Ehrenspielführer besucht Afrika

Fritz von Ruanda beeindruckt

Clemens Fritz hat sich das „Young Coaches“-Programm in Ruanda angesehen. Für Werders Ehrenspielführer war es eine Reise mit kontrastreichen Erlebnissen.
27.10.2018, 07:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Jannik Sorgatz
Fritz von Ruanda beeindruckt
Werder Bremen/Scort

Clemens Fritz muss überlegen. Nur wenige Tage war er in Ruanda, um sich das „Young Coaches“-Programm in dem zentralafrikanischen Land anzusehen. Doch Werders Ehrenspielführer, aktuell Trainee des Vereins, hat so viele Eindrücke gesammelt, dass er sie erst einmal ordnen muss, um die Frage zu beantworten, was ihm rückblickend zuerst in den Sinn kommt. „Mich haben die Sicherheitsvorkehrungen und die Sauberkeit im Land sehr beeindruckt“, sagt Fritz. Gerade der zweite Punkt habe ihn überrascht. In Ruanda sind zum Beispiel Plastiktüten streng verboten. Überhaupt nimmt sich das Land, besonders im Tourismussektor, einiges vor – und vieles scheint zu funktionieren.

Trotzdem bleiben die Folgen des Völkermordes vor 24 Jahren unübersehbar. Gleichzeitig sind in Ruanda ungefähr 150 000 Flüchtlinge untergekommen, die meisten davon aus den Nachbarländern Burundi und der Demokratischen Republik Kongo. In Kigeme leben etwa 15 000, dort beendeten 85 Teilnehmer unter Anleitung der „Football Club Social Alliance“ (FCSA), zu der auch Werder gehört, das „Young Coaches“-Programm mit einem Zertifikat. „Das gibt ihnen enorm viel Selbstbewusstsein und eine Perspektive“, sagt Anne-­Kathrin Laufmann. Werders Managerin für Corporate Social Responsibility (CSR) war wie Fritz erstmals in Afrika. „So eine Reise würde ich jedem empfehlen“, sagt sie. „Die Erfahrungen bereichern und regen zum Nachdenken und Handeln an.“

Verantwortung als zentrales Thema

Im Camp von Kigeme vermischten sich ganz gegensätzliche Eindrücke. „Ich hatte das Gefühl, dass die Leute ganz viel von ihrer Hoffnung leben, gleichzeitig herrscht aber unübersehbare Perspektivlosigkeit“, sagt Laufmann. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert. Solange sich die Lage in den Heimatländern nicht beruhigt, ist eine Rückkehr unvorstellbar. Der Wunsch, in die USA überzusiedeln, wird sich allenfalls für einen Bruchteil von ihnen erfüllen. Diese Kontraste wurden Laufmann bei der Arbeit auf dem Fußballplatz vor Augen geführt: „Die Kinder waren so vertieft ins Spiel, wirkten total glücklich“, erzählt sie. „Wenn man dagegen die Kinder im Camp gesehen hat, war es eher traurig. Viele wissen nicht, was sie mit sich anfangen sollen.“

Die „Young Coaches“ sollen mit ihrer neu erlangten Expertise beileibe nicht nur fußballerische Inhalte vermitteln, dahinter steckt viel mehr: Das Programm lehrt allen Beteiligten, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, und es soll sie weghalten von Gewalt- und Drogenproblemen. Ein junger Trainer namens James, zufällig im Werder-Trikot auf dem Platz, hat Fritz besonders beeindruckt: „Ich war begeistert, mit wie viel Empathie und wie viel Spaß er bei der Sache war.“

Eine komplett andere Welt

Ein Ausdruck von Freude waren die Tanz- und Gesangseinlagen, die zu fast jeder Trainingseinheit gehörten. Für Fritz, nach eigenen Angaben nicht mit großem Talent gesegnet, waren das Momente, in denen er einmal mitgezogen wurde von den Teilnehmern aus dem Camp. „Ich bin mit super vielen Bildern im Kopf zurückgeflogen. Nachts habe ich dann gemerkt, wie ich die ganzen Eindrücke verarbeite“, erzählt der 37-Jährige. Ruanda sei eine komplett andere Welt, viele Schicksale machten sehr nachdenklich. „Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist für die Menschen wichtig. Sie haben ein Dach über dem Kopf und das Wichtigste, die Kinder können in die Schule gehen.“

Das Sozialmanagement will vor allem nachhaltig etwas bewirken. Die Entwicklung innerhalb der „Young Coaches“-Ausbildung sei bereits enorm gewesen. „Im ersten Modul schienen einige Teilnehmer noch gar nicht zu wissen, was sie da sollen. Und nach dem dritten leiten sie dann alleine eine Gruppe“, sagt Laufmann. Während die CSR-Abteilung mit ihren Partnern im Auge behalten wird, wie es weitergeht in Ruanda, sind zukünftige Projekte schon in Planung. 2019 soll „Young Coaches“ in Mexiko und Vietnam fortgeführt ­werden.

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