Die Türsteher Fünf Klubs können sich für Europa League qualifizieren

Ja, will denn keiner nach Europa? Ein internationaler Startplatz war doch für viele Bundesligisten das erklärte Ziel. Aber einige der Kandidaten krebsten erst am Tabellenende herum oder tun es noch immer.
12.05.2015, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Fünf Klubs können sich für Europa League qualifizieren
Von Olaf Dorow

Ja, will denn keiner nach Europa? Ein internationaler Startplatz war doch für viele Bundesligisten das erklärte Ziel. Oder wenigstens der Anspruch. Außer für Werder (derzeit gar nicht so schlechte Aussichten auf Europa) und Augsburg (derzeit beste Aussichten). Was für eine komische Saison! Klubs, die sich für reif genug halten, wenigstens in der Europa League zu spielen, wenn es schon nicht für die Champions League reicht, krebsten entweder erst mal längere Zeit am Tabellenende herum (Dortmund), krebsen immer noch am Tabellenende herum (Hamburg, Hannover, Stuttgart) oder leiden unter einem Rumkrebs-Anfall, der dramatische Züge anzunehmen droht (Schalke).

Auf nichts ist mehr Verlass in dieser Saison, in der inzwischen der FC Augsburg seine Punkte auswärts beim FC Bayern holt, vorm vorletzten Spieltag der Saison kein einziger Verein schon abgeschlagen am Tabellenende liegt, noch nicht mal Paderborn, und in der Achterbahnfahrten durch die Tabelle hingelegt werden, dass einem schwindlig wird.

Werders Co-Trainer Torsten Frings, der zwar ein sehr junger Trainer ist, aber auch schon ein alter Fahrensmann der Bundesliga, sieht da Probleme ohne Ende. „Alle, die um die Europa League spielen, haben Probleme“, sagt er. Womöglich deswegen, weil das Schneckenrennen um den internationalen Wettbewerb mehr mit dem Schneckenrennen um den Klassenerhalt zu tun hat, als man denkt. Andauernd müssen die Mannschaften, die von Flutlichtabenden in Sevilla oder Rom träumen, gegen Mannschaften spielen, die mit aller Verzweiflung Flutlichtabende in Sandhausen oder Heidenheim verhindern wollen. Weswegen keiner der Europa-League-Aspiranten so recht vom Fleck kommen mag. Ausnahme: Dortmund. Seit Jürgen Klopp seinen Rücktritt erklärt hat, kommen der BVB supergut vom Fleck. Aber das ist sicher nur Zufall. (odo)

Überwältigt

Die Wortwahl passte. Einen „Traum“ nannte es Raul Bodadilla, von einer „Sensation“ sprach gar Manager Stefan Reuter. Doch gemeint war damit nicht, was ein Einzug in die Europa League für den FC Augsburg bedeuten würde. Vielmehr galten sie dem 1:0 beim FC Bayern. Dadurch ist der FCA dem zwischenzeitlich ausgerufenen und dann wieder einkassierten Ziel, dem Einzug in den internationalen Wettbewerb, deutlich näher gekommen. Und die Zuversicht ist groß, diesen Coup nach einer mittelprächtigen Rückrunde nun tatsächlich schaffen zu können.

Drei Punkte Vorsprung hat der Tabellenfünfte aus Augsburg vor den verbleibenden zwei Spielen auf den Siebten Borussia Dortmund und den Achten Werder Bremen. Mit ein bisschen Glück könnte auch Platz sieben reichen. Dann nämlich, wenn Wolfsburg das Pokalfinale gewinnt oder Dortmund, sofern der BVB in der Liga mindestens Sechster wird. Die Augsburger wissen allerdings auch, dass der Spielplan noch Tücken bereithält. Gegen Hannover 96 sollten sie am Sonnabend wohl besser gewinnen.

