Flaute vor dem Finale

Werders Stürmer und das Kopfproblem

Im Abstiegskampf braucht Werder Bremen dringen Tore, doch im Sturm herrschte zuletzt Flaute. Florian Kohfeldt will seinen Angreifern jetzt wieder mehr Selbstvertrauen geben.
10.05.2021, 11:31
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Von Daniel Cottäus
Werders Stürmer und das Kopfproblem

Josh Sargent wartet seit dem 10. März auf ein Erfolgserlebnis, aber auch bei den anderen Angreifern von Werder Bremen herrschte zuletzt Flaute.

Carmen Jaspersen / dpa

Es ist ja nicht so, dass sie es nicht versucht hätten. Die Statistik bescheinigt Werder Bremen für das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen immerhin zwölf Torschüsse, was ein einigermaßen ordentlicher Wert ist. Zumal er auch im Vergleich mit dem Gegner und dessen 14 Versuchen nicht dramatisch abfällt. Das Problem ist nur: Was quantitativ bei Werder einigermaßen gepasst hat, war qualitativ einmal mehr mangelhaft. Im sich immer mehr zuspitzenden Abstiegskampf präsentiert sich der Bremer Angriff seit Wochen harm- und zahnlos. Zwei Spiele vor dem Saisonende wäre es nicht der schlechteste Zeitpunkt, daran etwas zu ändern. In den Augen von Trainer Florian Kohfeldt bleibt dafür inzwischen aber nur noch ein Mittel: Willenskraft.

„Man muss es ein Stück weit erzwingen“, sagte der Coach und nahm allen Beobachtern und Fans die vielleicht noch vage vorhandene Hoffnung, dass die Sache mit dem Toreschießen im Saisonendspurt systematisch besser wird. „Wir werden in den nächsten Wochen nicht mehr besser schießen oder besser aufeinander abgestimmt sein“, sagte Kohfeldt, der im Training vor allem daran arbeiten will, die Köpfe seiner Angreifer frei zu bekommen: „Wir versuchen, den Stürmern viel Selbstvertrauen zu geben, das geht über viele Abschlüsse in den Einheiten.“ Am Ende müssten es die Spieler auf dem Platz aber selbst richten. „Und da ist der Kopf das Allerwichtigste. Wir müssen jetzt gar nicht mehr so viel taktisch und fußballerisch erklären. Es geht darum, dass die Spieler bereit sind, daran zu glauben, dass sie die nächste Chance nutzen.“

Hört sich, theoretisch, gar nicht so schwierig an, aber wer sich folgende Zahlen zu Gemüte führt, wird schnell erkennen, dass es praktisch alles andere als leicht ist: 541, 336 und 307. Das sind die Einsatzminuten, seit denen die zuletzt gesetzten Werder-Stürmer Josh Sargent, Davie Selke und Niclas Füllkrug auf ihren nächsten Treffer warten. Für Selbstvertrauen sorgen solche Werte sicher nicht. Seinen Offensivkräften den Glauben an die eigene Stärke wieder einzuimpfen, dürfte also verhältnismäßig viel Arbeit für Kohfeldt werden.

Der 38-Jährige setzt und hofft auch deshalb auf die vermeintlich einfachen Tore nach Standardsituationen, die bisher zwar auch nicht unbedingt Bremer Spezialität waren, spielerische Schwächen aber dennoch kaschieren könnten. „Offensiv ist das ein klarer Trainingsschwerpunkt bei uns. Wir trainieren das die Woche über immer und immer wieder, um auch das zu erzwingen“, beteuerte der Coach, der seine Standard-Schützen Ludwig Augustinsson und Leonardo Bittencourt lobend erwähnte. Was andersrum aber auch heißt, dass das Problem in der Mitte liegt. Und da stehen nun mal unter anderem die Stürmer, die derzeit, ganz gleich ob bei ruhenden Bällen oder aus dem Spiel heraus, zu oft die falsche Entscheidung treffen.

Nach dem 0:0 gegen Leverkusen sagte Kohfeldt: „Es war ja auch heute nicht so, dass wir nicht in die entsprechenden Situationen kommen. Da kann man dann auch mal ein Tor schießen.“

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