Baumann lässt sich nicht hetzen

Gelassen in den Transferendspurt

Ein paar Tage bleiben noch, um Werder zu verstärken. Sportchef Frank Baumann strahlt derzeit trotz der zwei offenen Planstellen völlige Gelassenheit aus. Und seine Vorliebe für späte Transfers ist bekannt.
28.08.2019, 20:01
Lesedauer: 3 Min
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Gelassen in den Transferendspurt
Von Malte Bürger
Gelassen in den Transferendspurt
nordphoto

Die Transferphase biegt auf die Zielgeraden ein, der Puls kann da leicht in die Höhe schnellen. Werders Sportchef Frank Baumann demonstriert jedoch einmal mehr absolute Gelassenheit. Auch die personellen Sorgen in der Abwehr haben nicht dafür gesorgt, dass der 43-Jährige jetzt in Panik verfällt. Die Hängepartie um Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb bringt ihn ebenfalls nicht aus der Ruhe. „Grundsätzlich ist man froh, wenn der Kader steht – und das ist aller Voraussicht nach am Montag ja der Fall“, sagt Baumann trocken.

Bis dahin steht gewiss noch ein wenig Arbeit an, doch wer Baumanns Transferbilanz der vergangenen Jahre im Hinterkopf hat, weiß, dass späte Verpflichtungen ein Art Spezialgebiet des Ehrenspielführers sind. Der Sommer 2016 neigte sich dem Ende entgegen, als am letzten Tag der Wechselperiode Serge Gnabry verpflichtet wurde. Ziemlich genau ein Jahr später wurde Ishak Belfodil im Schlussspurt ausgeliehen.

Zwei Tage länger Zeit

Selbst als im vergangenen Jahr eigentlich niemand mehr kommen sollte, kam doch noch jemand. „Auf der Kaufseite wird nichts mehr passieren“, sagte Baumann seinerzeit am Vortag des sich schließendenden Transferfensters. Der Rest ist bekannt: Plötzlich zauberten die Bremer doch noch Nuri Sahin aus dem Hut. Das gleiche Kunststück zeigte Baumann auch schon im Winter 2018, als Milot Rashica und Sebastian Langkamp kurz vor Ultimo verpflichtet wurden.

Und jetzt? Zumindest kalendarisch gibt es eine Umstellung. Normalerweise endet die Wechselfrist in Deutschland am 31. August – da jener Tag aktuell jedoch auf einen Sonnabend fällt, gibt es einen Aufschub. Zwei Tage länger haben die Vereine Zeit, um sich zu verstärken. Bis zum 2. September um 18 Uhr müssen alle Verträge unterzeichnet und Formalitäten abgearbeitet sein. Auch Werder verfügt somit über ein zusätzliches Polster, um die beiden Lücken im Kader auf der rechten Seite und im Mittelfeld zu schließen.

Keine Alternative für Bentaleb?

Eine Sache steht dabei schon fest: "Wir werden definitiv einen Außenverteidiger verpflichten", sagte Baumann. „Es gibt den einen Kandidaten, den wir verpflichten wollen. Wir sind auf einem guten Weg, den Spieler zu uns zu holen." Eine derart offensive Aussage lässt darauf schließen, dass die Angelegenheit eher eine Sache von Stunden als mehreren Tagen ist. Anders sieht es dagegen im Mittelfeld aus, wo Schalkes Nabil Bentaleb weiter Favorit ist. Doch der Wechsel stockt, die Vereine pokern um die Details des Geschäfts. Und was wäre eigentlich, wenn der Deal tatsächlich noch platzt? Hätte Werder noch eine Alternative in der Hinterhand? "Ich würde es nicht komplett ausschließen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass keiner mehr kommt, ist dann deutlich größer", betonte Frank Baumann.

Es wäre ein Szenario, das sich vor allem viele Fans lieber nicht ausmalen. Auch Werders Sportchef hat natürlich registriert, dass die Sorgenfalten auf den Gesichtern der Anhängerschaft nach den beiden Niederlagen zum Saisoneinstand und den eminenten Verletzungssorgen deutlich größer geworden sind. Anstecken lässt sich Baumann davon aber nicht. „Erst einmal haben wir immer betont, dass es eine schwierige Saison werden wird und kein Selbstläufer, dass wir unsere Ziele erreichen“, sagte er. „Es wird immer Phasen in einer Saison geben, in denen es nicht so läuft, wie man es gern hätte. Damit muss man umgehen. Wir haben es jetzt am Anfang der Saison sehr geballt, dass es ein Stück weit gegen einen läuft.“

Kämpfen statt hinnehmen

Das allein genügt aber nicht, um Frank Baumann nachhaltig zu verunsichern. Vielmehr hat er längst den Angriffsmodus eingeschaltet. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt die Dinge über sich ergehen – aber das ist für uns keine Option“, sagte er. „Oder man nimmt die Situation an und versucht, das Bestmögliche daraus zu machen. Das hat die Mannschaft in Hoffenheim schon sehr gut gemacht und stimmt mich optimistisch, dass wir in den kommenden Wochen trotz der angespannten Personallage die ersten Punkte und Siege einfahren.“

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