Denn am letzten Spieltag der Saison geht es zum stärksten Rückrundenteam, zu Borussia Mönchengladbach. „Jetzt können wir gegen Hannover einen Big Point machen“, sagt Kapitän Paul Verhaegh. Aber er ahnt auch, dass das knifflig werden dürfte gegen den Abstiegskandidaten. Zumal der FCA gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte so seine Probleme hat. Maik Rosner

Das Restprogramm:

Hannover 96 (H)

Borussia Mönchengladbach (H)

Suspendiert

Erst um 21.40 Uhr, fast zweieinhalb Stunden nach Abpfiff, fuhr der Bus von Schalke 04 langsam durch den Kölner Stadtwald Richtung Autobahn. Ein rollendes Pulverfass, mit akut gefährdeten Insassen. Nach dem bodenlosen 0:2 in der Domstadt donnerte Manager Horst Heldt dem Team entgegen: „Wir lassen uns das nicht mehr bieten. Die Schonzeit ist vorbei.“ Der Zorn über den peinlichen Auftritt am Rhein durfte noch eine Nacht lang reifen – dann standen die ersten Opfer der in die Bredouille geratenen S04-Chefs fest: Kevin-Prince Boateng, der seine Lustlosigkeit im Köln-Spiel am Ende geradezu zelebriert hatte, und Sidney Sam wurden „mit sofortiger Wirkung“ freigestellt. Zudem ist Marco Höger, mit einer ähnlich dürftigen Leistung wie Boateng aufgefallen, bis einschließlich nächsten Sonnabend vom Trainings- und Spielbetrieb suspendiert.

Bei den radikalen Maßnahmen von Trainer Roberto Di Matteo und Heldt, der von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies selbst längst angezählt wurde, scheint deutlich die Panik durch, in dieser verfahrenen Saison auch noch am Minimalziel vorbei zu rauschen. „Wenn wir so spielen wie in Köln, werden wir die Europa League verpassen“, legt sich der Manager fest. Vereinsboss Tönnies bezeichnete die Qualifikation für den kleineren internationalen Wettbewerb jüngst als „eine Frage der Ehre“. Dem hält der erschütterte Kapitän Benedikt Höwedes entgegen: „Uns gehen langsam die Optionen aus.“ Andreas Morbach

Das Restprogramm:

SC Paderborn (H)

Hamburger SV (A)

Belustigt

Als sein Team 2:0 gegen Hertha gewonnen hatte, verkündete Trainer Jürgen Klopp: „Das fühlt sich an wie ein Platz an der Sonne.“ Von Rang 18 nach 19 Spieltagen bis auf Platz sieben, das ist eine in der Bundesliga-Geschichte einmalige Aufholjagd. Platz sechs soll es noch werden, sagt Kapitän Mats Hummels: „Wir sind momentan richtig gut auf Kurs, und den wollen wir halten.“ Mancher Beobachter bringt die Aufwärtstendenz in Zusammenhang mit der Ankündigung von Klopp, den Verein zu verlassen. Das habe neue Kräfte freigesetzt. Den Trainer belustigt diese Theorie: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich meinen Rücktritt schon am Saisonanfang bekanntgegeben. Dann wären wir so durch die Liga marschiert.“ Klopp glaubt vielmehr, dass es seiner Mannschaft hilft, sich aus dem Überlebenskampf befreit zu haben.

Auffällig ist, dass sich die Hintermannschaft keine haarsträubenden Aussetzer mehr leistet. „In den letzten drei Heimspielen mussten unsere Torhüter Mitch Langerak und Roman Weidenfeller nicht einen Ball halten“, verkündete Hummels. Die Ergebnisse sind entsprechend: 3:0 gegen Paderborn, 2:0 gegen Frankfurt, 2:0 gegen Hertha. Dazu hat der BVB eine weitere Stärke wiederentdeckt: „Unsere Standards haben sich zu einer richtigen Waffen entwickelt“, sagt Klopp. Zwei Ligaspiele und das Pokalfinale in Berlin bleiben noch, um dem Mann, der in Dortmund jetzt schon eine Legende ist, einen rauschenden Abschied zu bescheren. Felix Meininghaus

