Werder feiert 3:0-Sieg im DFB-Pokal Ganz schön effektiv

Souveräne Vorstellung: Werder hat sich mit 3:0 bei Drittligist Würzburger Kickers durchgesetzt und ist in die zweite DFB-Pokal-Runde eingezogen - Veljkovic gelang dabei ein besonders kurioser Treffer.
12.08.2017, 22:47
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Ganz schön effektiv
Von Marc Hagedorn

Vermutlich konnte dieses Tor nur auf diese Art und Weise fallen. 50 Minuten waren im Stadion am Bieberer Berg gespielt. Werder war im Duell mit Drittligist Würzburger Kickers die etwas bessere, die reifere Mannschaft gewesen. Aber ein Tor wollte den Bremern einfach nicht gelingen. Wenige Augenblicke vor dieser 50. Minute hatte Würzburgs Torwart Wolfgang Hesl einen gefährlichen Kopfball von Theo Gebre Selassie großartig abgewehrt. Auch in der ersten Halbzeit bei Werders bis dahin größter Chance war der Würzburger Torwart Sieger im direkten Duell mit Gebre Selassie geblieben. Werders Erstrunden-Auftritt in Offenbach gegen Würzburg drohte eine verdammt zähe Angelegenheit zu werden.

Doch nun segelte der Ball eine gefühlte Ewigkeit durch die Luft in Richtung Würzburger Tor. Milos Veljkovic war der Absender dieser, ja was eigentlich, Flanke oder dieses Torschusses gewesen. Besonders gefährlich sah das jedenfalls nicht aus. Offenbar auch nicht aus Sicht von Kickers-Keeper Hesl, denn der machte überhaupt keine Anstalten einzugreifen – und dann senkte sich der Ball, der länger und länger wurde, hinter ihm ins Netz. 1:0 für Werder (50.). „Das Tor von Milos hat das Spiel geöffnet“, sagte Cheftrainer Alexander Nouri.

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Es war kein Traumtor von Werders Verteidiger Veljkovic, sondern mehr ein Glücksschuss. „Bei meinem Tor wollte ich eine Flanke schlagen“, gab Veljkovic nach seinem ersten Tor als Profi überhaupt zu. Aber wen störte schon, dass so viel Glück im Spiel war. Als Werderaner ist man im DFB-Pokal schon lange nicht mehr wählerisch. Hauptsache gewonnen. Und das hatte Werder auch, als die Partie beendet war. „Nach dem 1:0 haben wir das Spiel souverän nach Hause gebracht“, so Nouri weiter. Werder legte bis zum Schlusspfiff sogar noch zwei weitere Tore durch Max Kruse (74.) und Maximilian Eggestein (77.) nach. Mit einem 3:0 (0:0)-Erfolg zogen die Bremer in die zweite Runde ein, und nach der 1:0-Führung war es auch eine souveräne Vorstellung.

Heidenheim, Saarbrücken, Münster, Lotte – die Liste von Werders Erstrundenpleiten gegen Drittligisten hat eine beängstigende Länge angenommen in der jüngeren Vergangenheit. Werder hat es seinen Fans im DFB-Pokal zuletzt oft nicht leicht gemacht und war mit einer entsprechend großen Hypothek in die jeweils folgende Bundesliga-Saison gestartet. Nun ist der Start mit Spielen in Hoffenheim und gegen die Bayern bis zur ersten Länderspielpause Ende August kein leichter, aber der allergrößte Druck, die allergrößte Sorge vor einem Fehlstart ist erst einmal dahin. „Der Sieg ist wichtig, dass man gut in die Saison startet“, sagte Maximilian Eggestein.

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Dabei tat sich Werder zumindest 50 Minuten lang schwer gegen die Würzburger Kickers. Natürlich war leicht erkennbar, wer von beiden Teams der Erstligist war. Werder kontrollierte das Spiel. Werder hatte zur Halbzeit 70 Prozent Ballbesitz. Die Werder-Spieler gewannen 70 Prozent aller Zweikämpfe, und sie schossen auch doppelt so oft wie der Gegner auf das Tor, nämlich vier Mal. Aber ins Tor flog der Ball nicht.

Dass auch die Würzburger vor der Pause nicht jubeln durften, lag am Pfosten. Die ersten 45 Minuten waren fast abgelaufen, da schafften es Robert Bauer und Lamine Sane nicht, Björn Joppek entscheidend zu stören beziehungsweise den Ball konsequent zu klären. So kam Emanuel Taffertshofer sechs Meter vor dem Tor in Schussposition, traf aber nur den Pfosten. Glück gehabt.

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Werder tat sich schwer, Tempo ins eigene Spiel zu bringen. Werder kam zunächst selten direkt und schnell vors Würzburger Tor – es sei denn, die Bremer setzten ihre Außenbahnspieler Ludwig Augustinsson (links) und Theo Gebre Selassie (rechts) ein. Vor allem Augustinsson hatte viele auffällige Szenen. Seine Hereingaben waren meist scharf und gefährlich, außerdem suchte er konsequent den Torabschluss, wenn sich die Möglichkeit dazu bot. An der besten Bremer Chance vor der Pause war er folglich auch beteiligt: Augustinsson lange Hereingabe nahm Gebre Selassie aus sechs Metern direkt. Würzburgs Torwart Wolfgang Hesl klärte mit einer Glanzparade (38.). Bei der ersten Gebre-Selassie-Chance zehn Minuten zuvor hatte Hesl nicht eingreifen müssen. Jerome Gondorfs Ablage nach Augustinsson-Flanke setzte Gebre Selassie aus acht Metern knapp über das Tor.

Cheftrainer Alexander Nouri hatte die erwartete Startelf nominiert. Das heißt, dass Robert Bauer, Lamine Sané und Milos Veljkovic die Dreierkette bildeten. Im Mittelfeld startete der von einer leichten Erkältung genesene Jerome Gondorf an der Seite von Thomas Delaney, der Werder erstmals in einem Pflichtspiel auch als Kapitän aufs Spielfeld führte. Im Sturm gab Florian Kainz das Double für den im Pokal gesperrten Fin Bartels. Kruse und Kainz waren zwar viel unterwegs, agierten aber wenig effektiv. Kainz‘ Standards etwa, bei Ecken und Freistößen, fanden zu selten Bremer Abnehmer. Kruses Hereingaben und sein einziger Abschluss in der ersten Halbzeit gerieten zu unpräzise.

Maximilian Eggestein setzt den Schlusspunkt

Das sah auch nach der Pause zunächst nicht besser aus. Aber dann kam die 74. Minute: Augustinsson eroberte den Ball, spielte zu Kainz und dessen diesmal präzise Flanke köpfte Kruse aus sechs Metern zum 2:0 ein. Der Treffer war die Entscheidung und sorgte für ein eher seltenes Bremer Pokalgefühl: für Entspannung, die zur Siegesgewissheit wurde, als Maximilian Eggestein nur drei Minuten später das 3:0 erzielte. Wieder war Kickers-Torwart Hesl Wegbereiter gewesen. Mit einem scharfen Zuspiel hatte er seinen Verteidiger Ioannis Nikolaou in Bedrängnis gebracht. Eggestein stiebitzte den Ball, umkurvte Hesl und schoss ein. Der Rest war Jubel in grün-weiß.

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