Werder Bremen Fritz: "Die Fans haben gelitten"

Norderney . Clemens Fritz gehört zu den erfahrensten Spielern bei Werder Bremen. Außerdem ist er Mannschaftskapitän. Ein Grund mehr für die Journalisten auf Norderney, zu denen auch Oliver Matiszick gehört, sich mit Fritz den vollzogenen Umbruch bei
13.07.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste

Norderney . Mit seinem Geburtsjahrgang 1980 hat Clemens Fritz inzwischen beinahe ein Alleinstellungsmerkmal im Werder-Kader – denn mit Ausnahme von Ersatztorhüter Christian Vander ist er in der deutlich verjüngten Mannschaft damit der älteste und erfahrenste Spieler. Doch Fritz ist nicht nur Stammspieler, sondern auch der Mannschaftskapitän. Ein Grund mehr für die Journalistenrunde auf Norderney, zu der auch Oliver Matiszick gehörte, sich mit Fritz über den vollzogenen Umbruch bei Werder und die damit verbundenen Herausforderungen zu unterhalten.

Für das Wetter während dieses ersten Trainingslagers auf Norderney scheint dasselbe zu gelten wie für die neue Werder-Mannschaft: es ist die reinste Wundertüte.

Clemens Fritz: Schwierig zu sagen, ob das tatsächlich so ist. Weil wir ja erst ein paar Tage beieinander sind – außerdem ist Elia erst diese Woche dazugekommen, dann noch Theo (Gebre Selassie; d. Red). Was für mich wichtig ist: Zu sehen, dass wir eine junge Mannschaft haben und jeder Einzelne mitzieht. Auch die Neuzugänge machen alle einen sehr offenen und positiven Eindruck auf mich. Gerade wenn man sich in einem solchen Umbruch befindet, ist es wichtig, dass die Neuen integriert werden – damit sie am schnellsten an ihre optimale Leistung herankommen.

Aber es gibt doch sicher ein grundsätzliches Gefühl, das einem sagt, wo man als Mannschaft steht.

Ich bin grundsätzlich positiv gestimmt. Weil die Stimmung in der Mannschaft gut ist, das Engagement stimmt. Man merkt: Jeder will Erfolg haben. Die vergangene Saison ist uns doch Warnung genug. Wir haben zwar auch unter der Verletztensituation gelitten, aber gerade in der Rückrunde, als es auch um die Vertragsangelegenheiten ging, hat sich der eine oder andere vielleicht auch zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt. Das heißt: Jeder Einzelne muss den Fokus auf das Wesentliche richten. Und dieser Fokus ist da ein wenig auf der Strecke geblieben.

Ist die Mannschaft da jetzt weiter?

Dass wir vergangenes Jahr die Qualität hatten, haben wir schon in der Hinrunde gezeigt. Und die jungen Spieler, die noch dazugekommen sind, haben Erfahrungen gesammelt und sind jetzt einen Schritt weiter. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir eine bessere Saison spielen. Und ich finde, es sollte für Werder auch einfach der Anspruch sein, international dabei zu sein.

Neuzugang Theo Gebre Selassie hat bei seiner Vorstellung zum Beispiel recht offen davon gesprochen, einen Champions-League-Platz anvisieren zu wollen.

Es ist ja grundsätzlich positiv, wenn wir uns hohe Ziele setzen. Aber wir tun momentan gut daran, keine Prognosen abzugeben. Wir müssen uns erst einmal als Mannschaft schnell finden – und das ist ein hartes Stück Arbeit.

Dass der Mannschaftsgedanke über allem steht, wurde beim Saisonauftakt von der Sportlichen Leitung sehr in den Mittelpunkt gerückt.

Gerade in den Zeiten des Umbruchs ist es ganz wichtig, dass wir über das Kollektiv kommen, dass wir fit sind, dass wir marschieren. Da ist jeder Einzelne gefordert. Ob einer schon länger dabei oder neu ist: Er sollte wissen, worum es geht, und persönliche Eitelkeiten zurückstellen. Denn wie es nicht geht, das haben wir in den beiden vergangenen Jahren gelernt.

