Fürth-Profi Stach vor Partie gegen Werder

„Kohfeldt hat mir Dinge mitgegeben, von denen ich bis heute profitiere“

Wenn Werder am Dienstag gegen Greuther Fürth spielt, steht einer auf dem Platz, der beide Vereine kennt. Im Interview spricht Ex-Jugend-Werderaner Anton Stach über sein Wiedersehen mit Florian Kohfeldt.
01.02.2021, 15:49
Lesedauer: 8 Min
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Von Marius Winkelmann

In der Schaltzentrale der SpVgg Greuther Fürth ist Anton Stach (22) seit Mitte Dezember gesetzt. Als Sechser vor der Abwehr strukturiert der gelernte Offensivspieler das Spiel des Zweitligisten, der überraschend im Aufstiegsrennen mitmischt. Vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale gegen seinen Jugendklub Werder Bremen (Dienstag, 20.45 Uhr) hat sich die Deichstube mit dem gebürtigen Buchholzer zum Interview verabredet. Darin spricht Stach über das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Trainer Florian Kohfeldt, sein erstes Spiel im Weserstadion, und er verrät das Geheimnis seines rasanten Durchbruchs im Profi-Fußball. Außerdem erklärt er, was ihn mit dem Osnabrücker Felix Agu verbindet und warum er lieber Fußball- statt Tennis-Profi geworden ist.

Anton Stach, erleben Sie gerade Ihre persönliche Träume-werden-wahr-Woche?

In Bezug auf Werder, oder weil wir jetzt zweimal in Folge gewonnen haben? (1:0 gegen Osnabrück, 3:0 gegen Aue, Anm. d. Red.)

Nein, nicht wegen der Siege. Sie haben in der Jugend für den VfL Osnabrück und für Werder Bremen gespielt. Jetzt treten Sie mit Fürth innerhalb einer Woche erstmals an der Bremer Brücke und im Weserstadion an. Das ist schon kurios, oder?

Ja, es ist ein mega-cooles Erlebnis für mich, weil ich in der Jugend für beide Mannschaften aufgelaufen bin. Damals habe ich immer gedacht: „Boah, in dem Stadion möchte ich irgendwann mal spielen.“ Und dass ich jetzt die Möglichkeit dazu habe, ist eine richtig tolle Sache.

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Im Alter von 14 Jahren wechselten Sie aus ihrer Heimat Buchholz zum SV Werder, zogen ins Internat der Grün-Weißen und haben im Weserstadion gewohnt. Sieben Jahre später nun die Rückkehr: Wie stellen Sie es sich vor, am Dienstag in ihrem alten „Wohnzimmer“ zu spielen?

Bei mir herrscht eine riesige Vorfreude. Wir hatten im Internat unseren Hausaufgabenraum, aus dem wir ins Stadion gucken konnten - direkt auf den Platz. Ich mag das Weserstadion sehr gerne. Früher, als die Fans noch da waren, war es ja auch fast immer ausverkauft. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich jetzt selber dort spielen kann.

Es wird auch ein Tag des Wiedersehens für Sie werden. Sie treffen unter anderem auf ihren ehemaligen U16-Trainer Florian Kohfeldt. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Ich glaube, ich hatte ihn insgesamt nur ein halbes Jahr lang in der Jugend als Trainer, aber ich habe ihn in absolut positiver Erinnerung. Er hat mir damals sehr viel geholfen, hatte großes Vertrauen in mich. In dem Jahr war ich sogar Kapitän der Mannschaft. Es hat großen Spaß gemacht unter ihm zu spielen. Sein Umgang mit uns war super, es war eine richtig gute Erfahrung. Florian hat mir Dinge mitgegeben, von denen ich bis heute profitiere.

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Haben Sie noch mal Kontakt zu ihm?

