Felix Wiedwald im Interview

„Meine schönste Zeit war bei Werder“

Felix Wiedwald spielt seit dieser Saison wieder bei Eintracht Frankfurt. Im Interview spricht er über die zweiwöchige Quarantäne, seinen Jugendverein und ein mögliches drittes Engagement bei Werder Bremen.
07.05.2020, 16:23
Lesedauer: 7 Min
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„Meine schönste Zeit war bei Werder“
Von Maurice Reding
„Meine schönste Zeit war bei Werder“

Bei Werder Bremen durchlief Felix Wiedwald alle Jugendmannschaften und avancierte zum Stammtorhüter. Damit erfüllte sich für den Torhüter ein Traum.

nordphoto / Fabisch

Herr Wiedwald, seit Kurzem dürfen Sie wieder in Kleingruppen trainieren. Wie froh sind Sie, wieder auf dem Trainingsplatz stehen zu können?

Felix Wiedwald: Sehr froh. Wir trainieren seit zwei Wochen in Kleingruppen. Langsam könnte aber wieder das richtige Training losgehen. Ich glaube, so viel Torschusstraining wie in den letzten Wochen habe ich gefühlt in zwei Jahren nicht gemacht. Aber trotzdem macht es Spaß, wieder auf dem Trainingsplatz zu stehen.

Sie waren im März – wie die restliche Mannschaft – wegen vier Corona-Fällen innerhalb des Vereins zwei Wochen in Quarantäne. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Als bei uns der erste positive Fall kam, wurden wir alle informiert und getestet. Von dem Tag an mussten wir dann alle zwei Wochen zu Hause bleiben. Die Nachbarn haben für uns eingekauft, Essen haben wir nach Hause bekommen. Es wurde uns somit vieles abgenommen. Zum Glück hatten wir gutes Wetter. Dadurch, dass wir einen Garten haben, haben wir die Zeit ganz gut rumbekommen. Ich habe mir dann auch Aufgaben in den eigenen vier Wänden gesucht. Mal habe ich gehandwerkelt, mal haben wir uns Sachen bestellt, die wir sowieso gebraucht hätten. Die haben wir dann alle aufgebaut. Meine Tochter hat zum Beispiel ein neues Zimmer mit einem Bett bekommen, das ich aufgebaut habe. Außerdem habe ich diverse Sachen ausgemistet.

Wie sieht der Alltag eines Profifußballers in Corona-Zeiten aus?

Morgens haben wir Training in verschiedenen Kleingruppen. Zuvor gibt es einen kleinen Check mit Fiebermessen und Symptomabfragen. Das ist zurzeit alles ein bisschen außergewöhnlich. Nach dem Training sollen wir schnellstmöglich wieder nach Hause fahren. Viel Austausch findet vor Ort also nicht statt. Für meine Tochter ist die Situation am schwierigsten. Sie kann nicht in den Kindergarten und nicht mit anderen Kindern spielen. Wir haben derzeit also keine sozialen Kontakte. Die Familie haben wir auch schon länger nicht mehr gesehen. Zudem ist meine Frau schwanger, im Juni bekommen wir unser zweites Kind. Das hatten wir uns auch anders vorgestellt, aber man kann es nicht ändern.

In diesem Monat soll die Bundesliga in Form von Geisterspielen fortgesetzt werden. Kritiker werfen dem Profifußball vor, er würde eine Sonderrolle einnehmen. Was entgegnen Sie diesen?

Wir üben auch einen Beruf aus und sind Berufssportler. Andere Arbeitnehmer gehen auch wieder zur Arbeit und führen ihren Beruf aus. Natürlich würden wir gerne mit Zuschauern spielen…

…was aber nicht zur Eindämmung des Virus beitragen würde.

Das stimmt, aber manche Vereine sind darauf angewiesen, dass bald wieder gespielt wird. Es ist für alle eine schwierige Situation.

Was halten Sie persönlich von Geisterspielen?

