Werder Bremen Fragezeichen im Werder-Sturm

Bremen. Bei Werders 2:2 gegen Athletic Bilbao trafen ein Verteidiger und ein Mittelfeldmann – nur Zufall? Werders Kapitän Clemens Fritz jedenfalls würde sich freuen, wenn sein Klub noch einen Stürmer holte.
30.07.2014, 19:00
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Fragezeichen im Werder-Sturm
Von Andreas Lesch

Bei Werders 2:2 gegen Athletic Bilbao trafen ein Verteidiger und ein Mittelfeldmann – nur Zufall? Werders Kapitän Clemens Fritz jedenfalls würde sich freuen, wenn sein Klub noch einen Stürmer holte.

Die Aufregung, betont Thomas Eichin, die sei nur da draußen. In den Medien. Drinnen, bei Werder Bremen, blieben alle sehr entspannt. „Wir versuchen, dem ganzen wilden Hype ein bisschen entgegenzuwirken und kühlen Kopf zu bewahren“, sagt der Geschäftsführer. Der Hype wird gerade natürlich nicht besser, denn er ist entstanden durch Davie Selkes Tore bei der U19-Europameisterschaft – und dieser Selke ist mit der deutschen Mannschaft mittlerweile bis ins Finale vorgedrungen. Am heutigen Donnerstag will er gegen Portugal den Titel gewinnen. Eichin erzählt, er habe jüngst mit Selke telefoniert, und der könne die Schlagzeilen, für die er sorgt, ebensogut einordnen wie sein Klub.

Aber natürlich sind sie da, die Hymnen auf Selke, und wenn man sie alle nebeneinander legt, dann kann man den Eindruck gewinnen, Werders Stürmer rette gerade das ganze Land. Er sei die ersehnte Garantie dafür, dass es im deutschen Fußball auch nach Miroslav Klose noch treffsichere, titelreife Angreifer gibt. Der Selke-Hype täuscht ein bisschen darüber hinweg, dass in Wahrheit ausgerechnet sein Arbeitgeber ein Angriffsproblem hat. Werder beschäftigt relativ viele Stürmer, hat aber in der vergangenen Saison relativ wenige Stürmertore erzielt. Nils Petersen (7 Treffer) ist noch der erfolgreichste von ihnen gewesen, dann folgten Franco Di Santo (4) und Eljero Elia (4). Martin Kobylanski, Melvyn Lorenzen und Selke blieben ohne Tor, wobei man fairerweise anfügen muss, dass sie in der Bundesliga auch nur punktuell zum Einsatz kamen. Insgesamt 42 Saisontore sind ebenfalls ein mauer Wert.

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Es wundert also nicht, dass Trainer Robin Dutt sich noch eine Verstärkung für den Sturm wünscht. Zwar betonte er am Ende des Trainingslagers im Zillertal, „dass wir als Mannschaft momentan sehr gut funktionieren“. Doch der vorderste Teil dieser Mannschaft hält da nicht so ganz mit. Beim 2:2 im ersten ernsthaften Test dieses Sommers gegen Athletic Bilbao erzielten der Verteidiger Sebastian Prödl und der Mittelfeldmann Fin Bartels die Treffer – nur Zufall? Werders Kapitän Clemens Fritz jedenfalls würde sich freuen, wenn sein Klub für den Sturm noch jemanden holte: „Wenn wir Verstärkung bekommen können – immer her damit! Herzlich willkommen!“ So gut die Bremer mittlerweile auch als Team harmonieren mögen: Sie werden einen brauchen, der vorn die Dinge zuverlässig zu Ende bringt. Im aktuellen Kader jedoch ist noch niemand zu entdecken, der regelmäßigen Torjubel verspricht. Jeder Bremer Angreifer schleppt sein ganz persönliches Fragezeichen mit in die Saison.

Elia ist im Trainingslager eher durch seine Haare (erst blond gefärbt, dann abrasiert) aufgefallen als durch Drang in den Strafraum. Viele seiner Aktionen enden immer noch auf merkwürdige Weise im Nichts. Wird er irgendwann das Potenzial, das er andeutet, dauerhaft ausspielen?

Petersen berichtet, er habe erst jetzt, nach einem Jahr unter Dutt, begriffen, was der Trainer von ihm verlangt. Er weiß nun, welche Meter er machen muss. „Vorher habe ich mich selber immer mehr als Strafraumstürmer gesehen, der von außen bedient werden muss“, sagt Petersen. „Aber im Fußball von heute ist das nicht mehr gefragt, dass man im Strafraum wartet – gerade in unserem System, das schon ein bisschen auf Konter und sichere Spielweise ausgelegt ist.“ Die vorige Saison hat Petersen als Ersatzspieler beendet. Ob er nun wieder in die Stammformation findet und seine neuen Erkenntnisse einbringen kann?

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Die Talente Selke und Kobylanski müssen ohnehin erst beweisen, ob sie reif sind für die erste Liga. Speziell Kobylanski ist ein Kandidat für ein Leihgeschäft – wenn absehbar ist, dass er sich bei Werders Profis nicht durchsetzen kann. „Aber so weit sind wir noch nicht“, sagt Geschäftsführer Eichin. Er wartet nun ab, wie seine Angreifer sich entwickeln. Erst einmal, so Eichin, sehe er für den Kauf eines zusätzlichen Stürmers „keinen Handlungsspielraum und keinen Handlungsbedarf“. Dieser Transfer könnte ohnehin knifflig werden. Einerseits müsste der Neue so gut sein, dass er Werder schnell und spürbar weiterhilft. Andererseits dürfte er das Gehaltsgefüge nicht sprengen – und den gelobten Zusammenhalt ins Wanken bringen.

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