Werder Bremen Für die Spitze ist Werder nicht gut genug

Bremen. Nach der deutlichen Niederlage bei den Bayern müssen die Bremer feststellen, dass es noch ein weiter Weg zur Rückkehr in die Bundesligaspitze ist. Die bisherige Bilanz gegen die Top-Teams der Bundesliga sieht schlecht aus.
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Für die Spitze ist Werder nicht gut genug
Von Marc Hagedorn

Bremen. Bis zum 15. Spieltag hat es gedauert. Solange hatte die Fußballwelt gerätselt: Wie stark ist Werder in dieser Saison wirklich? Unter der Woche hatten Naldo ("Wir können Erster oder Zweiter werden.") und Marko Arnautovic ("Wir fahren nach München, um dort zu gewinnen.") die Phantasie noch befeuert. Jetzt, nach dem 1:4 beim FC Bayern, muss man festhalten: Werder ist stark genug, um Mannschaften der Mittelklasse zu schlagen, aber zu schwach für die wirklich großen Gegner.

Aaron Hunt wollte nichts sagen. Marko Arnautovic auch nicht, er vertröstete die wartenden Journalisten lieber auf den nächsten Tag, wohl wissend, dass dann trainingsfrei sein und kein Reporter in seine Nähe kommen würde. Claudio Pizarro schließlich, das alte Schlitzohr, wählte den stillen Abgang durch den Bayern-Ausgang in der Allianz-Arena und entkam so all denjenigen, die ihm gerne ein paar Fragen gestellt hätten.

Wobei: Musste man nach diesem Spiel überhaupt noch Fragen stellen? Hatten nicht die 90 Minuten von München Antworten auf all die Fragen dieser Saison gegeben? Auf Fragen wie: Ist Werder tatsächlich so gut, dass Naldo mit Überzeugung von Platz eins oder zwei reden darf? Bewegt sich Werder auf Augenhöhe mit den Top-Teams der Liga, so dass man siegesgewiss nach München fahren darf? Nach dem 0:2 gegen Dortmund und dem 0:5 gegen Mönchengladbach hatte man das schon geahnt, nach dem 1:4 gegen die Bayern ist es jetzt bewiesen: Werder Bremen hat sich nach einem Katastrophenjahr verbessert, das ja, aber längst nicht so sehr, dass man Großtaten wie Siege gegen Spitzenmannschaften erwarten kann.

Von daher erstaunt es, dass es noch immer Stimmen gibt, die Werder nach wie vor ganz oben verorten. Etwa Naldo, der nach dem 1:4 trotzig verkündete: "Ich glaube nicht, dass wir über zu wenig Qualität verfügen. Sonst würden wir gegen den Abstieg spielen." Oder Naldos Abwehrpartner Andreas Wolf: "Ich finde, dass das Ergebnis nicht aussagt, wie es war." Werder, hieß das übersetzt, war keine drei Tore schlechter als Bayern. Fand im Übrigen auch Torschütze Markus Rosenberg: Er habe die Bayern zu Saisonbeginn gesehen, "da waren sie klasse. Heute fand ich nicht, dass sie besser waren. Nach 70 Minuten stand es 1:1."

So ist das mit Werder-Spielen in dieser Saison: Über fast jede Partie lassen sich zwei Urteile fällen, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Über Werders 2:1 gegen Hertha etwa dieserart: Stark, dass die Mannschaft bis weit in die Nachspielzeit an den Sieg glaubte und ihn noch erzwang. Schwach, dass Werder überhaupt solange dafür brauchte, wo die Hertha doch fast 30 Minuten nur zu Neunt spielte. Oder die Partie gegen Köln: Respekt für diesen 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand. Kopfschütteln darüber, dass Werder überhaupt 0:2 in Rückstand geraten konnte. Gut, wie wenige Chancen Werder dem Meister Borussia Dortmund bei dessen Gastspiel im Weserstadion erlaubte. Schlecht, dass Werder trotzdem 0:2 verlor. Herrlich, wie Werder fünf Tore gegen den SC Freiburg erzielte. Schlimm, dass Werder auch drei kassierte.

Das 1:4 gegen die Bayern erzählt - genau wie das 0:5 gegen Gladbach - aber keine zwei Geschichten. Natürlich war das Spiel vom Ergebnis her lange Zeit offen, die Machtverhältnisse auf dem Feld aber waren es nicht. Die Bayern dominierten das Geschehen trotz mittelmäßiger Leistung klar. Damit verriet dieses Spiel am Ende mehr über Werder als über Bayern. Anders als die jüngsten Bayern-Bezwinger Dortmund und Mainz agierte Werder zaghaft, verhalten, ohne Überzeugung und Druck auf einen Gegner, der nur mit Überzeugung und Druck zu besiegen ist. Bei ihren drei Niederlagen gegen die mutigen Gegner Hannover (1:2), Dortmund (0:1) und Mainz (2:3) hatten die Bayern bis zum Werder-Spiel 19 von 34 gegnerischen Chancen zugelassen. Ängstliche Werderaner schafften es nicht, die Zahl der zugelassenen Chancen durch die Bayern-Abwehr merkbar zu erhöhen. Kurzum: Werder trat nicht wie eine Spitzenmannschaft auf.

Sportdirektor Klaus Allofs ahnt, wohin dieser Weg die Mannschaft führen wird. Er sagte: "Wenn wir weiterhin die Heimspiele gewinnen, aber auswärts unentschieden spielen oder 0:5 und 1:4 verlieren, dann landen wir am Ende auf Platz sechs oder sieben." Platz sechs würde für die Teilnahme an der Europa League reichen. Es wäre Stand heute und nach den Erkenntnissen der vergangenen 15 Spieltage ein angemessener Lohn.

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