Das Restprogramm:

VfL Wolfsburg (A)

Werder Bremen (H)

Verwundert

Mal ehrlich, Torsten Frings! Was hätte er im November demjenigen gesagt, der vorausgesagt hätte, Werder würde Mitte Mai im Gerangel um Europa mitmischen? „Dem hätte ich gesagt“, antwortete der einstige Nationalspieler und jetzige Co-Trainer, „dass er keine Ahnung von Fußball hat.“ So sehen sie das bei Werder: Dass es seit dem Herbst, als sie „in der Hölle“ waren, wie Zlatko Junuzovic es nennt, nur noch um die nackte Existenz in de ersten Liga ging. So sehr, dass sie jetzt, wo die Existenz längst gesichert ist, sich partout nicht in der Lage sehen, neue Kampfparolen herauszugeben. Aus Vorsicht, aus Erschöpfung, aus Verwunderung. So kommen oft Spiele heraus, in denen Werder nicht wie ein Europa-League-Anwärter spielt und dennoch punktet.

Dass Werder da steht, wo es steht, ist für Frings nichts weniger als ein Wunder. Ein Wunder übrigens, dass er zu wenig gewürdigt sieht. Wenn Werder in der Nachspielzeit von Stuttgart nicht verloren hätte, wäre seine Mannschaft seit acht Spieltagen ungeschlagen, rechnet er vor. Und jetzt würden noch zwei Spiele folgen, in denen paradoxerweise zwar schwere Gegner kommen, es aber trotzdem für Werder leichter sei als zuletzt. Weil Gladbach und der BVB nur schwere Gegner sind, aber nicht welche, die in der Hölle stecken. Leicht ist allerdings relativ. Frings schätzt, dass Werder noch vier Punkte holen muss, um Europa zu schaffen. „Wenn man nicht sogar sechs Punkte holen muss“, schätzt Jannik Vestergaard. Olaf Dorow

Das Restprogramm:

Borussia Mönchengladbach (H)

Borussia Dortmund (A)

Ernüchtert

Die TSG Hoffenheim kommt erstmals in den Europapokal? Spätestens nach der „desolaten Leistung“ (Stürmer Kevin Volland) beim 1:3 in Frankfurt ist der Traum nur noch theoretisch zu erfüllen. Praktisch dürfte das ein Wunschtraum bleiben. Hoffenheim ist derzeit eher ein Abstiegskandidat als ein Europapokalanwärter, die Leistungen der Rückrunde erreichten in Frankfurt einen Tiefpunkt. Pirmin Schwegler bekannte: „Nach so einem Spiel verbietet es sich, über Europa zu reden.“ Manager Alexander Rosen reagierte „ernüchtert, enttäuscht und verständnislos“ nach der Blamage. „Wir sind wiederholt vor der Hürde gestanden, aber nicht drüber gesprungen“, klagte er. Die TSG hat in der Rückrunde nie zwei Mal hintereinander gewonnen.

Verpasst der Verein die Europa League, hätte er nicht nur arg enttäuscht. Er hätte auch kaum Argumente für einen Verbleib seiner umworbenen Offensivspieler Firmino und Volland. Hoffenheims Trainer Markus Gisdol betont immer, er lasse sich an Entwicklungen messen. In den vergangenen Monaten ist in seiner Mannschaft eher eine Rückentwicklung als eine Stagnation zu erkennen. Auffällig sind die vielen Personal- und Systemwechsel, die die Spieler offenbar überfordern. Die Stürmer Modeste, Szalai und Schipplock pendelten alle zwischen Ersatzbank und Spielfeld, eine starke Form lässt sich so nicht aufbauen. Kaum ein Spieler erreicht seine Bestform. Die Fans verlieren langsam die Geduld. Tobias Schächter

Das Restprogramm:

Bayer Leverkusen (A)

Hertha BSC (H)

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