Vor Regensburg Werder will an Erfolg gegen Aue anknüpfen

Das Debüt für den neuen Werder-Trainer hätte wohl kaum besser laufen können. Nun will Ole Werner mit seiner Mannschaft nachlegen. Wie das gelingen soll.
08.12.2021, 18:54
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus

Es gibt da etwas, was Ole Werner überhaupt nicht mag, worauf er verzichtet, wann immer es geht. Schon bei seinen ersten öffentlichen Auftritten als neuer Cheftrainer des SV Werder Bremen ist das deutlich geworden: Werner spricht nicht gerne über Werner. 

Werner kommt bei den Bremer Fans an 

„Es ist immer ganz besonderes angenehm, über sich selbst zu reden“, entgegnete der 33-Jährige am Mittwoch, als er zum wiederholten Male nach einer Selbsteinschätzung gefragt worden war, dieses Mal nach der, inwieweit er sich als „typisch norddeutsch“ betrachtet. Besonders schön: Werners Rede-Unlust bei diesem Thema war zugleich irgendwie schon Teil der Antwort auf die Frage – denn mehr norddeutsches Understatement geht eigentlich kaum. Dann sagte er pflichtschuldig noch: „Ich glaube, dass Norddeutsche mit einer gewissen Nüchternheit, Sachlichkeit und Klarheit in Verbindung gebracht werden und dass man das zu weiten Teilen auch über mich sagen kann.“ Könnte einer der Gründe dafür sein, warum der Coach bei den Bremer Fans bis dato so gut ankommt. An einem noch gewichtigeren – dem sportlichen Erfolg – möchte er mit seiner Mannschaft am Freitagabend weiterarbeiten: „Nach dem Sieg gegen Aue wollen wir in Regensburg nachlegen.“

4:0 vor heimischem Publikum, dazu unter Flutlicht und mit Traumtoren – viel besser hätte das Werner-Debüt als Werder-Trainer vor knapp einer Woche nicht ausfallen können. Und entsprechend gut war die Laune in den vergangenen Tagen am Osterdeich. „Wenn man eine Woche, in der sich viele Dinge verändert haben, mit einem positiven Ergebnis und einer positiven Leistung abschließen kann, dann hilft das allen Beteiligten“, sagte Werner, der kurz vor dem Aue-Spiel als Nachfolger des zurückgetretenen Markus Anfang präsentiert worden war.

Lesen Sie auch

Jetzt soll aus dem guten Start möglichst der Beginn einer Serie werden. Mit einem Erfolg beim Tabellendritten Regensburg (28 Punkte) könnte Werder (23) den Anschluss an die Spitzengruppe der Liga im letzten Hinrundenspiel wiederherstellen. „Bei Spielen gegen Mannschaften, die vor dir stehen, besteht natürlich immer die Möglichkeit, durch einen Sieg in andere Tabellenregionen vorzustoßen“, sagte Werner – und betonte: „Und das ist auch unsere Zielsetzung.“ Was wie der Beginn einer Kampfansage klang, wurde danach aber schnell wieder norddeutsch-sachlich: Das Allerwichtigste in der 2. Liga sei es, „dass du einen unheimlichen Fokus darauf hast, wie du arbeitest“. Davon dürfe man sich auch bei Unentschieden oder Niederlagen nicht gleich abbringen lassen. Werner ist überzeugt davon: Auf Strecke wird gute Arbeit in der 2. Liga belohnt, „dann kann zur Not auch zu einem späteren Zeitpunkt in der Tabelle noch einmal eine Tür nach oben aufgehen“.

Regensburg ist anderes Kaliber als Aue

Geduld, Kontinuität und Ruhe – damit möchte Werner Werder besser machen. Auf dem Platz darf es aber gerne anders aussehen. „Wir haben vor allem im Spiel mit dem Ball viele gute Fußballer und verfügen in der Offensive über mehrere Positionen mit einer Wucht, die in der Liga nicht viele Mannschaften haben“, betonte der Coach. Werders Anspruch müsse es sein, „dass wir auf dem Platz entscheiden wollen, was passiert“. Gegen Aue hat das gut funktioniert, in Regensburg wartet nun jedoch ein anderes Kaliber.

Nachdem die Bayern im Vorjahr beinahe abgestiegen wären, mischen sie aktuell ganz oben mit. Die Mannschaft von Trainer Mersad Selimbegovic überzeugt bisher mit schnörkellosem Fußball, in Sachen Umschaltspiel hält Werner sie gar für „eine der besten Mannschaften der 2. Liga“.
Wie schon während des DFB-Pokal-Viertelfinals in der Vorsaison, das Werder im April mit 1:0 gewann, werden am Freitag keine Zuschauer im Jahnstadion sein. Für Werder steht also das erste Geisterspiel der laufenden Saison an. Werner bedauert das („Natürlich würden wir lieber vor Zuschauern spielen“), einerseits. Andererseits sagte er aber auch: „Für uns kann es ein kleiner Vorteil sein, weil wir nach wie vor dabei sind, uns zu finden und Absprachen im Spiel so etwas leichter fallen.“ Einfach das Beste daraus machen, es ist ja, wie es ist. Irgendwie ist auch das ziemlich norddeutsch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+