„Collinas Erben“ über das Wolfsburger Tor

„Für mich ein strafbares Abseits“

Es ist die Szene, die nach dem 1:1 in Wolfsburg am meisten diskutiert wird. War der Wolfsburger Treffer Abseits oder nicht? Schiedsrichter-Experten sagen Ja, doch bei Werder wollte sich niemand darüber ärgern.
04.03.2019, 19:43
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„Für mich ein strafbares Abseits“
Von Christoph Bähr

Davy Klaassen schaute auf dem Weg zur Kabine rüber zu einem Fernseher, auf dem gerade das Tor der Wolfsburger gezeigt wurde. „Es ist immer das Gleiche“, schimpfte Werders Mittelfeldspieler und wollte seinen Frust gerade in Worte kleiden. Dann sah er jedoch ein zweites Mal hin und registrierte, dass der Torschütze John Anthony Brooks nicht im Abseits gestanden hatte. So wie Klaassen ging es vielen, die den Treffer zum 1:0 betrachteten. Der erste Impuls lautete: klares Abseits. Ganz so eindeutig war es dann beim zweiten Hinschauen allerdings doch nicht.

Bei der Freistoßflanke von Maximilian Arnold standen Wout Weghorst und Admir Mehmedi in der 54. Spielminute im Abseits, Brooks dagegen nicht. Während Mehmedi sich passiv verhielt, ging Weghorst zum Ball und sprang zusammen mit Pavlenka und Brooks hoch. Der Wolfsburger Angreifer war also alles andere als passiv. Das sehen auch die Experten des Schiedsrichter-Podcasts „Collinas Erben“ so, die bei Twitter klar Stellung beziehen. Dort schreibt Schiedsrichter-Coach Alex Feuerherdt: „Für mich ein strafbares Abseits.“ Weghorst springe zum Ball und beeinflusse dadurch „Pavlenkas Möglichkeit, den Ball zu spielen, zumal er bei Brooks' Kopfball nur wenige Zentimeter entfernt ist“, meint Feuerherdt. „Die einzige halbwegs schlüssige Erklärung, die ich hätte, lautet: Pavlenka kam ohnehin zu spät, deshalb war das Abseits von Weghorst ohne Belang.“


Schiedsrichter Daniel Siebert entschied sich nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten dafür, den Treffer zu geben. Ein knifflige Entscheidung. Hätten sich die Bremer darüber mächtig geärgert, hätte das wohl jeder verstehen können. Die Spieler und Verantwortlichen äußerten sich jedoch bemerkenswert zurückhaltend. „Es gibt natürlich vergleichbare Szenen, die abgepfiffen wurden“, sagte Trainer Florian Kohfeldt. „Ich bin aber froh, dass so etwas mal nicht abgepfiffen wurde. Grundsätzlich finde ich es richtig, dass solch knappe Szenen nicht abgepfiffen werden.“ Auch Sportchef Frank Baumann akzeptierte Sieberts Entscheidung klaglos.

Selbstkritische Bremer

Statt den Unparteiischen zu kritisieren gingen die Bremer mit der Aktion äußerst selbstkritisch um. „Wir waren nicht bereit in dem Moment. Das war ein Fehler“, sagte Kohfeldt mit Blick auf seine Spieler, die einfach stehen blieben. Dabei gibt es die klare Anweisung, in solchen Situationen nicht auf Abseits zu spielen. „Wir hatten auch nicht vor, auf Abseits zu spielen, obwohl es so aussah“, sagte Maximilian Eggestein. Dieses Verhalten sei ungewöhnlich gewesen, fand Kohfeldt. „Normalerweise ist der Ablauf klar besprochen.“

Keinen Vorwurf machen wollte der Trainer seinem Torwart Jiri Pavlenka, der sich drei Wolfsburgern gegenüber sah und aus seinem Tor stürmte, um die Situation noch zu retten. Pavlenka kam letztlich einen Moment zu spät. „Mir ist ein Torwart lieber, der es probiert und dabei selbst blöd aussieht“, unterstrich Kohfeldt. Baumann ergänzte: „Auf der Linie wäre es auch schwer gewesen, den Ball zu halten. Uns ist es lieber, wenn er mutig rauskommt.“

Die Wahl zum „Man of the Match“ gibt es hier:


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