Nein, Kontakt haben wir nicht mehr. Aber ich verfolge immer noch die Spiele von Werder und auch von Osnabrück, einfach aus Interesse an meinen Ex-Vereinen. Dass Florian Kohfeldt jetzt Bundesliga-Trainer ist und ich auch noch gegen ihn spielen kann, ist eine super Geschichte.

Bei Werder entwickelten Sie sich zunächst gut, waren in der U16 Kapitän, schossen regelmäßig Tore. In der U17 gerieten Sie dann aufs Abstellgleis. Was waren die Gründe?

Meine Zeit in Bremen war ein ständiges Auf und Ab. Als ich in der U15 ins Internat kam, habe ich verhältnismäßig wenig gespielt. Damals hat der Trainer andere stärker gesehen. Das fand ich schade. Unter Kohfeldt war ich in der U16 auf einmal gesetzt und direkt Kapitän. Ein Jahr später war es dann wieder das komplette Gegenteil. Da habe ich dann quasi keine Rolle mehr gespielt. So richtig erklären kann ich es mir nicht. Ich denke, vielleicht lag es daran, dass ich in dem Alter körperlich noch nicht so weit war wie andere. Ich habe erst relativ spät einen ordentlichen Schuss gemacht, in der Jugend zählte ich immer zu den Kleinsten, was man heute eigentlich gar nicht glauben kann (Stach ist 1,94 Meter groß, Anm., d. Red.). Es war nicht einfach für mich, als ich bei Werder nicht zum Zug kam.

Damals war ein gewisser Manuel Mbom ihr Teamkollege in der U17. Ein Jahr später spielten Sie gemeinsam mit Felix Agu in der U19 des VfL Osnabrück. Bei Werder kommen beide gerade immer mehr zum Zug. Wie haben Sie die ersten Profi-Schritte von Mbom und Agu verfolgt? Tauschen Sie sich mit den beiden noch aus?

Persönlichen Kontakt haben wir eigentlich nicht mehr. Aber klar verfolge ich sie noch regelmäßig, das mache ich bei fast allen ehemaligen Mitspielern. Speziell mit den beiden habe ich mich richtig gut verstanden. Felix und ich haben zu meiner Osnabrücker Zeit auch privat relativ viel zusammen unternommen, weil er bei mir in der Nähe gewohnt hat. Wir interessieren uns beide für Basketball, haben damals gerne zusammen NBA geschaut. Bei Manu freut es mich zu sehen, wie er sich entwickelt hat, dass er jetzt regelmäßig in der Bundesliga spielen darf. Er ist ein super Junge, wir haben im Internat zusammengewohnt. Manu ist zwar etwas jünger als ich, aber ein ganz lieber Kerl, mit dem ich viel Quatsch gemacht habe. Man konnte gut seine Freizeit mit ihm verbringen.

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Kommen wir von der Freizeit zur Arbeit: Im letzten Spiel gegen Aue mussten Sie nach zwei verletzungsbedingten Wechseln plötzlich im Abwehrzentrum ran. Wie war es für Sie?

Ich hatte das tatsächlich noch nie gespielt. Wenn man auf einer neuen Position ran muss, ist es natürlich zunächst ungewohnt, es sind andere Abläufe. Als Innenverteidiger hat man niemanden mehr hinter sich, was ich als Sechser sonst habe. Deswegen musste ich mich sehr konzentrieren und war froh, dass meine Mitspieler mich gut unterstützt und immer wieder gecoacht haben. Glücklicherweise haben wir nichts mehr zugelassen, und ich kam immer besser rein.

Gut möglich, dass sie gegen Werder wieder hinten drin spielen müssen. Wäre das ein Problem für Sie?

Nein, das wäre auf keinen Fall ein Problem für mich. Für mich ist die Hauptsache, dass ich spiele. Und wenn es die Position wird, würde ich das annehmen und mich damit auseinandersetzen. Wenn mein Trainer denkt, dass ich da die beste Option bin, werde ich versuchen, es so gut wie möglich zu machen.

