Für Moisander geht es auch ohne Verstärkung

„Genügend Qualität für den Klassenerhalt"

Die Fans hoffen im Abstiegskampf noch auf Zugänge, vor allem im Sturm könnte Werder Verstärkung gebrauchen. Kapitän Niklas Moisander hält jedoch den aktuellen Kader für stark genug, um die Liga zu halten.
30.01.2020, 10:09
Lesedauer: 3 Min
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„Genügend Qualität für den Klassenerhalt
Von Malte Bürger
„Genügend Qualität für den Klassenerhalt"

Werders Kapitän Niklas Moisander.

nordphoto /Kokenge

Niklas Moisander hat in seiner langen Karriere schon viel erlebt. Spannende Champions-League-Abende mit Ajax Amsterdam zum Beispiel. Oder packende Schlachten mit der finnischen Nationalmannschaft. Und den Abstiegskampf mit Werder. Immer wieder Abstiegskampf mit Werder. Das härtet ab. „In meinen ersten beiden Jahren hier waren wir auch in schwierigen Situationen. Damals war es eine unserer Stärken, dass wir nicht zu negativ waren“, sagte Werders Kapitän am Mittwoch. „Natürlich läuft vieles nicht gut für uns im Moment, aber wir müssen positiv bleiben und alles geben.“

Wer in das Gesicht des Verteidigers blickt, erkennt aber auch dort, dass die Seele dieses Mal ganz besonders leidet. Da sind die enormen Personalsorgen des Teams, die schwankenden Leistungen und dürftigen Ergebnisse der vergangenen Monate. „Die Stimmung ist noch immer ganz gut“, sagte Moisander, um dann schnell hinterherzuschieben: „Natürlich nicht so gut, wie sie im letzten Jahr war.“ Damals spielte Werder phasenweise begeisternden Fußball, jeder, aber wirklich jeder Gegner schien bezwingbar. Und jetzt? Keine zwölf Monate später wirkt es so, als sei dieses Damals schon unheimlich weit weg.

Weiter. Immer weiter

Die Mannschaft dürstet nach Erfolgserlebnissen. Der Sieg gegen Düsseldorf tat gut, doch der Psycho-Schub droht zu verpuffen. Beinahe gebetsmühlenartig wiederholen deshalb alle Beteiligten, dass beim 0:3 gegen Hoffenheim nun auch nicht alles schlecht war. Es sei zwar auch nicht alles schön gewesen, „doch für mich war es eigentlich ein typisches 0:0-Spiel“, meint Moisander. Dass es nicht so kam, liegt an der Brutalität des Geschäfts, glaubt der Finne. „Wir sind in einer Krise, da passieren verrückte Dinge wie das erste Gegentor. Und auch der zweite Treffer war ein bisschen komisch.“ Eine Patentlösung, wie diesem Teufelskreis zu entkommen ist, hat auch Niklas Moisander nicht parat. Er versucht es trotzdem, einen Ausweg zu finden – indem er den unbefriedigenden Ist-Zustand akzeptiert und ihn mit allen noch vorhandenen Mitteln bearbeitet. Mehr bleibt ihm im Grunde ja auch nicht übrig. „Wir müssen weiter dagegen angehen und kämpfen. Solche Situationen kommen eben, wenn man in einer solch schwierigen Lage ist wie wir.“

Das gilt auch für den Transfermarkt. Werder möchte unbedingt etwas machen, muss es angesichts der vorhandenen Schwierigkeiten eigentlich sogar. Doch die Mittel sind begrenzt, der Kreis der Kandidaten ist es ebenso. Niklas Moisander ist ganz froh, dass er sich darum nicht auch noch kümmern muss. „Ich denke darüber gar nicht nach und habe da volles Vertrauen in Frank Baumann“, sagte der 34-Jährige. „Ich muss mich nur auf den Fußball und die Mannschaft konzentrieren.“ Somit lässt sich auch Moisander überraschen, ob der Bremer Sportchef bis Freitagabend um 18 Uhr noch jemanden aus dem Hut zaubert. Und selbst wenn nicht, bliebe der Abwehrchef relativ gelassen. „Wenn wir einen guten Spieler holen können, ist das schön“, sagte Moisander, „aber ich glaube auch weiterhin, dass wir genug Qualität haben, um den Klassenerhalt zu schaffen.“

Moisanders besseres Gefühl

Es ist eine Aussage, die nach all den Erlebnissen während dieser Saison zumindest ein wenig verblüfft. Das spürte auch Moisander. Und bevor nun jemand vorschnell auf die Idee kam, dass der Defensiv-Routinier die Gesamtsituation gemeinsam mit den Teamkollegen vielleicht unterschätzen könnte, probierte er sich an einer Erläuterung. "Wir kennen die Tabelle. Und wir werden wahrscheinlich bis zum Ende der Saison um den Klassenerhalt kämpfen müssen", sagte er. "Natürlich war das 0:3 gegen Hoffenheim auch enttäuschend. Aber wir haben nicht so schlecht gespielt wie vor der Winterpause.“ Dieses Gefühl, dieser minimal erkennbare Aufwärtstrend genügt ihm, um optimistisch nach vorne zu blicken.

Und natürlich die Tatsache, dass er am Wochenende wieder selbst mitspielen darf. Nach seiner Gelb-Roten Karte wegen Meckerns in Düsseldorf musste er zuletzt zuschauen, gegen Augsburg kehrt er nun zurück. „Ich muss in Zukunft vielleicht weniger Emotionen zeigen, aber eigentlich würde ich es in so einer Situation genauso wieder machen“, erklärte Moisander, der sich noch immer mehr Fingerspitzengefühl von Schiedsrichter Felix Brych seinerzeit gewünscht hätte. Gegen Hoffenheim erwischte es dann auch noch Marco Friedl, der sich nach einer Beschwerde beim Unparteiischen eine Sperre abholte. Begleiterscheinungen, die Werder nun beim besten Willen nicht auch noch gebrauchen kann. “Das war mit Marco und mir jetzt genug. Wir müssen mit der neuen Regel cleverer umgehen“, betonte Moisander deshalb.

Rückschläge gab es schließlich schon genug in dieser Saison. Allmählich drängt sich die Frage auf, wie viele weitere die Mannschaft noch verkraftet. Auch deshalb sieht der Werder-Fußball im Moment nicht so schön aus, wie sich das alle wünschen, glaubt der Kapitän. „Der Mut und das Vertrauen sind in dieser Situation gerade schwierig zu finden. Aber wir haben gute Charaktere in der Kabine, gute Spieler. Es ist sehr wichtig, dass wir positiv bleiben und einander pushen – aber das ist natürlich gerade nicht so einfach.“

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