Werder Bremen Geduldsprobe für Werders Johannes Eggestein

Aufgrund seiner Verletzung ist Johannes Eggesteins erstes Jahr bei den Werder-Profis früher beendet als geplant. Derzeit schuftet er in der Reha, um in der nächsten Saison wieder voll anzugreifen.
29.03.2017, 20:50
Lesedauer: 5 Min
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Geduldsprobe für Werders Johannes Eggestein
Von Felix Frank

Aufgrund seiner Verletzung ist Johannes Eggesteins erstes Jahr bei den Werder-Profis früher beendet als geplant. Derzeit schuftet er in der Reha, um in der nächsten Saison wieder voll anzugreifen.

Immerhin ist er nicht allein. Wenn Johannes Eggestein seine Reha-Übungen absolviert, hat er einen prominenten Leidensgenossen an seiner Seite: Clemens Fritz. Gemeinsam mit dem Werder-Routinier absolviert das Werder-Talent die Einheiten im Kraftraum.

Für beide ist die Saison aufgrund einer ähnlichen Verletzung vorzeitig beendet: Fritz zog sich einen Riss des Syndesmosebandes zu, Eggestein einen Teilabriss. „Wir haben so ziemlich das identische Programm“, sagt Eggestein. „Es ist natürlich total schade, dass er auch die Verletzung hat. Aber es hilft uns beiden, dass wir einen Partner haben, mit dem man das gleiche Schicksal teilt.“

Nicht nur eine Überdehnung

An den Moment vor gut drei Wochen, als das Schicksal seinen Lauf nahm, erinnert sich der 18-Jährige noch ziemlich genau. Bei einem DFB-Lehrgang der U 19-Nationalmannschaft stolperte ein Spieler beim Zweikampf um den Ball und fiel unglücklich auf seinen Fuß. „Ich habe ein Knacken gehört, und alle um mich herum haben das auch gehört. Ich hatte ziemlich starke Schmerzen“, sagt Eggestein.

In dem Moment sei ihm klar gewesen, dass es nicht nur eine Überdehnung sein könne. „Dass es jetzt gleich das Syndesmoseband getroffen hat, ist natürlich ärgerlich“, sagt er. Nach der Rückkehr nach Bremen folgten eingehende Untersuchungen – und die bittere Diagnose der Ärzte. Seitdem ist sein linker Fuß in Gips, und er bewegt sich auf Krücken fort. Schmerzen habe er derzeit nicht, sagt Eggestein: „Es geht mir ganz gut.“

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Als er aber die Information über das Ausmaß der Verletzung bekam, sei es für ihn schwer gewesen. Vor allem, weil er in seiner bisherigen Laufbahn als Fußballer bis dato keine langwierigen Verletzungen zu beklagen hatte. „Und dann zu hören, dass das Syndesmoseband teilgerissen ist und ich zwei bis drei Monate ausfallen werde, war erst mal ein Schock für mich. Ich musste das alles verarbeiten.“

"Es ist alles umständlich und nervt schon."

Seine Familie half ihm dabei. Ein paar Tage verbrachte er bei seinen Eltern in Hannover. „Sie haben mich aufgebaut“, sagt Eggestein. Und natürlich unterstützte ihn auch sein Bruder, der Werder-Profi Maximilian Eggestein. In Bremen wohnen sie direkt nebeneinander. „Wir stehen in engem Kontakt, sprechen darüber und bauen uns gegenseitig auf“, sagt Johannes Eggestein.

Und obwohl er jetzt so lange ausfallen wird, sieht er in seiner Situation etwas Positives. „Natürlich bin ich lieber gar nicht verletzt. Aber ich denke, dass es eine gute Erfahrung ist, wie man mit solch schlimmeren Verletzungen umgeht.“ Schon nach wenigen Tagen sei er voller Motivation gewesen, das Reha-Programm anzugehen.

Krafttraining an sich empfindet Eggestein nicht als nervig. „Das mache ich gerne, da habe ich Spaß dran. Aber wenn ich das linke Bein nicht belasten darf, fallen Übungen viel schwerer.“ Außerdem brauche er jemanden, der ihm die Gewichte bringe, „sonst hüpft man auf einem Bein durch den Kraftraum. Es ist alles umständlich und nervt schon.“

Eggestein kann einiges von Fritz lernen

Etwas anderes nervt ihn noch mehr: „Wenn ich die anderen Spieler in der Kabine sehe, wie sie dann auf den Platz gehen und bei strahlendem Sonnenschein Fußball spielen, ist das nicht ganz so einfach.“ Das Fußballspielen sei sein Beruf, „und den übe ich ja mit Spaß aus. Wenn man das dann nicht machen kann, ist das belastend.“

Nun also schuftet er mit Clemens Fritz. Von dem 36-Jährigen könne er einiges lernen, sagt Eggestein. „Man unterhält sich sehr viel, gerade weil man so eine ähnliche Verletzung hat. Er bringt viel Erfahrung mit, wie man mit solchen Verletzungen umgehen kann. Er hilft mir, gibt mir den einen oder anderen Tipp.“ Die beiden Leidensgenossen reden aber nicht nur über die Verletzung.

