2:1 nach Rückstand Füllkrug und Bittencourt schießen Werder Bremen zum Sieg in Nürnberg

Lange sah es für Werder gar nicht gut aus in Nürnberg – doch dann trafen Füllkrug und Bittencourt und nach drei sieglosen Spielen holt Werder wieder drei Punkte.
05.11.2021, 20:40
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Björn Knips

Was für ein Abend im Frankenland! Der SV Werder Bremen drehte spät ein verrücktes Spiel und verdiente sich einen 2:1 (0:1)-Sieg beim 1. FC Nürnberg. Die Mannschaft von Markus Anfang hatte sich wieder einmal selbst durch ein ärgerliches Gegentor von Nikola Dovedan (19.) in die Bredouille gebracht. Die Krise war schon zum Greifen nah, doch der Absteiger stemmte sich eindrucksvoll gegen die Niederlage. Niclas Füllkrug (80.) gelang der Ausgleich und dem eingewechselten Leonardo Bittencourt (88.) sogar noch der Siegtreffer. Durch den ersten Sieg nach drei nicht gewonnenen Partien sprangen die Bremer auf Platz acht der Tabelle und bleiben damit zumindest im Dunstkreis der Aufstiegsränge.

„Das ist das, was wir gebraucht haben“, jubelte Füllkrug nach der Partie – und auch sein Trainer war überglücklich: „Wahnsinn! Wir haben heute wahnsinnig gut nach vorne gespielt. Wir müssen eigentlich schon 2:0 führen, und dann liegen wir zurück. So ein Spiel zu drehen, Respekt vor der Mannschaft! Die Spieler sollen das jetzt genießen und feiern, denn bisher gab es ja nicht so viel Positives.“

Im Vergleich zum 1:1 gegen den FC St. Pauli hatte Werder-Coach Markus Anfang nur eine Änderung in der Startelf vorgenommen – und das unfreiwillig: Für den verletzten Felix Agu (Wadenprobleme) rutschte Mitchell Weiser ins Team. Prominent besetzt war die Bank, dort wartete in Ömer Toprak (erstmals nach zweimonatiger Verletzungspause im Kader), Leonardo Bittencourt (zurück nach Grippe) und Christian Groß (Kurz-Comeback gegen St. Pauli) mehr als der halbe Mannschaftsrat auf einen Einsatz.

Beim System setzte Anfang wie schon gegen St. Pauli auf ein 3-5-2 – also eine Dreierkette und eine Doppel-Spitze. Vor allem das Sturm-Duo Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug machte sofort auf sich aufmerksam – nicht nur körperlich bei den vielen langen Bällen, sondern auch spielerisch. Nach feinem Doppelpass mit Füllkrug hatte Ducksch freie Bahn, schloss aber etwas zu harmlos ab, Klub-Keeper Christian Mathenia lenkte den Ball noch an die Latte (10.). Der Ex-Hamburger war fünf Minuten später erneut auf dem Posten, als Manuel Mbom aus zwölf Metern draufgehalten hatte. Ärgerlich für Werder, nicht zum ersten Mal in dieser Saison waren beste Torchancen ausgelassen worden.

Die Quittung dafür gab es prompt: Die bis dahin ziemlich beeindruckten Nürnberger nutzten ihren ersten echten Vorstoß gleich zum 1:0 (19.). Anthony Jung und Nicolai Rapp hatten auf der Außenbahn schlecht gegen Flankengeber Taylan Duman verteidigt – und Weiser in der Mitte gegen Nikola Dovedan überhaupt nicht. Der Nürnberger konnte unbedrängt einnicken und damit den Spielverlauf auf den Kopf stellen.

Werder war geschockt, die Abwehr glich einem Hühnerhaufen. Jung konnte einen Schuss von Duman gerade noch mit der Hacke vor der Linie stoppen (22.). Immerhin: Die Bremer kämpften sich langsam zurück ins Spiel und kamen noch vor der Pause zu einer Chance von Schmid, dessen Schlenzer Mathenia aber entschärfte (42.).

Anfang reagierte in der Pause, nahm den schwachen und verwarnten Rapp vom Platz. Wegen seiner fünften Gelben Karte wird der Neuzugang im nächsten Spiel gegen Schalke fehlen. Für ihn kam Groß, übernahm die Position des Sechsers von Ilia Gruev, der auf die Acht wechselte. Werder machte Dampf, wollte den Ausgleich, hatte auch gute Offensivaktionen, blieb aber im Abschluss einfach zu harmlos. Schmid zielte genau auf Mathenia (54.) und Ducksch aufs Außennetz (56.). Auch deshalb ist der Absteiger in dieser Saison bislang nur Mittelmaß und kein Kandidat für die direkte Rückkehr ins Oberhaus.

Lesen Sie auch

Dort kennt sich einer besonders gut aus: Leonardo Bittencourt. Der erfahrene Angreifer sollte es nun richten, wurde nach gut einer Stunde für Weiser eingewechselt. Die nächste Chance hatten allerdings die Gastgeber, Enrico Valentini verzog nach einem Konter nur knapp (67.). Es war ein bisschen wie beim Handball: Werder belagerte den gegnerischen Strafraum, Nürnberg lauerte auf Gegenstöße. Die Bremer kamen allerdings kaum durch, weil Nürnberg nicht nur gut verteidigte, sondern notfalls auch sehr robust zu Werke ging. Ducksch bekam einen Freistoß, den er selbst an den Außenpfosten setze (71.).

Es sollte irgendwie nicht sein für die Grün-Weißen an diesem Freitagabend im ausverkauften Max-Morlock-Stadion, das in der Corona-Pandemie aber nur mit 25 000 Zuschauern zur Hälfte gefüllt sein durfte. Doch Werder gab nicht auf – und wurde dafür belohnt. Nach einer Flanke von Veljkovic wuchtete Füllkrug die Kugel ins Netz (81.). Sein Jubel fiel an alter Wirkungsstätte, wo er von 2024 bis 2016 gespielt hatte, aber nur kurz aus, denn der Stürmer wollte mehr.
Werder spielte auf Sieg. Gleich zwei Mal scheiterte Ducksch wieder an Mathenia (82. und 85.). Es war wie verhext, bis Bittencourt genau richtig stand und eine abgefälschte Füllkrug-Vorlage zum 2:1 einschoss (88.). Werder-Wahnsinn im Frankenland – die Ersatzspieler stürmten bis hinter das Tor, um mit den Kollegen die Führung zu feiern.

Zum Happy End gab es auch noch das Comeback von Toprak in der Schlussphase. Der Kapitän könnte dann gegen Schalke Marco Friedl ersetzen, der nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Doch das war bei dem großen Bremer Jubel nur eine Randgeschichte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+