Ich war in unserem Stadion, als wir gegen Basel (Achtelfinalhinspiel der Europa League am 12. März, Anm. d. Red.) gespielt haben. In der vergangenen Saison haben wir in der Gruppenphase bei Olympique Marseille auch ohne Zuschauer gespielt. Man hört einfach jeden Ton auf dem Platz. Es hat einen Testspielcharakter. Wenn das bis zum Saisonende sein muss, müssen alle Mannschaften damit klarkommen und das Beste daraus machen. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Die Saison lief für Eintracht Frankfurt in den Wettbewerben bisher unterschiedlich erfolgreich. Im Moment steht in der Bundesliga Platz zwölf zu Buche. Im DFB-Pokal stehen Sie im Halbfinale, in der Europa League droht hingegen nach der 0:3-Hinspielpleite im Achtelfinale das Aus. Was ist in den Wettbewerben noch drin für die Eintracht, sollte die Saison fortgesetzt werden?

Im DFB-Pokal-Halbfinale haben wir mit Bayern München jetzt nicht das leichteste Los gezogen. Wir haben aber schon bewiesen, dass wir die Bayern schlagen können. Sicherlich hat Bayern noch eine Rechnung mit uns offen. Es ist immer schwierig zu sagen, weil es ein Spiel ist. Aber wir werden alles reinschmeißen und schauen, was möglich ist. In der Europa League haben wir uns nicht so eine gute Ausgangsposition geschaffen. Aber auch da müssen wir in das Rückspiel alles reinwerfen. In der letzten Saison haben wir in der Europa League auch noch Spiele gedreht. Warum sollte es also nicht möglich sein, auch auswärts mit 3:0 oder 4:1 zu gewinnen? In der Bundesliga haben wir noch schwierige Aufgaben vor uns. Die momentane Situation ist aber für alle gleich. Alle arbeiten gerade so, als wenn man in der Vorbereitung wäre und werden mit einem guten Fitnesszustand aus der Pause kommen. Wir konnten uns auch erholen, unsere Verletzten kommen wieder alle zurück. Ich denke, dass wir gestärkt wieder angreifen können. Am Ende sieht man dann, was möglich ist.

Sie selbst kamen lediglich zu jeweils drei Einsätzen in der Bundesliga und in der Europa-League-Qualifikation. Hatten Sie sich nach dem Ende ihrer Leihe nach Duisburg mehr Spielzeit erhofft?

Ich war erst mal froh, dass ich überhaupt zum Einsatz gekommen bin. Das hätte ich gar nicht erwartet. In der Sommervorbereitung habe ich die entscheidenden Qualifikationsspiele gemacht, der Verein hat mir da vertraut. Die komplette Hinrunde saß ich auf der Bank. Ich trainiere immer so, als wenn ich spielen würde. Ich bin topfit und habe zum Glück in meiner Karriere bisher wenig Verletzungen gehabt, sodass der Verein immer auf mich zählen kann. Ich möchte immer spielen und angreifen, das ist mein persönlicher Anspruch. Es hat mich dann umso mehr gefreut, dass ich mich diese Saison noch mal zeigen konnte.

In Duisburg haben Sie regelmäßig gespielt. War ein Verbleib keine Option?

Leider sind wir in die 3. Liga abgestiegen. Ich wollte höherklassig weiterspielen und habe mich dann entschieden, wieder zurück nach Frankfurt zu gehen.

Ihr Vertrag bei Eintracht Frankfurt läuft noch bis 2021. Wurde schon über eine Vertragsverlängerung gesprochen?

Ich glaube, dass viele Vereine in der derzeitigen Situation nicht wissen, welche Transfers getätigt werden können. Da mein Vertrag noch ein Jahr läuft, haben wir noch keine Gespräche geführt.

Wollen Sie denn Ihren Vertrag erfüllen oder noch mal etwas Neues probieren?

Ich fühle mich wohl hier. Ich bin zum zweiten Mal hierhergekommen, weil ich das Umfeld schon gut kenne. Meine Frau fühlt sich hier auch wohl. Ich habe jetzt keine Gedanken, im Sommer schon wieder zu wechseln. Man kann im Fußball zwar nie hundertprozentige Zusagen geben, weil er sehr schnelllebig ist, aber tendenziell fühlen wir uns eben sehr wohl hier.

Sie haben in Deutschland bei Werder Bremen, MSV Duisburg, Eintracht Frankfurt und in England bei Leeds United gespielt. Wo sind in den beiden Ländern im spielerischen Bereich die größten Unterschiede?

