Zurückgeblättert: 15. Dezember 1978

„Geils soll Uli Hoeneß stoppen“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
15.12.2018, 08:25
Lesedauer: 3 Min
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Von mw
„Geils soll Uli Hoeneß stoppen“
Archiv Weser-Kurier

Der WESER-KURIER schrieb am 15. Dezember 1978:

Zumindest einer unter den mehr als 20.000 Zuschauern sah am Dienstagabend im Weserstadion offensichtlich ein großes Fußballspiel: „Ich bin beeindruckt. Werder hat gegen die beste Vereinsmannschaft der Welt eine hervorragende Partie geboten", berichtete ein Mann, der zu den Fachleuten zu rechnen ist. Nur: Solche Komplimente wurden im fernen Nürnberg verteilt und die Absicht, die Werner Kern mit derlei Lob verband, war nicht schwer zu erraten. Auch die Fußballer des 1. FC Nürnberg, die morgen zum Bundesligaspiel im Weserstadion anzutreten haben, sind gegen einen vermeintlich hohen Favoriten Werder, dessen Loblied ihr Trainer Kern sang, sicherlich mit besonderem Ehrgeiz bei der Sache.

Werders Trainer Weber registrierte derlei Komplimente mit einem Schulterzucken. „Jeder muß wissen, wie er seine Mannschaft vorbereitet. Meine Spieler jedenfalls werden den 1.FC Nürnberg bestimmt nicht unterschätzen„, versicherte der 34jährige, für den es am Sonnabend um mehr als zwei Punkte geht: „Danach sind vier Wochen Pause, da würde ein Sieg viel zur guten Stimmung bis zum Rückrundenstart beitragen“, überlegte der Trainer, dessen Schützlinge zudem immer noch nicht wissen, ob sie Weihnachten mit Sonderurlaub und einer Gratifikation rechnen können. Erst nach dem Spiel soll darüber gesprochen werden.

Vorher sprach Weber längere Zeit mit seinen drei Sturmspitzen Reinders, Wunder und Dreßel. „Ihr Verständnis untereinander gefällt mir nicht. Und es geht nicht an, daß der eine abwinkt, wenn der andere einen Fehler gemacht hat", rügte Weber. Dennoch sollen diese drei abermals den Angriff bilden, denn Weber erwartet sich von der Spurtschnelligkeit seiner Außenstürmer Reinders und Dreßel die Flanken, die Wunder zu den erforderlichen Treffern verwerten soll.

Das Bundesliga-Programm

Freitag

VfL Bochum — 1. FC KaiserslauternBor. Mönchengladbach — Fort. DüsseldorfVfB Stuttgart — SV Darmstadt 98

Sonnabend

Werder Bremen — 1. FC NürnbergSchalke 04 — Eintracht BraunschweigBayern München — Hamburger SVArminia Bielefeld — Borussia DortmundEintracht Frankfurt — MSV DuisburgHertha BSC Berlin — 1. FC Köln

Gestern sah es so aus, als ob Karlheinz Geils seine Wadenverletzung bis zum Anpfiff überwunden haben dürfte. Ist er fit, wird er auch eingesetzt, denn einiges deutet darauf hin, daß Weber Geils zum Bewacher des meist auf dem rechten Flügel der Nürnberger stürmenden Exmünchners Hoeneß ausersehen hat. Auf jeden Fall ist auch Kamp nach seiner überzeugenden Dienstagleistung wieder mit von der Partie, was Weber vor die Qual der Wahl stellt: Konschal, Hiller, Siegmann oder Möhlmann müssen fürchten, auf die Reservebank verbannt zu werden.

Trotz der Strapazen, die das aufgeweichte Spielfeld am Dienstag zu überstehen hatte, ist im übrigen die Partie morgen auch bei schlechten Witterungsverhältnissen nicht gefährdet. „Der Platz ist in gutem Zustand und wird so intensiv behandelt, daß nach menschlichem Ermessen in Bremen kein Spiel ausfallen kann", versicherte Sportamtsleiter Arnold Neuhaus, der bereits Anfang der Woche gemeinsam mit dem Gartenbauamt dafür sorgte, daß trotz Frost und anschließendem Regen die Tribüneneinweihung problemlos über die Bühne gehen konnte.

Heute abend schon Herbstmeister?

Nur zweimal wurde der Verein, der zur Saisonhalbzeit Tabellenführer war, in der Geschichte der Bundesliga am Ende nicht deutscher Fußballmeister. Im Glauben an diese „goldene„ Regel, von der nur Bayern München (1970) und Schalke (1971) abwichen, will Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern sich bereits heute abend die sogenannte „Herbstmeisterschaft“ sichern. Bei vier Punkten Vorsprung vor dem HSV reicht den Pfälzern in Bochum bereits ein Punkt. Das ist vom Hamburger SV nur dann zu verhindern, wenn Bochum den Spitzenreiter schlägt, und die Norddeutschen selbst beim FC Bayern München und anschließend auch das Nachholspiel gegen Arminia Bielefeld gewinnen. In München stehen die HSV-Kicker sozusagen auf dem Prüfstand, ob sie wirklich das Zeug zum Meister haben. Nach der Krankmeldung von Trainer Gyula Lorant geht es für die aufmüpfigen Bayern-Stars darum, nach dem 1:7-Debakel in Düsseldorf unter Beweis zu stellen, daß sie wirklich besser ohne den Ungarn spielen.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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