Werden Sie als Kapitän auch noch einmal einzeln mit den Kollegen darüber sprechen?

Nein – weil wir uns ja ständig unterhalten und auch viel in Gruppen arbeiten. Jeder nimmt sich der Sache an und beschäftigt sich damit. Ich finde, das hat man im Testspiel gegen die Ostfriesland-Auswahl hier auf Norderney schon gesehen: Das hat zwischen den einzelnen Abteilungen schon ganz gut funktioniert. Die Kommunikation in der Mannschaft ist sehr gut.

Allerdings haben sich die bisherigen Strukturen sehr verändert. Ein Großteil der Spieler aus Ihrem bisherigen Mannschaftsrat ist weg. Wie soll das jetzt laufen?

Grundsätzlich ist es doch so, dass sich jeder der Verantwortung stellen muss. Aaron Hunt zum Beispiel wird jetzt auch gefordert sein, Verantwortung zu übernehmen und vorwegzugehen – er hat die nötige Erfahrung. Ich denke, er ist so weit. Und ich traue ihm das absolut zu. Oder auch Sebastian Prödl und Naldo: Wir haben schon noch einige Leute, die lange hier sind, sich mit der Situation beschäftigen und vom Charakter her Typen sind, die für die Verantwortung im Sinne der Mannschaft bereit sind. Sokratis ist auch so einer. Es gibt also nicht nur ein, zwei Namen, die dafür infrage kommen.

Wer wird denn Ihr Vize-Kapitän?

Das weiß ich nicht, der wird wie auch der Kapitän vom Trainer bestimmt.

Ist es angesichts des Umbruchs ein Vorteil, dass die Mannschaft so früh schon nahezu komplett beisammen ist? Als EM-Fahrer fehlt jetzt nur noch Sokratis.

Ich weiß ja nicht, was auf dem Transfermarkt noch passiert, ob da noch einer dazukommt. Aber natürlich ist es für den Trainer eine gute Sache, wenn er schnellstmöglich alle Spieler zusammen hat und intensiv arbeiten kann.

Andererseits erstreckt sich die Vorbereitung über einen so langen Zeitraum wie selten zuvor. Wird es vielleicht ein Problem werden, in den nächsten fast sechs Wochen bis zum Start die Spannung noch hoch zu halten?

Wir sind doch jetzt kaum zu Hause, da geht es schon ins nächste Trainingslager; insgesamt haben wir drei. Dazu kommen zwischendurch einige Testspiele und das Blitzturnier in Hamburg (der "Liga total"-Cup; d. Red.). Die Wochen sind schon ziemlich vollgepackt. Langweilig wird’s uns jedenfalls sicher nicht...

Mit Gebre Selassie ist ein Rechtsverteidiger geholt worden – genau wie Sie. Wo wird denn künftig Ihre Position sein Im rechten Mittelfeld?

Das werden wir sehen. Ich bin für alles bereit.

Der Wechsel dorthin liegt Ihnen aber – das hat die vergangene Saison gezeigt.

Klar, ich habe mich dort sehr, sehr wohl gefühlt. Aber man muss natürlich auch sehen, wie es mit Theo anläuft. Er ist ein relativ junger Spieler, der das Land gewechselt hat und die Sprache noch nicht spricht. Da müssen wir alle ihm helfen. Was das alles für mich heißt und wo ich letztlich spielen werde – das wird sich herausstellen.

Die Fans in Bremen sind – mit Ausnahme der vergangenen beiden Jahre – lange Zeit verwöhnt worden. Wie macht man ihnen begreiflich, dass der Umbruch Zeit braucht?

Ich glaube, das muss man ihnen gar nicht begreiflich machen. Klar, es hat vereinzelt Pfiffe gegeben, aber das ist normal, denke ich. Insgesamt aber haben sie auch vergangene Saison hinter uns gestanden – obwohl wir sie teilweise wirklich haben leiden lassen. Und dafür war die Unterstützung sehr, sehr gut.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+