Mögliche Kritik an einer Sonderrolle des Fußballs wies Keller zurück: „Die Präventivtests kommen nicht dem Fußball zugute, sondern allen.“

Seine Rechnung geht so: Mit der Infrastruktur seiner 25 000 Vereine könne der DFB der Gesellschaft helfen. „Wenn von 7,1 Millionen Mitgliedern im Idealfall jedes fünf bis zehn Menschen aus seinem Verein zum Testen bewegt, kann man sich ausrechnen, wie viel wir erreichen könnten“, sagte Keller. Schon am Morgen nach dem Test könne man das Ergebnis auf dem Handy haben. Bei einem negativen Testresultat sei Keller zufolge ein Stadionbesuch unbedenklich.

Auch Werder hat sich mit dieser Idee natürlich bereits beschäftigt, im Verein ist man von solchen Massentests aber noch nicht überzeugt. „Der Möglichkeit, jeden Zuschauer 24 Stunden vor dem Spiel einem Coronatest zu unterziehen, stehen wir eher skeptisch gegenüber“, sagt Hess-Grunewald, „der Aufwand wäre enorm, dazu müssten die Test alle noch rechtzeitig ausgewertet und die Besucher gegebenenfalls noch informiert werden.“ Stand heute tendiert man in Bremen zu einer anderen Variante. „Dass vor dem Eintritt ins Stadion Fieber gemessen wird, halten wir für umsetzbar“, meint Werders Präsident, „dieses Vorgehen ist in den vergangenen Monaten im Hygienekonzept der DFL umgesetzt worden und somit gelernt.“ Unter anderem hatten alle Journalisten, Vereinsverantwortliche und der Mitarbeiterstab rund um die Mannschaft die Stadien bei den Geisterspielen nur nach vorheriger Fiebermessung betreten dürfen.

Ein volles Stadion ist nicht absehbar

Auch welche Fans letztlich Zugang zum Stadion bekämen, wird an jedem Bundesligastandort anders entschieden. Bei Werder hat man sich dazu entschlossen, die zur Verfügung stehenden Plätze unter den Dauerkarten-Inhabern zu verlosen. Ob die Zahl von 15 000 Zuschauern für den Saisonbeginn realistisch ist oder sich noch in die eine oder andere Richtung verändert, lässt sich im Moment nicht sagen. „Dazu müssen wir auch die weitere Entwicklung der Infektionslage abwarten. Sollte sie weiterhin positiv verlaufen, halten wir es auch für denkbar, die Zahl eventuell Schritt für Schritt erhöhen zu können“, erklärt Hess-Grunewald.

Die Hoffnung auf eine vollständige Rückkehr zur Normalität trägt auch Werders Präsident in sich, doch bis dahin könnte es noch ein längerer Weg werden. „Wann wieder in einem vollen Wohninvest-Weserstadion gespielt werden kann“, sagt Hess-Grunewald, „das lässt sich aktuell nicht seriös beantworten.“

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