Die MEIN-WERDER-Spielerbilanz Friedl, der Unaufgeregte

Die MEIN-WERDER-Redaktion checkt die Leistungen der Werder-Profis in der abgelaufenen Saison. In alphabetischer Reihenfolge werden die Zeugnisse verteilt – diesmal ist Marco Friedl dran.
27.05.2018, 20:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Bähr und Stefan Rommel

Die Idee hatte Heiko Herrlich. Als der heutige Trainer von Bayer Leverkusen noch die U17 des FC Bayern betreute, stand ein talentierter Stürmer namens Marco Friedl im Kader. Herrlich kam zu dem Schluss, dass Friedl als Linksverteidiger deutlich besser aufgehoben wäre. Also spielte der Österreicher fortan weiter hinten – und ist Herrlich dafür heute noch dankbar. „Als Stürmer hätte ich es nicht in die Bundesliga geschafft“, sagt der 20-Jährige.

Als Linksverteidiger dagegen durfte Friedl sein Bundesliga-Debüt für die Bayern feiern: am 25. November 2017 gegen Borussia Mönchengladbach. Auch in der Champions League spielte er einmal, gegen den RSC Anderlecht. Die Chance auf weitere Einsätze war allerdings gering, auf der linken Seite ist beim Rekordmeister nun einmal Friedls guter Kumpel David Alaba gesetzt. Also sollte der österreichische U21-Nationalspieler woanders Spielpraxis sammeln, das war Werders Chance.

Für anderthalb Jahre liehen die Bremer Friedl in der Winterpause aus. Er sollte eine zusätzliche Alternative als Linksverteidiger und linker Innenverteidiger sein. „Marco ist ein Spieler, dem wir kurzfristig die Bundesliga zutrauen“, sagte Trainer Florian Kohfeldt – und behielt damit Recht. Anfang März in Mönchengladbach gab Friedl sein Werder-Debüt. Beim 2:2-Unentschieden bot der Youngster eine bemerkenswert abgeklärte Leistung. Ihn brachte nicht einmal aus der Ruhe, dass er nach der Pause in ungewohnter Rolle als Rechtsverteidiger ran musste.

In den folgenden neun Spielen kam Friedl dann acht Mal zum Einsatz. Als Ludwig Augustinsson ausfiel, vertrat die Bayern-Leihgabe den Stamm-Linksverteidiger zuverlässig. Friedl wechselte schon als Zehnjähriger aus Tirol zum FC Bayern. Er ist ein ruhiger und bodenständiger Typ, doch dieses besondere Selbstbewusstsein eines Bayern-Spielers ist auch bei Friedl manchmal spürbar. Für die neue Saison hat er sich etwa einen Stammplatz zum Ziel gesetzt, am liebsten auf der linken Seite, wo er sich am wohlsten fühlt. Kohfeldt allerdings könnte andere Pläne haben. „Marco hat gegen Mainz zum ersten Mal auf seiner eigentlichen Position gespielt, und ich fand, dass er ein sehr ordentliches Spiel gemacht hat“, sagte der Trainer kürzlich. Am letzten Spieltag in Mainz kam Friedl als linker Innenverteidiger zum Einsatz.

Friedls Saison in Zahlen

597

Als Marco Friedl in der Winterpause aus München kam, galt er als Ergänzungsspieler, der behutsam aufgebaut werden sollte. Dann dauerte es aber gar nicht lange und Friedl fand sich erst im Kader und dann auch auf dem Platz wieder. Sehr ordentliche neun Mal durfte Friedl in der Bundesliga für Werder ran und kam dabei auf 597 Minuten Einsatzzeit. Gerade in der Schlussphase der Saison schaffte es Friedl sogar oft in die Startelf und spielte die kompletten 90 Minuten durch. Dabei bekleidete er verschiedene Positionen: die des linken Außenverteidigers, die des linken Innenverteidigers oder die des linken Flügelspielers.

5

Trotz fast zehn Stunden reiner Spielzeit im Werder-Trikot und gemäß seiner Anforderungsprofile auf den verschiedenen Defensivpositionen hat sich Friedl in den Zweikämpfen ziemlich geschickt angestellt. Die 43,5 Prozent gewonnener Duelle am Boden sind zwar noch ausbaufähig, in der Luft war Friedl aber bärenstark: 68,2 Prozent seiner Luftzweikämpfe entschied der Österreicher für sich. Und: Ob am Boden oder in der Luft, Friedl beging bei insgesamt 130 Zweikämpfen lediglich fünf Fouls.

6

Im Schlussspurt der Saison wurde Friedl immer mutiger in seinen Aktionen am Ball. Der 20-Jährige traute sich sehr energisch ins Mittelfeld anzudribbeln, wenn er als Innenverteidiger aufgestellt war. Oder aber er wagte einige schöne Vorstöße über seine linke Seite, um dann ins Zentrum zu flanken. So kam er auf immerhin neun Flanken. Noch erstaunlicher waren aber Friedls sechs Torschüsse. Dieser Wert war für einen Bundesliga-Neuling mit seinen Kernkompetenzen überdurchschnittlich hoch.

1

Spaß-Fakt am Rande: Friedl ist der einzige (aktuelle) deutsche Meister im Bremer Kader. Weil er in der Hinrunde einmal für die Bayern spielte, darf sich Friedl mit diesem Titel schmücken. Zwar kam er nur 45 Minuten für den Rekordmeister zum Einsatz und die Bayern verloren die Partie in Gladbach überdies auch noch mit 1:2, aber Regelung ist nun einmal Regelung. Als Werder übrigens im zweiten Spiel der Rückrunde Ende Januar in München antrat, stand Friedl noch bei den Bayern unter Vertrag. Und: Das erste Spiel für Bremen absolvierte Friedl später auch in Mönchengladbach.

Marco Friedl über…

… die Reaktionen auf sein Werder-Debüt: „Ich habe schon einige Glückwunsch-Nachrichten bekommen. Auch aus München von David Alaba.“

… seine Schienbeinschoner, auf denen er im Bayern-Trikot abgebildet ist: „Sollten die nächsten Scheinbeinschoner kommen, wird sicher auch Bremen drauf sein.“

Florian Kohfeldt über…

… Friedls erstes Spiel für Werder: „Er hat das sensationell gemacht.“

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