„Ich befrage ihn zu seiner Karriere. Mich als jungen Spieler interessiert das, wie das bei ihm gelaufen ist, weil er ja auch mal jung war und angefangen hat.“ Eggesteins eigener Karrierestart bei den Profis verlief – nicht nur wegen der Verletzung – durchwachsen. In der aktuellen Saison, seiner ersten beim Bundesliga-Team, kam er nur zu einem Kurzeinsatz im DFB-Pokalspiel gegen Lotte.

Übergang zum Herrenbereich

Er trainierte mit den Profis, spielte aber meist beim U 23-Team in der dritten Liga. In der Bundesliga reichte es nicht mal zu einem Kurzeinsatz. Ist das nicht zu wenig für einen so talentierten Fußballer, an dem internationale Topklubs wie Manchester United interessiert waren?

Werders Sportchef Frank Baumann sieht das anders. Er zeigt sich mit der Entwicklung des Sturm-Talents „sehr, sehr zufrieden, auch wenn sich Johannes den einen oder anderen Einsatz mehr erhofft hätte“. Es sei darum gegangen, den Übergang zum Herrenbereich zu schaffen, sich im Bundesliga-Training zu beweisen und sich körperlich weiterzuentwickeln.

Dass Eggestein in dieser Saison in der Bundesliga noch keinen Einsatz hatte, habe auch mit dem großen Kader zu tun und der Konkurrenz im Angriff, sagt Baumann: „Wir lassen uns grundsätzlich aber nicht von unserem Weg abbringen, sind geduldig und geben den Jungs die Zeit, die sie brauchen.“

Viele Klubs waren interessiert

Eggestein selbst sieht sich, was den gemeinsamen Plan angeht, ebenfalls im Soll. Natürlich mit Ausnahme der Verletzung. Es sei so vorgesehen, dass es im ersten Jahr über Einsätze in der U 23 gehen könne, sagt er. Er bewertet seine Entwicklung als gut, gibt aber zu: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich war nicht darauf aus, einen Kurzeinsatz bei den Profis in dieser Saison zu bekommen.“

Man müsse als junger Spieler einen Spalt finden zwischen Geduld und Ungeduld, sagt er. Frust sei bei ihm nicht aufgekommen, aber: „Da ist schon mal so etwas wie Enttäuschung, wenn einem am Freitag gesagt wird, du spielst in der U 23.“ Den Rummel um seine Person konnte Eggestein im vergangenen Sommer ganz gut ausblenden – er war auf dem Platz gefordert.

Werders U 19 schoss er als Torschützenkönig mit 33 Treffern zur Meisterschaft in der Bundesliga Nord/Nordost. „Es freut mich zu hören, dass so viele Klubs an mir interessiert waren. Das ist eine Bestätigung der Leistung, die ich erbracht habe“, sagt Eggestein. „Für mich stand aber relativ schnell fest, dass ich bei Werder bleibe.“

Ziel für die zweite Profi-Saison ist klar

Die Perspektive, die Nähe zur Familie und das Klima im Verein seien die entscheidenden Argumente gewesen. Stolz auf das bisher Erreichte sei er, sagt Eggestein. Dennoch bleibt er bescheiden: „Ich habe noch keinen Einsatz bei einem Bundesliga-Verein. Warum soll ich denken, dass ich der Größte bin? Ich bin so erzogen worden, dass ich auf gar keinen Fall abhebe."

Sein Ziel für die zweite Saison bei den Profis ist klar: „Es wird darum gehen, noch enger zu den Profis zu stoßen und die ersten Einsätze zu bekommen“, sagt Eggestein. Und der Stürmer ist trotz der Verletzung optimistisch, dass das klappt: „Wenn man von einem glücklichen Zeitpunkt einer so langwierigen Verletzung sprechen kann, dann ist es jetzt. Ich falle zwar für den Rest der Saison aus, kann aber zur neuen Saison wieder voll durchstarten.“

Am Freitag soll erst mal der Gips abkommen und durch eine Schiene ersetzt werden. Bis er wieder auf dem Platz steht, wird es noch etwa zwei, drei Monate dauern. „Das hängt davon ab, wie die Genesung verläuft, das muss ich dann austesten. Wir denken step by step.“ Nach sechs Wochen, wenn der Großteil auskuriert ist, könne er sein linkes Bein wieder richtig belasten, sagt Johannes Eggestein. Bis dahin steht noch die eine oder andere Reha-Einheit mit Clemens Fritz auf dem Programm.

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