In England ist es viel kampfbetonter, du hast in der zweiten Liga viel mehr Spiele. Allein in der Liga sind es 46 Spiele, dazu zwei Pokalwettbewerbe. Es wird sehr viel auf Krafttraining gesetzt, damit man robust ist und viele Partien spielen kann. Es waren nicht viele Mannschaften, die spielerische Ansätze gezeigt haben. Trotzdem hat es mir sehr gefallen. Engländer sind ja bekanntlich fußballverrückt. Leeds United ist ein großer Klub. Das Stadion war selbst in der zweiten Liga bei fast jedem Heimspiel ausverkauft. Deswegen hatte ich auch den Schritt dahin gewagt. Ich wusste schon, was auf mich zukommt, weil ich mich gut informiert hatte. Ich hatte dort eine schöne Zeit.

Wie unterscheiden sich die beiden Länder vom Lebensstil her?

Ich persönlich fand, dass die Leute in England freundlicher waren. Es wurde wenig gedrängelt, beispielsweise auf der Autobahn. Die Engländer sind auch viel gelassener als die Deutschen. Dort herrschte wenig Unruhe und Ungeduld. Das hat mich positiv überrascht. Deshalb habe ich das ein Stück weit auch hierhin mitgenommen.

Welche Station Ihrer bisherigen Karriere würden Sie als Ihre beste bezeichnen?

Ich würde schon sagen, dass bei Werder Bremen meine beste und schönste Zeit war.

Warum?

Es war immer mein Traum, für Werder Bremen zu spielen. Der ist dann auch in Erfüllung gegangen. Ich habe viele gute Spiele gemacht. Sicherlich waren da auch einige nicht so gute dabei. Es war eine schöne Zeit. Meine ganze Familie und Freunde sind Werder-Fans. Ich habe früher auch selbst in der Kurve gestanden. Mir diesen Traum zu erfüllen, war immer mein Wunsch und es ist schön, dass dieser in Erfüllung gegangen ist.

Sie kommen gebürtig aus Thedinghausen und sind in Achim aufgewachsen. Sie haben aber mal gesagt, dass Bremen Ihre Heimat ist, weil dort Ihre Familie und Freunde leben. Wie oft statten sie diesen noch einen Besuch ab?

Meine Mutter wohnt mittlerweile in Bremen, die Familie meiner Frau in Verden. Wir versuchen sie meistens in der Länderspielpause zu besuchen, weil wir in Verden auch eine Wohnung haben. In letzter Zeit hat das wegen des Virus leider nicht mehr so gut geklappt. Aber sonst versuchen wir, wenn wir frei haben, die viereinhalb Stunden nach oben zu fahren und Familie und Freunde zu besuchen.

Sie haben in der Jugend für den TSV Achim gespielt. Besteht noch Kontakt zu Ihrem ehemaligen Jugendverein?

Da ist leider gar kein Kontakt mehr. Damals habe ich auch noch als Stürmer gespielt (lacht). In der E-Jugend bin ich dann schon zu Werder gewechselt und war deshalb nur zwei Jahre in Achim.

Könnten Sie sich vorstellen, nach der Karriere wieder in Ihre Heimat zu gehen?

Das ist sowieso der Plan von meiner Frau und mir. Dort ist unsere Heimat, dort leben unsere Freunde. Es ist eigentlich schon sicher, dass wir nach der Karriere wieder in den Norden zurückziehen.

Könnten Sie sich auch noch mal eine Rückkehr zu Werder Bremen vorstellen?

Auf jeden Fall. Man sagt ja "Dreimal ist Bremer Recht“. Ich wäre nicht abgeneigt, wenn ich irgendwann noch mal zurückkehren könnte.

Info

Zur Person

Felix Wiedwald (30)

kommt gebürtig aus Thedinghausen und ist in Achim aufgewachsen. Beim TSV Achim spielte er zwei Jahre lang in der Jugend und wechselte dann zu Werder Bremen. Dort durchlief er die Jugendmannschaften und kam in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Nach jeweils zwei Jahren beim MSV Duisburg und Eintracht Frankfurt kehrte er 2015 zurück nach Bremen. Dort avancierte er zum Stammtorhüter des Bundesliga-Teams. Nach Stationen bei Leeds United, Eintracht Frankfurt und MSV Duisburg spielt Wiedwald seit dieser Saison wieder bei der Frankfurter Eintracht.

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