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Ihre Mannschaft ist unheimlich auswärtsstark, Werder schwächelt zu Hause dagegen seit knapp anderthalb Jahren. Was rechnen Sie sich aus?

Heimschwach und auswärtsschwach kann man aktuell doch gar nicht so richtig sagen ohne die Zuschauer. Werder ist als Bundesligist und mit der Qualität an Spielern der Favorit. Trotzdem fahren wir nicht nach Bremen, um einfach nur teilzunehmen. Wir werden probieren, alles rauszuhauen. Dann schauen wir, was geht. Wir wollen eine Runde weiterkommen.

Vor einem halben Jahr haben Sie noch in der Regionalliga mit Wolfsburgs U23 gegen Dorfclubs wie den Heider SV und Drochtersen/Assel gespielt. Jetzt geht es wöchentlich gegen große Traditionsvereine wie den HSV oder Fortuna Düsseldorf. Müssen Sie sich manchmal kneifen?

Es ging schon alles sehr, sehr schnell. Als ich anfangs nach Fürth kam, habe ich mir noch etwas Zeit gegeben, weil ich aus der Corona-Pause kam, mit Wolfsburg nicht mehr trainiert hatte. Ich musste mich an das Niveau und die Intensität gewöhnen. Das ist mir nach der für mich sehr harten Vorbereitung ganz gut gelungen. So viele Läufe habe ich noch nie gemacht (lacht). Die Testspiele waren gut, zu Saisonbeginn wurde ich immer wieder eingewechselt. Ich durfte direkt Zweitliga-Luft schnuppern, konnte mich an alles gewöhnen. Es ist ein super Gefühl, dass der Trainer (Stefan Leitl, Anm. d. Red.) mir so vertraut. Muss ich mich manchmal kneifen? Kann man schon sagen, ja.

Sie sollen im Sommer auch andere Angebote gehabt haben - unter anderem vom HSV. Warum haben Sie sich für Fürth entschieden?

Ich habe mich in Fürth mit dem Coach und mit Rachid Azzouzi (Fürths Geschäftsführer Sport, Anm. d. Red.) unterhalten. Ihre Idee, wie sie Fußball spielen wollen, und die familiäre Atmosphäre, die ich noch aus meinem Jahr bei Jeddeloh II kannte, kamen mir direkt entgegen. Sie haben sofort einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht. Außerdem habe ich gesehen, dass hier sehr viele junge Spieler regelmäßig ihre Einsatzzeiten bekommen. Entsprechend dachte ich mir, dass ich hier meine Chance kriegen könnte.

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2018 und 2019 landete Fürth auf den Plätzen 15 und 13, steckte jeweils tief im Abstiegskampf. In der vergangenen Saison reichte es für Rang neun. Aktuell liegt die Mannschaft nur einen Punkt hinter einem Aufstiegsplatz. Was macht Fürth in diesem Jahr so stark?

Da kommen sehr viele Faktoren zusammen. Am wichtigsten ist, dass wir einen sehr guten Team-Zusammenhalt haben. Wir verstehen uns untereinander super, jeder möchte die Fehler des anderen ausbügeln. Zudem versprühen wir eine Riesenspielfreude, wollen immer den Ball haben. Dadurch kommen immer wieder gute Passstafetten zustande. Jeder haut sich voll rein, und wir sind auch individuell stark besetzt. Es passt insgesamt einfach vieles sehr gut zusammen bei uns.

Das haben Sie auch im DFB-Pokal gezeigt: Nach dem 6:1 in der ersten Runde gegen Meinerzhagen sorgten Sie in Runde zwei für eine faustdicke Überraschung gegen Hoffenheim, das sie im Elfmeterschießen bezwangen. Der Höhepunkt ihrer jungen Karriere?

