Abstiegskampf in der Bundesliga

Werder und das "Nervenspiel" von Augsburg

Es ist eine Art Endspiel am vorletzten Spieltag der Bundesliga: Das Duell zwischen dem FC Augsburg und Werder Bremen am Samstag ist Abstiegskampf in Reinkultur.
13.05.2021, 18:51
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Von Daniel Cottäus
Werder und das "Nervenspiel" von Augsburg

Mit einem Sieg in Augsburg könnte Werder Bremen am Samstag einen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen.

Carmen Jaspersen / dpa

Es gab da während der offiziellen Pressekonferenzen am Donnerstag – eine in Bremen, die andere gut 700 Kilometer weiter südlich in Bobingen, wo der FC Augsburg sein Quarantäne-Trainingslager abhält – dieses eine Wort, an dem Florian Kohfeldt und Markus Weinzierl einfach nicht vorbeikamen. Sowohl der Trainer des SV Werder Bremen als auch der des FCA benutzten es unabhängig voneinander, um das Duell zwischen ihren beiden Mannschaften am Samstagnachmittag zu beschreiben. Das Wort lautete: „Nervenspiel“. Und es brachte die Sache ziemlich genau auf den Punkt. Denn wenn der Tabellen-15. Werder (31 Zähler) am vorletzten Spieltag beim 14. Augsburg (33) antritt, dann ist das Abstiegskampf in Reinkultur. Ein Duell auf Augenhöhe. Direkt am Abgrund. Kein Wunder also, dass beide Trainer im Vorfeld darum bemüht waren, verbale Schritte in Richtung Rettung zu gehen.

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Im Norden, bei Florian Kohfeldt, klang das so: „Ich glaube, dass man in den letzten zwei Spielen eine deutliche Leistungssteigerung bei uns gesehen hat.“ Weinzierl hingegen, nicht weniger optimistisch, betonte: „Wir haben keine Sorgen, wir haben nur eine Riesenchance!“ In der Tat können die Augsburger den Klassenerhalt durch einen Heimsieg gegen Werder perfekt machen, was sie, zumindest auf dem Papier, in die etwas entspanntere Ausgangslage versetzt. Allerdings muss die Mannschaft am letzten Spieltag beim Meister FC Bayern München antreten, der nach der Partie die Schale überreicht bekommt – und das ganz sicher nicht mit einer vorangegangenen Niederlage wird erleben wollen. Wenn Weinzierl vor dem Duell mit Werder also vom „Matchball“ spricht, dann klingt da zumindest indirekt die Befürchtung durch, dass es danach wohl eher nicht mehr viel für seinen FCA zu holen geben könnte.

Florian Kohfeldt rechnet vielleicht auch deshalb mit „zielstrebigen Augsburgern“, die während der Partie „schnell die Tiefe suchen werden“. Ganz so defensiv ausgerichtet wie zuletzt den Top-Teams RB Leipzig im Pokal (1:2 n. V.) und danach Bayer Leverkusen (0:0) wird Werder dem Gegner aber nicht begegnen. „Wir werden mit Sicherheit die eine oder andere spielerische Lösung mehr finden müssen als in den letzten Wochen, weil wir wahrscheinlich häufiger den Ball haben werden“, blickte Kohfeldt voraus. Am Hauptmotto der vergangenen Wochen soll sich bei seiner Mannschaft aber nichts ändern: „Wir müssen Kampf und absolute Energie auf den Platz bringen.“ Schließlich ist Werder dringend auf einen Auswärtssieg angewiesen, um vor dem Saisonfinale gegen Borussia Mönchengladbach nicht in eine nahezu aussichtslose Lage abzurutschen.

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Es ist, wenn man so möchte, eine deutliche Parallele zur Vorsaison, als sich Werder am vorletzten Spieltag in Mainz die Chance geboten hatte, einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen. Genutzt wurde sie beim 1:3 zwar nicht. Am Ende der Saison ging in der Relegation gegen Heidenheim aber dennoch alles glimpflich aus, was Kohfeldt nun von einem „Erfahrungswert“ sprechen lässt, der sich in einen „Mehrwert“ verwandeln könne. „Wir wissen im Rückblick, was dazu geführt hat, dass wir es im letzten Jahr überstanden haben. Diese Punkte versuchen wir jetzt wieder hochzubringen“, sagte der 38-Jährige. Eine Garantie dafür, dass es wieder klappt, sei das natürlich nicht: „Das wäre ein fataler Trugschluss.“ Zumal auch der FC Augsburg aus der Vergangenheit ziemlich genau weiß, wie es sich anfühlt, lange zittern zu müssen. Nervenspiele – für beide Vereine sind sie fast schon zur Normalität geworden. Das ist lästig, weil belastend, kann aber immerhin den kleinen Vorteil bieten, dass die Trainer inzwischen genau wissen, welche ihrer Profis mit Druck besonders gut umgehen können. Und welche nicht so sehr.

„Ich habe leider schon eine Menge Abstiegskämpfe mit Werder mitgemacht und weiß natürlich von dem einen oder anderen Spieler, wie er auf diese Situation reagiert“, sagte Kohfeldt, der die Auswahl des Personals am Samstag einen „entscheidenden Faktor“ nannte. „In den letzten Wochen“, berichtete der Coach und meinte damit noch einmal Leipzig und Leverkusen, „haben wir Spieler gefunden, die gezeigt haben, dass sie es können“. Die in einem Nervenspiel die Nerven bewahren können. In Augsburg sollte das für Werder am Ende nur tunlichst auch mal wieder zu einem Sieg führen.

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