Es war schon ein richtiger cooler Moment, dass wir im Stadion von Hoffenheim spielen durften, auf einem richtig guten Platz. Wir haben dann während des Spiels gemerkt, dass wir ihnen Paroli bieten können. Von der Bank wurden wir immer wieder gepusht, dadurch sind wir auf dem Platz noch mal einen Schritt mehr gelaufen. Dass wir das Ding dann im Elfmeterschießen gewinnen - ich glaube, etwas Schöneres gibt es im Fußball nicht. Deswegen würde ich schon sagen, dass es einer der schönsten Momente meiner Karriere war.

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Sie wurden allerdings ausgewechselt - kurz bevor es zum großen Showdown kam. Waren Sie so platt oder wollte der Trainer verhindern, dass Sie einen Elfer schießen?

(lacht) Nein, ich war sehr, sehr platt. Der Coach hatte mich während des Spiels schon gefragt, wie lange es noch geht. Ich habe alles gegeben bis ich gemerkt habe, dass ich auf beiden Seiten Krämpfen bekomme.

Ihr Vater Matthias Stach ist ein bekannter Sport-Kommentator. Genau wie er waren auch Sie früher ein formidabler Tennisspieler, zählten in ihrer Altersklasse zu den Top Ten in Deutschland. Vor ihrem Wechsel zu Werder mussten Sie eine Entscheidung fällen. Weshalb haben Sie sich gegen die Filzkugel und für den Lederball entschieden?

Bevor ich zu Werder ging, habe ich beides an einem Tag gemacht. Erst Tennistraining, dann Fußballtraining. Bis dahin habe ich mir auch nie Gedanken darüber gemacht, dass ich mich mal entscheiden muss. Als dann das Angebot von Werder kam, war der Tag aber gekommen, weil es mit Tennis und Fußball einfach zu zeitintensiv gewesen wäre. Ich war so überwältigt vom großen Namen Werder Bremen, dass ich es mit Fußball probieren wollte. Mannschaftssportarten liegen mir, obwohl ich im Tennis als junger Kerl auch sehr gut alleine performt habe.

Ihr Vertrag in Fürth läuft noch bis Sommer 2023. Was haben Sie für Ziele? Haben Sie einen Karriere-Fahrplan?

Mein Karriereziel ist ganz klar, dass ich in der Bundesliga spielen möchte. Mit Fürth wollen wir erstmal so weiterspielen wie bisher, weiter so viele Punkte holen und wenn es geht, bis zum Schluss oben dranbleiben. Ich persönlich möchte mich weiterentwickeln und weiter an meinen Schwächen arbeiten.

Die da wären?

Zum Beispiel mein offensives Kopfballspiel kann noch besser werden. Bei Werder habe ich häufig selbst die Standards geschossen und bei späteren Stationen auch. Deswegen fehlt mir die Erfahrung, wie ich bei Ecken einlaufen muss oder wie man offensiv köpft. Dabei habe ich mit meiner Größe richtig gute Voraussetzungen dafür.

Können Sie sich vorstellen, eines Tages zu Werder zurückzukehren?

Natürlich ist das möglich. Aber jetzt bin ich in Fürth und fühle mich hier sehr gut aufgehoben.

Info

Zur Person

Zur Person

Anton Stach kam 2011 als 14-Jähriger aus seiner Heimat Buchholz ins Internat des SV Werder. Für die Grün-Weißen spielte er von der U15 bis zur U17, ehe er die Bremer 2015 verließ und sich für eine Spielzeit der JFV Nordwest anschloss. Es folgten Stationen beim VfL Osnabrück, Jeddeloh und der U23 des VfL Wolfsburg. Im Sommer 2020 unterschrieb Stach seinen ersten Profivertrag bei der SpVgg Greuther Fürth. Seitdem bestritt der 22-Jährige 16 Zweitliga-Spiele und zwei Partien im DFB-Pokal für die Kleeblätter. Stach kommt aus einer sportlichen Familie: Seine Schwestern Emma (24) und Lotta (19) sind erfolgreiche Basketballerinnen - spielen für die deutsche Nationalmannschaft. Sein Vater Matthias (58) war Tennis-Profi und ist ein bekannter TV-Kommentator.

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